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Grimmen Das Ende des preußischen Regierungsbezirks Stralsund
Vorpommern Grimmen Das Ende des preußischen Regierungsbezirks Stralsund
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23:24 14.06.2019
Beim Besuch des Reichspräsidenten Hindenburg im September 1927 in Stralsund. Haussman ist der zweite von links. Quelle: Stadtarchiv Stralsund
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Stralsund

1815 ging das bisherige Schwedisch-Pommern in den Besitz des Königreichs Preußen über. Als Kompromiss entstand ein eigenständiger Regierungsbezirk in der Provinz Pommern, der kleinste Regierungsbezirk ganz Preußens. Die Provinzen standen vielfach in der Tradition der Vorgängerterritorien, etwa Brandenburg, Schlesien, Ost- und Westpreußen und eben Pommern, manchmal auch nicht oder nur bedingt, wie die Provinz Sachsen oder die Rheinprovinz. Die eigentlichen Verwaltungsbezirke waren jedoch die Regierungsbezirke. Leiter der Bezirksregierung war der Regierungspräsident.

Sein Dienstgebäude und das der Regierung war in Stralsund das Meyerfeldtsche Palais in der Badenstraße, das bereits die schwedische Provinzialregierung genutzt hatte. Erst zum Ende der Monarchie gab es auch nichtadlige Regierungspräsidenten. Als Letzter amtierte von 1919 bis zur Auflösung des Stralsunder Bezirks 1932 Hermann Haussmann.

Haussmann wurde 1879 in Delitzsch bei Leipzig (preußische Provinz Sachsen) geboren. Er studierte in Halle und München Jura und Nationalökonomie, wurde 1911 promoviert und arbeitete im Justizdienst, wo er 1912 das zweite Staatsexamen bestand. 1915 wechselte Haussmann als Bürgermeisterr der Stadt Konitz, heute Chojnice (Provinz Westpreußen) in die Kommunalverwaltung. Ab 1917 war er in Stettin für die Lebensmittelversorgung zuständig. 1918 hatte er gute Chancen, dort Oberbürgermeister zu werden. Stattdessen wechselte er in den Staatsdienst und trat am 2. Oktober 1919 das Amt als Regierungspräsident in Stralsund an.

Haussmann erwarb sich besonders wegen seiner Wirtschaftsförderungspolitik Achtung und Anerkennung. Zu seinen größten Erfolgen zählte die gemeinsam mit dem Loitzer Bürgermeister Wilhelm Dahlhoff organisierte Ansiedlung der Dübelwerke in Loitz 1924, eine vorher in Breslau tätige Firma. Aus Dank dafür erhielt eine der Straßen im Loitzer Stadterweiterungsgebiet an der Goethestraße den Namen Haussmannstraße, den sie bis heute trägt. Der Landschulbau war ein weiterer Schwerpunkt der Tätigkeit Haussmanns. Spätere Vorwürfe lauteten, dass er die Gesamtfinanzierung des Schulbauprogramms durch besondere Förderung einzelner „Prestigeobjekte“ gefährdet habe. Zu diesen gehörte insbesondere die Schule in Putbus, die hinter vorgehaltener Hand auch „Haussmannnschule“ genannt wurde. Politisch gehörte er als Mitglied der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) dem linksliberalen Lager an. Im Radio hielt Haussmann Reden über die Weimarer Republik und Walter Rathenau. Das sollte ihm nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten zum Nachteil gereichen.

Zum 1. Oktober 1932 erfolgte datumsgleich mit der Auflösung des Regierungsbezirks Stralsund Haussmanns Versetzung in den Ruhestand. Bereits zuvor wurde seine Abberufung gefordert, insbesondere wegen seiner Verbindungen zur SPD. Man unterstellte ihm, dass er deswegen keine politische Handlungsfreiheit besäße. Insbesondere der Abgeordnete Karl Kirchmann würde erheblichen Einfluss auf ihn ausüben. Schließlich waren diese Vorwürfe von Erfolg gekrönt. Wegen politischer Unzuverlässigkeit wurde Haussmann rückwirkend zum 1. April 1933 aus dem Beamtenverhältnis entlassen. Eine beantragte Zulassung als Rechtsanwalt wurde ihm verweigert.

Haussmann zog 1935 nach Merzhausen bei Freiburg im Breisgau. Auch dort wurde er verfolgt und kam 1940 sogar vorübergehend in Schutzhaft. Nach 1945 holte ihn die französische Besatzungsmacht in den Verwaltungsdienst zurück. Er wechselte zunächst nach Hessen und schließlich nach Speyer, wo er maßgeblichen Anteil am Aufbau der dortigen Staatlichen Akademie für Verwaltungswissenschaften hatte. 1947 wurde Haussmann deren Rektor, schied aber 1949 in Unfrieden, nachdem er geradezu handstreichartig abgesetzt worden war. Zur Feier aus Anlass des zehnjährigen Bestehens der Hochschule 1957 wurde er als Einziger der noch lebenden Gründergeneration nicht eingeladen. Ein Jahr später starb er in Rottweil.

Archivaren ist Haussmann auch als Vertreter der sog. Büroreform der 1920er Jahre ein Begriff. Ihr sind solche heute aus dem Bürobetrieb gar nicht mehr wegzudenkende Dinge wie Stehordner, Schreibpapier in DIN-Formaten oder die bei den Archivaren verhassten Büroklammern zu verdanken, daneben aber auch anders organisierte Geschäftsabläufe.

Haussmann war passionierter Jäger. Darüber schrieb er 1951 ein Buch, „Die edle Kunst des Jagens“. Die Kapitelüberschriften lauten etwa „Der Greifswalder Bock“ oder „Der Hirsch von Obermützkow“. Treffen mit dem Reit-Olympiasieger Freiherrn Carl Friedrich von Langen in Hohendorf werden ebenso behandelt wie Jagdausflüge mit dem preußischen Innenminister auf dem Darß. 1931 gewann Haussmann auf der „Grünen Woche“ den Preis für den „besten deutschen Rothirsch aus freier Wildbahn“. Das stimmte aber nicht ganz, wie er schrieb, denn höchstwahrscheinlich stammte der Hirsch aus dem Wildgehege in Gelbensande bei Rostock. Immerhin haben aber dadurch die Mecklenburger mal zum Wohl der Pommern beigetragen,

Dirk Schleinert

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