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Grimmen Greifswalder Croyteppich lange einzigartig: Erste Kopie entstand erst 1820
Vorpommern Grimmen

Greifswald: Croyteppich mit Abbild Martin Luthers lange Zeit einzigartig

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12:30 29.08.2021
Der Croyteppich wird im Pommerschen Landesmuseum gezeigt.
Der Croyteppich wird im Pommerschen Landesmuseum gezeigt. Quelle: Landesmuseum
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Greifswald

Im Pommerschen Landesmuseum sind bedeutende Kunstwerke aus dem Besitz der Universität Greifswald zu sehen. Dazu gehört seit 2005 der sogenannte Croyteppich, der ursprünglich im Wolgaster Herzogsschloss hing. Er entstand im Auftrage des Herzogs Philipp des I. von Pommern-Wolgast (1515–1560) und wurde von Peter Heymans in Stettin nach Portraitvorlagen um 1554 angefertigt.

Croyteppich heißt er, weil ihn Herzog Ernst Bogislaw von Croy (1620–1684) 1681 mit anderen Gegenständen aus dem Herzogbesitz der Universität Greifswald vermachte. Die dargestellten Personen gehören den beiden damals herrschendem Familien Pommerns und Sachsens an. Philipp heiratete Maria von Sachsen.

Kunstwerk nationaler Bedeutung

Ernst Bogislaw von Croys Mutter war Anna, die Schwester Bogislaw XIV., des 1637 verstorbenen letzten Herzogs des pommerschen Herzoggeschlechts der Greifen und Ernst Bogislaw ihr einziger Sohn. Der von ihm der Universität gestiftete Teppich gehört zu national bedeutsamen Kunstwerken der Bundesrepublik und Mecklenburg-Vorpommerns.

Die erste bekannte Kopie entstand erst 1820, berichtete Ulrike Lindquist auf dem diesjährigen Croyfest. Gemalt hat sie Gustav von der Lancken mit Wasserfarben. Dessen Bild zeigt den Zustand des Teppichs zu diesem Zeitpunkt. „Von der Lancken hat korrekt gearbeitet, aber die Gesichter bekam er nicht so genau hin“, so Lindquist. Luther beispielsweise, im Jahr der Hochzeit 64 Jahre alt, erscheint jugendlich. Der Privatgelehrte von der Lancken entstammt einer Rügener Familie. Seine Malerei bekam die Universitätsbibliothek. Möglicherweise war sie dadurch beim Croyfest 1821 der Allgemeinheit zugänglich.

Kopie fürs Schlafzimmer des Königs

Die zweite Kopie des Teppichs malte 1852 Georg Friedrich Bolte für den preußischen König Friedrich Wilhelm IV, und zwar für dessen Schlafzimmer im Berliner Schloss. Der Hohenzoller sei oft in Greifswald gewesen und kannte den Croyteppich aus eigener Anschauung. Der Maler Georg Friedrich Bolte rekonstruierte in seinem Bild die ursprünglichen Farben.

Eine Restaurierung des Teppichs erfolgte 1891. Die Gesellschaft für pommersche Geschichte, Altertumskunde und Kunst ließ damals durch August Konrad eine weitere Kopie anfertigen. Diese hängt heute im Stettiner Nationalmuseum und wurde auch schon in der Ausstellung zur Kunst der Herzöge im 16./17. Jahrhundert gezeigt.

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Laut Ulrike Lindquist wurde erst 1980 zum Lutherfest das erste Farbfoto des Croyteppichs aufgenommen.

Von Eckhard Oberdörfer