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Grimmen Grimmener hilft Schüler in Gambia
Vorpommern Grimmen Grimmener hilft Schüler in Gambia
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13:07 29.07.2019
Auf Wiedersehen Gambia - Abschied von den vielen Kindern des Dorfes Madina. Quelle: privat
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Grimmen

Zu fünften Mal reiste der Grimmener Walter Scholz (72) in diesem Frühsommer ins afrikanische Gambia. Nicht um dort Urlaub zu machen, sondern um zu helfen.

Vor Jahren hatte er über einen Leipziger Verein erfahren, welches Elend in diesem kleinen Land an der Westküste des Kontinents südlich vom Senegal herrscht. „Am Rande der Städte gibt es Elendsviertel mit katastrophalen Bedingungen“, sagt Walter Scholz. Er erkundigte sich, nahm Verbindung zu einer Schule auf, erfuhr dort, dass es einen Jungen in der 7. Klasse gibt, der gern weiterlernen wollte, aber das Geld dafür fehlte.

Vater bei Flucht ertrunken

„Der Vater von Musa Bah hatte keine Arbeit mehr, um die Familie zu ernähren, und ist bei der Flucht in eine scheinbar bessere Welt ertrunken“, erzählt Scholz. Zurück ließ er seine Frau, den Sohn Musa und zwei kleine Schwestern. Sie leben in dem kleinen Dorf Madina, etwa sechs Kilometer entfernt von der Stadt Brikama. Ohne Strom, ohne fließend Wasser und mit einem Brunnen, der in der Trockenzeit von Dezember Juni versiegen kann.

„Für die meisten Kinder in Gambia ist mit dem Lernen nach der 7. Klasse Schluss“, erzählt der Grimmener. Für Musa sollte das erst recht so sein, weil er für seine Familie sorgen muss. Schulgeld sei da ebenso wenig drin wie die Finanzierung der notwendigen Schulkleidung oder der Schulbücher. Weil Walter Scholz hilft und auch andere Helfer mit ins Boot holte – die Bundestagsabgeordnete Kerstin Kassner (Linke) zahlt mittlerweile das Schulgeld – konnte Musa weiter lernen, schloss jetzt die 10. Klasse ab und möchte einen Sommerkurs absolvieren, bevor es an der High School weitergeht. „Musa möchte so gerne Arzt werden und so etwas für seine Landleute tun. Und ich will ihn dabei weiter unterstützen“, sagt Walter Scholz.

Papa Scholz für 700 Kinder

Scholz hat bei seinem Besuchen regelmäßig Quartier in einem Hotel etwa 25 Kilometer entfernt von Madina. Doch fast täglich ist er dann vor Ort. „Papa“ ist Walter Scholz inzwischen nicht nur für Musa Bah, sondern für fast alle Dorfbewohner, vor allem die vielen Kinder. Etwa 700 Mädchen und Jungen leben in Madina, Walter Scholz schätzt die Einwohnerzahl auf 250 Familien.

„Ich kaufe viele Lebensmittel vor Ort, um den Familien zu helfen“, erzählt Scholz. Säckeweise Reis gehört dazu, aber auch Gemüse, Speiseöl, Brennholz und Kleidung. Es gebe alles in Gambia – nur bezahlbar sei es für die Bewohner der Elendsviertel und der abgelegenen Dörfer nicht. „Das Brennholz brauchen die Dorfbewohner, weil sie auf offenen Feuern in ihren Höfen kochen“, erklärt er. Küchen gebe es in den Hütten nicht. Und wenn dann mal auf einem Hof der Reis gekocht wird, den der Grimmener organisierte, würden auch die Kinder aus der Nachbarschaft kommen und sich richtig satt essen.

