Igel in Kirch Baggendorf werden getestet: Das ist der Grund
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Igel in Kirch Baggendorf werden getestet: Das ist der Grund

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18:00 23.06.2021
Albino-Igel Anna ist schneller gewachsen, als ihre zwei Schwestern.
Albino-Igel Anna ist schneller gewachsen, als ihre zwei Schwestern. Quelle: Christin Assmann
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Kirch Baggendorf

In der Igelkiste „Kibado“ von Christiane Uecker wird momentan fleißig getestet. Auch für die Igel heißt es: Mäulchen auf und Stäbchen rein. Denn die kleinen Untermieter sind Probanden einer größeren Studie in Zusammenarbeit mit Dr. Anne Berger, Biologin und Wissenschaftlerin am Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Berlin. In dem Langzeitprojekt, das sich anfangs nur mit den Igelpopulationen in der Hauptstadt beschäftigte, werden anhand von Speichelproben (Genetikproben) die Verwandtschaftsgrade zwischen den Igeln festgestellt und ob Menschen und Inseln Einfluss auf die Ausbreitung der Wildtiere haben.

„Alles in allem ein sehr spannendes Feld, das mich dazu bewog, über den Tellerrand von Berlin hinausschauen zu wollen, um zu wissen, wie es genetisch um die Igel in ganz Deutschland steht“, berichtet Dr. Anne Berger. „Gibt es womöglich Inselpopulationen, die von anderen Populationen komplett abgeschlossen sind? Gibt es Ausbreitungswege und wie ist der Mensch daran beteiligt? Wie ist es um die Inzucht und Fragmentierung der deutschen Igel bestellt?“, so Berger weiter.

Wissenschaftlerin benötigt möglichst viele Genetikproben

Um diese Fragen beantworten zu können, benötigte die Wissenschaftlerin möglichst viele Genetikproben von den in Deutschland gefundenen Igeln. Nur wenige Igelstationen aus verschiedenen Gebieten Deutschlands sollen die Auflagen und Angaben zu den Wildtieren erfüllen können. Eine von Ihnen ist die Igelkiste von Christiane Uecker. „Wie viele Stationen arbeiten so akribisch in der Datenpflege? Dabei ist das so Vorschrift“, erzählt die Betreiberin.

Von jedem Finder muss die Erlaubnis eingeholt werden, da oftmals die Adresse auch der Fundort der Igel ist. „Immer bevor die Igel wieder nach Hause gehen, entnehme ich dann die Probe. 40 sind es mittlerweile“, so Uecker weiter. Die selbst ernannte Igelmutter legt routiniert für jeden Schützling ein Pflegeprotokoll an. Mit diesem Datenpool ist die Wildtierforscherin aus Berlin auf eine Fundgrube an Informationen für die Igel der Umgebung gestoßen.

Für das Testen brauchen Igel und Christiane Uecker viel Geduld

Die Problematik bei der Probenentnahme ist, dass vor allem die älteren Igel nicht den Mund öffnen wollen. „Manche lassen sich das nicht richtig aus dem Rachen entnehmen, aber in die Backentaschen huscht das Stäbchen einfacher“, schallt es aus der Igelkiste. Mit einem der ersten Probanden hat die Igelmutter über zwei Stunden geduldig in der Sonne gesessen und es einfach immer wieder probiert, bis der Igel das Maul geöffnet hat.

Eine Probandin ist äußerst interessant für die Forscherin. Igel Anna hat eine genetische Mutation, die selten ist. Darauf weisen die hellrosa Nase und das fehlende Fell am Bauch hin. Die Albinodame ist als Baby samt ihrer zwei Geschwister in die Obhut von Uecker gekommen. Zu dem Zeitpunkt, im vergangenen September, brachte das kleine Fräulein gerade mal 68 Gramm auf die Waage und hat in der Igelhütte überwintert. Mittlerweile wiegt Anna 573 Gramm und ist schneller gewachsen als ihre Schwestern. „Anna hat direkt gefressen und sich gut entwickelt. Die natürlichen Aussichten für dieses Jahr stehen nicht schlecht“, erklärt Christiane Uecker.

Auch die einzige Albino-Igeldame soll Probandin des Forschungsprojekt werden. Quelle: Christin Assmann

Der Mai war nicht so trocken und warm wie im letzten Jahr. Vielleicht haben wir die Chance, dass die Igelmütter ihre Nachkommen zu einem natürlicheren Zeitpunkt gebären und auf genügend Futter stoßen. Doch es sei abzuwarten, wie sich die Umstände entwickeln. Denn die Igelmutter appelliert an die Leute, die Igel in der Umgebung kennen oder im Garten entdeckt haben: Bitte stellt an den heißen Tagen einen Wassernapf bereit!

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Außerdem wurden bisher schon 25 Patienten mit schweren Verletzungen in der Praxis von Ehemann Bernd verarztet. Häufig ist das Rasentrimmen der Grund für die Verletzungen der Igel. „Ich war dieses Jahr nicht einen Tag igellos, aber ich liebe sie und lebe das“, endet die Igelmutter.

Von Christin Assmann