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Grimmen In Grimmen fehlen sieben Hausärzte
Vorpommern Grimmen In Grimmen fehlen sieben Hausärzte
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09:00 09.04.2019
Wer sich in Grimmen oder den umliegenden Gemeinden vom Arzt behandeln lassen möchte, muss mitunter stundenlang warten. Quelle: Bernd Weissbrod/dpa
Grimmen

Stundenlanges Warten im überfüllten Wartezimmer des Hausarztes: In Grimmen ist das keine Seltenheit. Der Trebelstadt geht es da wie vielen anderen Kleinstädten. Noch schlimmer ist die Situation in den ländlichen Gemeinden. Laut Landesausschuss der Ärzte und Krankenkassen fehlt es in Grimmen an 7,5 Hausärzten (Stand: Oktober 2018). Der Mangel ist nicht neu. Geändert an der Situation hat sich aber seit Jahren nichts.

Das wurde auch während eines Diskussionsabends, den die SPD-Kreistagsfraktion Vorpommern-Rügens initiiert und dazu auch interessierte Bürger eingeladen hat, deutlich. „Die Situation ist dramatisch“, meint Mario Bauch, Vorsitzender der SPD-Kreistagsfraktion. Und so sind die Grimmener und auch Einwohner der umliegenden Gemeinden mehr als unzufrieden, was die ärztliche Versorgung angeht. „Die Versorgung ist in den vergangenen Jahren immer schlechter geworden. Ärzte gehen in den Ruhestand, niemand kommt nach“, kritisiert Horst Krenz. Er wohnt in der Gemeinde Süderholz. Zum Hausarzt fahre er rund 25 Kilometer – nach Greifswald. Gründe für das Problem „Ärztemangel“ und Lösungsansätze hat man an diesem Abend besprechen wollen. Die Frage, ob sich in der Trebelstadt in Bezug auf den Ärztemangel etwas ändern wird – das interessierte wohl die meisten Besucher des Abends – aber ist an diesem Abend unbeantwortet geblieben.

Stadt und umliegende Gemeinden arbeiten an Lösung

Doch die Grimmener Stadtverwaltung arbeitet gemeinsam mit den Gemeinden Wittenhagen und Süderholz an einer Kooperation mit dem DRK-Krankenhaus, wie Grimmens stellvertretender Bürgermeister Roland Wildgans auf OZ-Nachfrage informiert. „Wir versuchen, eine Kooperation unter Einbindung der Kassenärztlichen Vereinigung“, berichtet er. Dies solle dann, einfach dargestellt, so aussehen: Das Krankenhaus in Bartmannshagen ist Ausbildungskrankenhaus. Sich dort in der Weiterbildung befindende Assistenzärzte könnten Sprechstunden im ländlichen Raum abhalten. Erste anbahnende Gespräche habe es bereits gegeben, informiert Roland Wildgans. Auch Wittenhagens Bürgermeister Frederic Beeskow sieht in der Kooperation eine große Chance. „Mit dem Sozialtrakt im alten Feuerwehrgebäude haben wir die Voraussetzungen für eine Praxis geschaffen“, sagt er. Seitens der Gemeinde suche man dennoch „den Sechser im Lotto“, wie Beeskow jenen Arzt nennt, der sich fest in der Gemeinde niederlässt. Eine Kombination aus Beidem wäre der Idealfall, meint er. „Weil der Assistenzarzt aus dem Krankenhaus die direkte Verbindung zu den Fachärzten hat“, begründet er.

Politik schafft Anreize

Grimmens Stadtpräsident und Landesgesundheitsminister Harry Glawe weiß selbstverständlich um den großen Handlungsbedarf. „Deshalb wird mit verschiedenen Programmen für den ländlichen Raum geworben“, weiß er. Es gebe Möglichkeiten, beispielsweise den Bau von Praxen oder eines Medizinischen Versorgungszentrums zu fördern. Rund sieben Millionen Euro schwer sei der Topf, berichtet er. Auch würden angehende Ärzte, die sich entscheiden, ihr praktisches Jahr in einer Arztpraxis in einer unterversorgten Region zu absolvieren, finanziell unterstützt werden, nennt Glawe ein weiteres Beispiel. Er appelliert an die niedergelassenen Ärzte – auch oder vor allem in Grimmen, angehenden Kollegen ein praktisches Jahr in ihrer Praxis zu ermöglichen. Der Gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Jörg Heydorn, der sich am Info-Abend den Fragen der Grimmener stellte, sieht zudem eine große Chance, dass die sogenannte Telemedizin eine Lösung sein könnte.

Finanzielle Anreize reichen nicht aus

Denn finanzielle Anreize reichen nicht aus, wie Medizinstudentin Anna Kunow am Info-Abend deutlich machte. Die 23-Jährige aus Wismar studiert in Greifswald. Sie selbst, so sagt sie, möchte später in ihrer Heimatstadt praktizieren. „Weil es meine Heimat ist, wo es ebenfalls einen erheblichen Mangel an Ärzten gibt“, begründet sie. „Aber aufs Land zu gehen, das kann ich mir gar nicht vorstellen“, fügt sie ehrlich hinzu. Der Grund: die Infrastruktur. Sicher gebe es finanzielle Anreize von Politik und Kassenärztlicher Vereinigung, aber diese würden nicht aufwiegen, was sich die Ärzte für ihren Wohnsitz wünschen würden, meint sie. „Ein fertig ausgebildeter Hausarzt ist meist Anfang, Mitte 30. Er oder sie wünscht sich beispielsweise ein gewisses Maß an Kultur und plant auch, eine Familie zu gründen“, sagt sie.

Anja Krüger

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