Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Grimmen Flatter-Ulme ist Baum des Jahres
Vorpommern Grimmen Flatter-Ulme ist Baum des Jahres
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:01 25.04.2019
Noch ist die Krone der Flatter-Ulme recht kahl. Im Sommer aber spendet sie mit ihrem dichten Blätterwerk viel Schatten. Quelle: Anja Krüger
Anzeige
Sievertshagen

Elfen sind bei diesen Bäumen sehr aktiv, die Holzgewächse sollen gegen Blitzschlag schützen und ihr Geist hält den Schlüssel zu Empathie und Mitleid: Von vielen Sagen sind die Ulmen umwoben. In diesem Jahr wird dieser Baumart besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Vor allem der Flatter-Ulme, die zum Baum des Jahres ernannt wurde.

Viele Jahre sei der Flatter-Ulme keine Beachtung geschenkt worden, wie Sievertshagens Revierförster Dietmar Braatz und Wolfgang Behl vom Forstamt Poggendorf berichten. Nicht nur allgemein sei das so gewesen, sondern auch im Bereich des hiesigen Forstamtes. Der Grund: Flatter-Ulmen mögen es nass. Und diese Böden sind schwer zu bewirtschaften. „Um empfindliche Standorte hat man meist einen Bogen gemacht“, gesteht auch Dietmar Braatz. Ein Fehler, wie er meint. Denn das habe dazu geführt, dass zum einen diese Baumart wenig bekannt ist und zum anderen auch selten vorkommt. Für das Forstamt Poggendorf, zu dem neben acht weiteren auch Braatz Revier gehört, und das für rund 20 000 Hektar Waldfläche verantwortlich ist, bedeutet das in einer Zahl ausgedrückt: „Im Jahr 2010 hatten wir unter einem Hektar Flatter-Ulmen-Bestand“, berichtet Behl.

Anzeige
Revierförster Dietmar Braatz (l.) und Wolfgang Behl vom Forstamt Poggendorf an der charakteristischen Brettwurzel einer Flatter-Ulme. Quelle: Anja Krüger

Nun sehe das anders aus. „Mit dem Sterben der Eschen hat sich das geändert. Denn Alternativen für die Aufforstung mussten gefunden werden“, informiert Behl. Mittlerweile liege der Bestand im Forstamtsbereich bei 50 Hektar. Rund sieben Hektar sind allein im Forstrevier Sievertshagen angepflanzt worden. Braatz ist stolz darauf. Denn er weiß um die Einzigartigkeit dieses Holzgewächses. „Um mehr Standfestigkeit auf nassen Böden zu bekommen, bildet die Flatter-Ulme Brettwurzeln – als einziges heimisches Gehölz“, erzählt er und zeigt eine solche Wurzel an dem ältesten Exemplar in seinem Revier – einer 143 Jahre alten Flatter-Ulme.

Die Flatter-Ulme ist Baum des Jahres 2019.

Inzwischen fühlen sich die Forstleute aus moralischer und ethischer Sicht wieder zunehmend verantwortlich, diese Baumart zu erhalten. Denn unter dem Aspekt des Artenschutzes ist es nicht nur der Baum selbst, den es zu erhalten gilt. „Sie stellt auch beispielsweise für den Ulmenblattfloh den einzigen Lebensraum dar“, weiß Braatz zu berichten. Dieses kleine Kerlchen produziert Honigtau, der wiederum Nahrung für andere Insekten ist.

Wesentlich anfälliger als die Flatter-Ulmen sind deren Verwandten, die Berg-Ulmen. Auch im Forstrevier Sievertshagen sind viele Bäume vom sogenannten Schlauchpilz befallen und abgestorben. Quelle: Anja Krüger

Und noch ein wichtiger Aspekt spricht dafür, der Flatter-Ulme mehr Beachtung zu schenken. Denn ihren Verwandten, der Berg- und der Feld-Ulme, droht ein ähnliches Schicksal wie der Esche. Auch ihnen wird Pilz, der sogenannte Schlauchpilz zum Verhängnis. Übertragen wird dieser vom Ulmensplintkäfer. Braatz zeigt ein kleines Waldstück, in dem einst Eschen und Berg-Ulmen standen – die toten Eschen sind bereits entfernt worden, tote Berg-Ulmen dagegen ragen noch in den Himmel. Der Flatter-Ulme dagegen scheint die Rinde dem Ulmensplintkäfer nicht zu behagen oder sie aufgrund ihrer anderen Rinde nicht als Ulme anzuerkennen. Er meidet das Gehölz mit den an langen Stängeln hängenden Blüten und Früchten, die ab Frühling im Wind „flattern“ und dem Baum den Namen geben haben.

Steckbrief der Flatterulme

Die Flatter-Ulme kommt vorrangig im östlichen Teil Deutschlands vor.

Ihren Namen hat die Flatter-Ulme von ihren an langen Stängeln hängenden Blüten und Früchten, die ab Frühling im Wind „flattern“.

Circa 30 bis 40 Meter hoch wird die Flatter-Ulme.

Die Krone ist breit und kuppelförmig. Die älteren Exemplare bilden spezielle Brettwurzeln aus, die die Flatterulme noch mehr im Boden stabilisieren.

Die Blätter sind elliptisch, ziemlich groß, spitz und gesägt. Sie sind grün, glatt auf der Oberseite und behaart darunter, an der Basis sind sie stark asymmetrisch.

Die Blüten der Flatter-Ulme sind unscheinbar, rot. Sie erscheinen im Frühling bevor sich die Blätter bilden.

Die Früchte sind kleine Nüßchen.

Anja Krüger