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Grimmen Zur neuen Gedenkstelle meldet sich Leser zur Wort
Vorpommern Grimmen

Grimmen: Leser meldet sich zur neuen Gedenkstelle für ermordete Juden zu Wort

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07:00 27.04.2021
Die neue Gedenkstelle für die Grimmener Juden, neben dem alten Friedhof.
Die neue Gedenkstelle für die Grimmener Juden, neben dem alten Friedhof. Quelle: Christin Assmann
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Grimmen

Nach der Einweihung der Gedenkstele für die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus am vergangenen Freitag, neben dem alten Friedhof in Grimmen, ist ein Leserbrief in der OZ-Redaktion eingetroffen. Der Verfasser ist Lutz Wierszbowski, der sich bereits in den vergangenen Jahren als Mitglied der Initiative STOLPERSTEINE AUCH in Grimmen für Zeichen der Erinnerungen der ermordeten Grimmener Juden einsetzte. Bis heute sei den Mitinitiatoren noch keine offizielle Ablehnung des Bauantrages für die Verlegung von drei Stolpersteinen übermittelt worden. 

Bei der Einweihung waren Befürworter des Projektes anwesend. Stadträtin Heike Hübner sprach in ihrer Rede kurz die Stolpersteine an. „Gedenke ich wirklich, wenn ich über einen Stolperstein gehe“, sagt Hübner und verwies auf den jetzigen Standort der Stele als würdigen Platz. Für andere Anwesende sei die Diskussion über die Verlegung noch nicht beendet. „Das eine muss das andere nicht ausschließen“, sagt Armin Latendorf. Die Linke hätte die Idee der Stolpersteine, wie sie auch in den Nachbarstädten Greifswald und Stralsund zu finden seien, von Anfang an unterstützt. 

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Am 23. April wurde nun auch in Grimmen nach jahrelangen Kontroversen ein Denkmal für die in der Zeit des Deutschen Nationalsozialismus ermordeten Grimmener Juden eingeweiht. Vor zwei Jahren hatte sich eine Bürgerinitiative für die Verlegung von Stolpersteinen, einer zeitgemäßen Form des Erinnerns, gebildet. Während SPD und Die Linke dieses Ansinnen unterstützten, lehnte Ende 2019 die CDU-Fraktion im Stadtparlament den Antrag ab. Stattdessen beschloss man, unter Bereitstellung der entsprechenden Haushaltsmittel, einen Gedenkstein zu errichten.

Dieser Gedenkstein trägt nunmehr sechs Namen, biografische Daten und folgenden Text: ‚Die Stadt Grimmen gedenkt den Bürgern aus Grimmen, die in der Zeit der faschistischen Diktatur in Deutschland von 1933 bis 1945 der Judenverfolgung zum Opfer gefallen sind.‘
Im Oktober 2019 auf der Hauptausschusssitzung wurde den Stolperstein-Befürwortern von einer CDU-Abgeordneten in Bezug auf deren Recherche vorgeworfen, ‚ihre Hausaufgaben nicht gemacht zu haben‘. Angesichts des Textes auf dem Gedenkstein stellt sich nun die Frage, wer denn hier von den Stadtvertreterinnen und -vertretern seine Hausaufgaben nicht gemacht hat?

Das Verb ‚gedenken‘ gehört zum Wortschatz des zugegebenermaßen Fortgeschrittenenzertifikats Deutsch Stufe C2. Es müsste demnach in korrekterweise heißen: ‚Die Stadt Grimmen gedenkt der Bürger …‘
Die Verhinderung der Stolpersteine hat womöglich so viel Kraft gekostet, dass für eine sorgfältige Textprüfung schlichtweg die Konzentration fehlte. Hätte wenigstens ein Teil der CDU Grimmen seinerzeit dem Antrag auf Verlegung von drei Stolpersteinen zugestimmt, wäre ihnen möglicherweise diese Peinlichkeit erspart geblieben. Aber was nicht ist, kann ja noch werden“, schreibt Lutz Wierszbowski.

Lutz Wierszbowski und Christin Assmann