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Grimmen Zum Jahreswechsel blieb es dunkel
Vorpommern Grimmen Zum Jahreswechsel blieb es dunkel
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08:52 03.01.2019
Vollkommen zugeschneite Autos stehen in Grimmen Südwest. Quelle: Hartmut Klonowski
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Grimmen

Stromausfälle, Versorgungsengpässe: Wie Manfred Ehrhardt beim Jahrhundertwinter 1978/79 all die kleinen und großen Katastrophen in der Stromversorgung gemeistert hat, darüber staune er heute sogar selbst, sagt er. „Entscheidungen mussten getroffen werden, manchmal auch unschöne“, sagt er. Und so gab es auch manchmal Gegenwind. Beispielsweise als er verkündete, dass die schon damals beliebte Silvesterparty im Grimmener Kulturhaus ausfallen muss.

Als kurz nach Weihnachten im Jahr 1978 die Region Grimmen im Schnee versank, war der heutige Senior als sogenannter Meister für elektrische Energieanlagen zuständig für die Stromversorgung in Grimmen und den umliegenden Gemeinden. „Acht Männer hatte ich in der Brigade. Wir alle waren in den Tagen nach Weihnachten nahezu pausenlos im Einsatz“, erzählt er. Unterstützung bekamen die Grimmener von Rostocker Kollegen, die anfangs halfen, Störungen zu beseitigen. „Bei dem vielen Schnee und dem Sturm waren viele Stromleitungsmasten umgeknickt“, erinnert sich der 81-Jährige. Nach Rügen sei der Altkreis Grimmen von dem Winter am schlimmsten betroffen gewesen, schätzt Ehrhardt heute ein. Mitarbeiter des VEB Erdöl/Erdgas seien damals ebenfalls seiner Brigade zur Schadensbeseitigung zugeteilt worden.

Es sind die vielen kleinen Geschichten über schwierige Bedingungen, aber auch großer Hilfsbereitschaft, die Manfred Ehrhardt vom Jahrhundertwinter in Erinnerung geblieben sind. Beispielsweise, dass zwei Kollegen mit dem Hubschrauber der NVA nach Grammendorf geflogen werden mussten, um dort eine Störung zu beseitigen. „Landwirt Frommholz hat sie schließlich mit einem K-700, einem allradgetriebenen Radschlepper, zur Störungsstelle gefahren“, berichtet Ehrhardt. Eine andere Gruppe, die auf dem Weg nach Reinberg war, blieb in Mannhagen stecken. „Das Schlimmste aber war, dass den Kohlekraftwerken irgendwann die Kohle ausging und damit keine Energie mehr erzeugt werden konnte“, erzählt er. Standen der Region mit dem Industriegebiet in Grimmen, zu dem das Porensinterwerk und auch der VEB Erdöl/Erdgas gehörten, und dem Krankenhaus in Bartmannshagen sonst elf Megawatt zur Verfügung, hatte der Netzmeister plötzlich nur noch zwei bis zweieinhalb MW für die gesamte Region zur Verfügung. „Glücklicherweise hatte das Krankenhaus ein Notstromaggregat“, erinnert sich Ehrhardt. Bis zum Silvestertag hätten auch die Grimmener größtenteils mit Strom versorgt werden können.

Jeden Abend habe es eine Katastrophensitzung gegeben, berichtet Ehrhardt. So auch am 30. Dezember 1978. „Ich habe auf dieser Sitzung mitgeteilt, dass die große Silvesterfeier im Kulturhaus nicht stattfinden kann. Das aber wurde abgelehnt – die Feier sollte stattfinden“, erinnert sich Ehrhardt. Aber er setzte sich durch. Die große Sause wurde abgesagt. Und nicht nur das. In der Nacht zum 1. Januar 1979 blieb es in Grimmen dunkel. „Am Silvestertag um 23.45 Uhr musste ich auch in Grimmen den Strom abschalten“, erzählt der Grimmener Senior. Nicht für lange. Am Neujahrstag konnten die Grimmener wieder mit Strom versorgt werden.

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