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Grimmen Greifswalder lotst durch Dschungel der EU-Fördermittel
Vorpommern Grimmen Greifswalder lotst durch Dschungel der EU-Fördermittel
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07:00 20.08.2019
Alexander Schwock kennt den Dschungel der EU-Förderung bestens. In seinem Büro im Technologiezentrum Vorpommern verrät er Unternehmen, Vereinen und Gemeinden, wie sie an EU-Fördermittel kommen. Quelle: Christopher Gottschalk
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Greifswald

Mit Drohnen Blutproben über den ländlichen Raum in Labore fliegen, Sportangebote in Unternehmen verbessern, ein Boot reparieren lassen: In diesen Projekten wird die Europäische Union greifbar. Alexander Schwock zeigt Unternehmen, Vereinen und kleinen Gemeinden in der Beratungsstelle Europa-Lotse Nordost, wie sie an Fördermittel der EU gelangen. Doch Fördermittel wurden bisher noch nicht beantragt. Die Zeit wird knapp, Ende des Jahres müssen die Stadt Greifswald und der Landkreis Vorpommern-Greifswald entscheiden, ob sie die Beratungsstelle weiter finanzieren.

IMD-Labor will Drohnen fliegen lassen

Der Europa-Lotse gehört zu Witeno – dem Wissenschafts- und Technologiepark Nordost in Greifswald. „Ich halte die Stelle weiterhin für sinnvoll, weil gerade Vereine und kleine Gemeinden bei der Beantragung von Fördermitteln begleitet werden müssen“, sagt Europa-Berater Schwock. Der Europa-Lotse zeigt, wofür welche Fördertöpfe Geld bereitstellen und wie ein Antrag formuliert werden kann, er hilft außerdem bei der Abrechnung der Mittel.

Mitte September soll der Antrag des IMD-Labors eingereicht werden, sagt Mandy Wudtke, Kranken­haus­labor­koordinatorin des Medizindienstleisters. Die Idee: Drohnen fliegen lassen, um Patientenproben schnell von A nach B zu bringen. „Wir wollen ein Netzwerk gründen. Lange Wege für Transportgüter auf dem Land und die entstehende Umweltbelastung sind Probleme, die andere Akteure teilen. Wir hoffen, 50 Prozent der Kosten gefördert zu bekommen.“ IMD hat Standorte auf den Inseln Rügen und Usedom, in Anklam, Greifswald und Pasewalk. IMD-Mitarbeiter schreiben den Antrag auf Fördermittel derzeit. Alexander Schwock sei beim gesamten Prozess eine große Hilfe, sagt Wudtke.

August 2018, für Europa (v. l.): Valentin Eckart, BioCon Valley GmbH, Alexander Schwock, Projektleiter Europa-Lotse, Wolfgang Blank, Witeno-Geschäftsführer, Greifswalds Oberbürgermeister Stefan Fassbinder (Grüne) und Dietger Wille (CDU), zweiter Stellvertreter Landrat Vorpommern-Greifswald. Quelle: Christopher Gottschalk

Vier Anträge auf EU-Fördermittel sind in Arbeit

Insgesamt vier Anträge für Fördermittel sind derzeit in Arbeit, sagt Schwock. „Wir haben 37 Beratungen durchgeführt und weitere sind geplant. Vereine, Gemeinden und Städte haben sich bei uns gemeldet. Das Interesse und der Beratungsbedarf in Vorpommern-Greifswald sind hoch.“ Vereine und Unternehmen müssen die komplizierten Anträge selbst schreiben. Dafür fehlt häufig das Personal, speziell kleine Vereine und Gemeinden leiden darunter. Ein Beispiel: Ein Wassersportverein will eines seiner Boote reparieren. Dafür gibt die EU kein Geld. Sie gibt es aber für Veranstaltungen mit deutsch-polnischer Beteiligung. Heißt: Beantragt der Wassersportverein erfolgreich Geld für einen gemeinsamen Wettkampf mit einem polnischen Partnerverein, kann das Geld in die Reparatur des Bootes fließen – das Boot ist schließlich nötig für den Wettkampf. Dafür muss ein Projektantrag geschrieben werden.

Schwock warte derzeit auf die Rückmeldung dieses Vereins. Für deutsch-polnische Veranstaltungen gebe es relativ leicht Fördermittel, Vereine und Kommunen in Vorpommern hätten fast alle polnische Partner, sagt Schwock. Ein weiteres Problem bei Fördermitteln ist, dass Antragssteller für die meisten Projekte Eigenkapital brauchen, eine 100-prozentige Förderung ist selten.

Europa-Lotse sollte eine halbe Million Euro einwerben – Landkreis ist unzufrieden

Stadt und Kreis finanzieren den Europa-Lotsen mit jeweils 40 000 Euro für 18 Monate. Die Finanzierung endet zum Ende des Jahres. Ob es weitergeht? „Ich bin unzufrieden. Sollte der Europa-Lotse keinen Effekt für die Gemeinden oder den Landkreis haben, dann müssen wir das Projekt einstellen“, sagt Dietger Wille (CDU), Finanzdezernent des Kreises. Zumindest eine Kennzahl spricht dafür, dass die Finanzierung endet: Im Vertrag zwischen Witeno, Stadt und Kreis steht, dass 200 000 bis 500 000 Euro Fördermittel eingeworben werden sollen, verteilt auf mindestens vier Projekte. Davon ist die Beratungsstelle derzeit weit entfernt. „Die Summe der eingeworbenen Fördermittel beeinflusst natürlich, wie wir den Erfolg bewerten“, sagt Wille. Grundsätzlich hält er die Stelle weiterhin für eine gute Sache.

Die Stadt könne derzeit keine Aussage über die weitere Finanzierung der Stelle treffen, heißt es aus der Pressestelle. Mit dem Landkreis würden noch Auswertungsgespräche anstehen. Zudem ist ein Workshop zu EU-Fördermitteln im Herbst geplant.

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Kontakt Europa-Lotse: Alexander Schwock, Technologiezentrum Vorpommern, Brandteichstraße 20, Telefon: 03834 550 102

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Von Christopher Gottschalk

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