Große Unterstützung aus Grimmen

Unterstützt wird Walter Scholz bei seinen Aktionen von vielen Grimmenern: Supermärkte wie Netto und Rewe, Bürgermeister Benno Rüster, Marco Jahns, Johannes Eggert vom Lüssower Obstgut, Fred Gladrow, das Pastorenehepaar Piehl und Familie Paffenholz gehören dazu. Schulkleidung für zehn Mädchen und Jungen sowie Geld für Bücher und Schultüten gab es kürzlich von der Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Große Freude bei den Dorfbewohnern von Madina in Gambia als der Grimmener Walter Scholz ihnen 40 Kilogramm Seife der Hamburger Firma Hubbe schenkte. Quelle: privat

Im vergangenen Jahr hatte Walter Scholz eine kleine Solaranlage mit nach Madina genommen. „So hat Musa abends Licht, um zu lernen“, sagt er. Der ehrgeizige Junge geht, wie alle anderen Kinder der Umgebung auch, in zwei Schichten in die Schule. Jeweils 80 Kinder sind in einer Klasse, 2200 insgesamt an der Schule. Walter Scholz: Die Räume reichen nicht und auch bei 80 Kindern in einer Klasse müssen einige auf der Erde sitzen. „Aber alle wollen lernen, um es später besser zu haben und ihre Familien zu versorgen“, hat er den Eindruck gewonnen. Einen Schulbus gibt es nicht. Durchschnittlich laufen die Kinder aus den Dörfern fünf bis zehn Kilometer in die Schule weiß der Grimmener.

Junge arbeitet nach der Schule in der Schneiderwerkstatt

Wenn Musa vormittags in die Schule gehen kann, arbeitet er am Nachmittag in einer Schneiderwerkstatt und näht Kaftane. Umgerechnet zwei Euro pro Woche verdient er damit. „So kann er für sich, seine Mutter und die beiden Schwestern wieder Reis kaufen“, sagt Scholz.

Musa Bah, der Junge den der Grimmener Walter Scholz in Gambia unterstützt, verdient sich Geld mit Nähen. Quelle: Walter Scholz

Wenn der Grimmener zu Besuch ist – in diesem Jahr war er 26 Tage in Gambia – organisiert er eine Reihe an Veranstaltungen, vor allem für die Kinder. Ein Apfeltag gehörte dazu, ein Joghurt-Tag, es wurden verspätet Osternester gesucht. Zwischen 50 bis 60 Kinder sind dann jeweils dabei.

„Das Schlimme ist“, so Walter Scholz, „dass die Menschen Gambia nur die immer mehr werdenden Touristen sehen und denken, hier in Deutschland leben die Menschen immer so wie dort im Urlaub.“ Deshalb hält er es für wichtig, dort wo Not ist, viel mehr vor Ort zu helfen. Solaranlagen, Schulen bauen und die Trinkwasserversorgung organisieren, sind für ihn wichtige Punkte. Diese Erfahrung hat Walter Scholz auch in Sri Lanka gemacht, wo er bereits 22 mal vor Ort war, um dort zu helfen.

Ganz schlimm findet er, dass aus Deutschland sehr viele Abwrackautos und entsorgte Fernseher nach Gambia verschifft werden. „Und dort sitzen Kinder, bauen alles auseinander, um aus dem Schrott und wenigen Einzelteilen das Beste rauszuholen“, sagt er.

Mit Infektion zurückgekehrt

Die jüngste Reise endete für Walter Scholz kritisch. „Ich hatte mir wahrscheinlich schon vorher eine kleine Wunde am Fuß zugezogen“, erklärt er. Die hatte sich entzündet und wieder zurück in Deutschland verbrachte er sechs Wochen lang mit einer bakteriellen Vergiftung im Greifswalder Uni-Klinikum.

Doch schon bald ist Walter Scholz wieder auf Achse. Er plant eine Fotoausstellung über seine Reise für November im Grimmener Wasserturm, schon jetzt werden Bilder in der Poggendorfer Gemeindeverwaltung ausgestellt. Und für Vereine und Gruppen, die sich für seine Arbeit interessieren, steht er gerne für Vorträge bereit.

Almut Jaekel

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