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Grimmen „Die Klapperbrücke nervt“: Keine Normalität für Anwohner an A-20-Baustelle bei Tribsees
Vorpommern Grimmen „Die Klapperbrücke nervt“: Keine Normalität für Anwohner an A-20-Baustelle bei Tribsees
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19:38 19.08.2019
Gisela Urlaub, 73, in ihrem Eisladen in Langsdorf. Sie kann oft nachts nicht schlafen, weil die Lkw auf der Behelfsbrücke so laut sind. Quelle: Flemming Goldbecher
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Langsdorf/Breesen

Manche Nacht, wenn der Wind von Osten nach Langsdorf herüberweht, raubt er Gisela Urlaub den Schlaf. Dann bringt er das nicht enden wollende Klappern der Behelfsbrücke auf der A 20 bei Tribsees mit sich. Am schlimmsten sei es, wenn die Lkw über die Brücke fahren, meint sie. „Man hört jeden Reifen. Die Klapperbrücke ist viel zu laut, da kriegt man kein Auge mehr zu“, so Urlaub.

Die 73-Jährige wohnt direkt an der L 19, der Hauptstraße im kleinen Ort Langsdorf. Seit 29 Jahren betreibt sie einen Eisladen, der sich neben ihrem Haus an der Straße befindet. Ihr Geschäft hatte, anders als vielleicht zu erwarten gewesen wäre, stark unter dem erhöhten Verkehrsaufkommen vor der Fertigstellung der Behelfsbrücke Ende des Jahres 2018 zu leiden. Täglich quetschten sich Massen von Autos an ihrem Eisladen vorbei. Nur stehen blieb niemand. Kamen doch mal Kunden, hätten sie oft minutenlang auf der anderen Straßenseite warten müssen, bis sie jemand durchließ, erzählt Urlaub.

Noch immer Staus an Wochenenden

Zudem blieben viele Stammkunden aus. „Bei dem Verkehr hätten die ja alle eine Ewigkeit gebraucht, bis sie hier gewesen wären.“ Doch nicht nur der Eisverkauf stagnierte. Auch für sie und ihre Familie sei die Zeit damals eine Geduldsprobe gewesen. „Wir standen immer ewig mit dem Auto an unserer Ausfahrt, bevor uns jemand durchließ“, sagt Urlaub. „Es war eine Katastrophe.“

Durch die Brücke habe sich die Situation deutlich entspannt. Dennoch gebe es von Freitag bis Sonntag immer wieder Staus, die die Bewohner von Langsdorf an überwunden geglaubte Tage erinnern. Dann staue es sich auf der Hauptstraße ähnlich wie damals, meint Urlaub. Am 19. August begannen die Neubauarbeiten der A 20 mit der Bohrung eines Probepfahls. Bis zur geplanten Fertigstellung der neuen Brücke 2023 dauert es Urlaub allerdings noch viel zu lange. „Man hätte doch viel schneller mit dem Bauen beginnen können.“

Galerie: Das A-20-Loch und der Neubau

Das A-20-Loch bei Tribsees und auch die Behelfsbrücke haben zwei Jahre lang für Negativschlagzeilen gesorgt. Nun beginnt der Wiederaufbau.

Pinkelstopp an der Bushaltestelle

Im einige Kilometer entfernten Breesen teilt man das Leid der Langsdorfer, wenn auch in anderer Form. „Von der A 20 hören wir hier kaum etwas“, sagt Dirk Lewerenz, der mit seiner Frau an der Hauptstraße wohnt. Andere Dinge stören ihn schon eher. Als es sich vor dem Bau der Behelfsbrücke noch regelmäßig staute in Breesen, wusste er sich nicht anders zu helfen, als einen Zaun als Sichtschutz vor seinem Grundstück zu errichten. „Die Leute konnten von ihren Autos aus direkt auf meinen Garten gucken.“

Dirk Lewerenz, 57, Unternehmer aus Breesen, ist genervt vom Verkehr im Dorf. Quelle: Flemming Goldbecher

Den Zaun hat Lewerenz mittlerweile wieder entfernt, denn Staus gebe es keine mehr. An den Wochenenden flüchte er dennoch ab und an aus dem sonst so beschaulichen Dörfchen. „Freitags und samstags ist es hier nicht lebenswert“, meint er. Viele nicht Ortskundige versuchten, den Wochenendstaus auf der Autobahn zu entkommen, kämen in Langsdorf jedoch erneut zum Stehen. Andere, geplagt von der Warterei, suchten einen Ort, um ihr kleines Geschäft zu verrichten. „Die Bushaltestelle im Dorf ist zum Klo geworden“, verdeutlicht Lewerenz das Verkehrsproblem.

Raser und fehlende Beschilderung

Erschwerend hinzu komme, dass viele nicht auf die Geschwindigkeitsbegrenzungen achteten. „Es fehlt an angemessener Beschilderung für so viele Autos.“ Die erst kürzlich beendete Sanierung der Straße zwischen Langsdorf und Breesen werde das Raserproblem zusätzlich verschärfen. „Vorher war die Straße so schlecht, dass man nicht schnell fahren konnte“, so Lewerenz. „Auf der neuen Straße wird es bald die ersten Unfälle geben.“ Dass die Bauarbeiten an der A 20 wie angekündigt bis 2013 beendet sein werden, bezweifelt er. „Vorher bin ich Rentner.“

Heinz Siebert aus Langsdorf sieht das Verkehrsproblem gelassen. Quelle: Flemming Goldbecher

Deutlich gelassener blickt Heinz Siebert, ebenfalls Bewohner von Langsdorf, auf die Verkehrssituation. „Das muss nun einmal gemacht werden. In den Städten ist es doch viel schlimmer.“ Er selbst nutze die Autobahnauffahrten nicht mehr, sondern fahre ausschließlich über die Dörfer. „Es ist halb so schlimm, aber die Leute finden ja immer etwas zu meckern.“

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Über den Autor

Von Flemming Goldbecher

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