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Grimmen Igel-Mama aus Vorpommern päppelt süße Tierbabys wieder auf
Vorpommern Grimmen Igel-Mama aus Vorpommern päppelt süße Tierbabys wieder auf
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13:32 29.08.2019
Christiane Uecker füttert ein Baby-Igel mithilfe einer Milchspritze. Allein könnte sich das noch blinde Tier nicht ernähren. Quelle: Flemming Goldbecher
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Kirch-Baggendorf

Gierig saugt das Igelbaby an der Spritze, während es unbeholfen mit den Vorderbeinen zappelt. Noch ist es blind. Das hält es jedoch nicht davon ab, drei Füllungen mit der weißen Flüssigkeit, einem Gemisch aus Hundewelpentrockenmilch und Fencheltee, zu futtern. Routiniert setzt Christiane Uecker immer wieder die Spritze an den kleinen Mund des Tiers. Nach der Fütterung putzt sie es ab und reibt ihm den Bauch mit Massagegel ein. „Damit es besser pullern kann“, sagt sie.

Die 61-Jährige betreibt eine Igelpflegestation bei sich zu Hause in Kirch-Baggendorf. Seit 2013 kümmert sie sich um kranke und schwache Igel, die ihr von den Menschen aus der Umgebung gebracht werden. Oft finden diese die stacheligen Tierchen bei sich auf dem Hof. Nicht selten sind verwaiste Babyigel dabei, deren Eltern sie nicht mehr ernähren konnten oder durch Autos, Pflanzenschutzmittel oder Hunde zu Tode gekommen sind. Dann kommen sie zu Uecker, die sie wieder aufpäppelt. Sind sie wieder gesund und auch allein lebensfähig, gibt sie sie den Findern zurück, die sie am Fundort aussetzen.

Anerkanntes Pflegeheim für Igel

Ueckers Igelpflegestation ist die einzige in Vorpommern-Rügen und mittlerweile über die Kreisgrenzen hinaus bekannt. Denn nicht selten sind entsprechende Aufnahmestellen überfüllt und verweisen dann auf Uecker. „Es kamen schon Leute aus Pasewalk, Wolgast und von noch weiter her“, sagt sie. Für die Pflege der Igel habe sie noch nie einen Cent genommen. Dennoch ist ihre Station offiziell vom Verein „Igel Pro“ anerkannt.

Die Igelpflegestation von Christiane Uecker in der Bildergalerie

Hier werden kranke und schwache Igel bis zur ihrer Auswilderung wieder aufgepäppelt

Voraussetzung dafür: Eine Menge Fachwissen über Igel, genügend Platz in ihren Igelhäuschen und -käfigen und Quarantäneboxen, falls die Tiere ansteckende Krankheiten haben. Vor allem aber müssen medizinische Fragen abgedeckt sein. „Da habe ich einen Heimvorteil, denn mein Mann ist Tierarzt“, sagt Uecker. Deshalb würden auch Igel mit Bisswunden oder anderen schweren Verletzungen bei ihr professionell verarztet. Bringt ein Tier bis zum Oktober keine 600 Gramm auf die Waage, bleibt es den Winter über bei ihr, damit es stark genug für die Auswilderung ist.

Manche müssen eingeschläfert werden

In Pflegeprotokollen hält sie die Herkunft und Entwicklung der Tiere genau fest. Außerdem gibt sie jedem Tier einen Namen, beginnend mit dem Anfangsbuchstaben des Nachnamens des Finders. So heißen sie zum Beispiel Jane, Paul oder Valentin.

Doch nicht allen Igeln können die Ueckers helfen. Manchmal sind die Verletzungen zu schwer und sie müssen eingeschläfert werden. „Das ist nicht leicht zu ertragen“, sagt Uecker, die „jeden von ihnen küssen könnte.“

Wenn die Igel schon sehen können, müssen sie nicht mehr per Hand gefüttert werden, wie diese drei Tiere. Quelle: Flemming Goldbecher

Dass sie überhaupt eine solche Faszination für die Tiere entwickeln würde, hätte sie vor einigen Jahren nicht gedacht. Doch jeder einzelne, sagt sie, wächst ihr ans Herz, auch wenn er nur einige Wochen bei ihr bleibe. Derzeit sind 22 Igel bei den Ueckers in Pflegschaft. 511 haben sie in all den Jahren insgesamt aufgenommen, seit ihr eine Bekannte 2013 einige Igelbabys brachte. Ihr Hund hatte die Kleinen angeschleppt. Schnell sprach sich rum, dass in Kirch-Baggendprf Igel gesund gepflegt werden.

Eine erfüllende Lebensaufgabe

So entdeckte Christiane Uecker ihre neue Leidenschaft. Ein Unfall vor vielen Jahren machte sie berufsunfähig. Durch die Igel habe sie eine erfüllende Aufgabe gefunden. Und die nimmt sie mit all ihrer Energie wahr. Um nicht das ganze Futter selbst bezahlen zu müssen, fährt sie oft an Kitas, Schulen oder Pflegeheime, hält Vorträge über ihre Igel und nimmt „Spenden“ entgegen. Dabei sammelt sie kein Geld ein, sondern Dosenfutter. Manchmal nehme sie auch ein paar Tiere mit. „Besonders für Kinder ist es interessant, die Igel zu sehen und meine Arbeit zu verstehen.“

Diese ist aufwendiger als man glaubt. Besonders die Babys müssen rund um die Uhr versorgt werden. Alle drei Stunden füttert Uecker die kleinen wieder mit der Spritze. Neun Babyigel sind es derzeit. Nachts stehe sie extra auf, um ihre hungrigen Mäuler zu stopfen. Doch von Resignation keine Spur: „Man gewöhnt sich an den Schlafmangel.“

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Von Flemming Goldbecher

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