Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Grimmen Krankenhaus arbeitet NS-Geschichte auf
Vorpommern Grimmen Krankenhaus arbeitet NS-Geschichte auf
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:50 24.10.2014
Der Künstler Gunter Demnig verlegt die Stolperschwelle kurz vor den Bahnsteigen im Stralsunder Hauptbahnhof. Quelle: Stefan Sauer/dpa
Stralsund

Irgendwann 1940 erreichte die Familie in Prerow die Nachricht, das Berta Wieck im Alter von 62 Jahren verstorben war. Aus Kalisch im damals von Deutschland besetzten Polen kam die Information. Von einem Standesamt — so wird vermutet — das nur dazu da war, eines der größten Verbrechen der Menschheitsgeschichte zu vertuschen.

„Meine Oma litt unter Depressionen“, berichtet ihe Enkelin, die in Ribnitz-Damgarten lebt und ihren Namen nicht nennen möchte. Selbst kennengelernt hat sie ihre Großmutter nie. Die tragische Lebensgeschichte erfuhr sie von anderen. Behandelt — oder eher verwahrt — wurde die psychisch kranke Frau in der Landesheilanstalt in Stralsund auf dem Gelände des heutigen Krankenhauses West.

Zusammen mit den anderen Patienten wurde die Prerowerin Ende 1939 vom Stralsunder Bahnhof aus in den Tod geschickt. Sie alle mussten sterben, weil ein menschenverachtendes und verbrecherisches System entschieden hatte, dass für sie kein Platz in der Gesellschaft sein sollte. „Von 1160 Menschen kennen wir die Namen“, sagte Dr. Jan Armbruster, Leitender Oberarzt an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Helios Hanseklinikum, im Stralsunder Hauptbahnhof, wo gestern zum Gedenken an die Opfer eine Stolperschwelle verlegt wurde. Gestaltet wurde sie vom Kölner Künstler Gunter Demnig, der über die Grenzen Deutschlands hinaus für seine Stolpersteine bekannt ist, mit denen er an die Opfer der Nazis erinnert. Über 50000 davon wurden seit Mitte der 1990er-Jahre in 18 Ländern verlegt. Auch in Stralsund.

Prof. Harald Freyberger, Chefarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, hat es sich zur Aufgabe gemacht, eines der dunkelsten Kapitel in der Geschichte des Krankenhauses West aufzuarbeiten.

Zusammen mit Armbruster steckt er viel Energie in das Projekt. „Lange Zeit galt Verschweigen und Verdrängen im Umgang mit diesem düsteren Kapitel deutscher Psychiatriegeschichte. Wir wollen mit Hilfe des Projekts auch einen offenen Diskurs anstoßen“, sagte er und verwies darauf, dass 1980 an der Klinik begonnen wurde, sich mit dem Thema zu befassen. Eine erste Initiative zur Erinnerung an die NS-Euthanasie-Toten wurde von der SED aber zurückgewiesen. Freyberger kündigte an, dass im Frühjahr 2015 weitere zwei Stolperschwellen verlegt werden sollen. Am Krankenhaus West und am Ärztehaus am Frankenwall, wo während des Faschismus Menschen zwangsweise kastriert wurden.

Das jetzige Stolperschwellenprojekt wurde gemeinsam mit der Hansestadt und der Deutschen Bahn umgesetzt. Dieter Hartlieb, 1. Stellvertreter des Stralsunder Oberbürgermeisters, sagte: „Die Frage, was lebenswert oder lebensunwert ist, darf nie wieder gestellt werden. Es ist gut, dass die Stolperschwelle nicht nur erinnern, sondern auch zur Diskussion anregen soll.“ Dass seinem Unternehmen sehr an der Aufarbeitung der Geschichte gelegen ist, betonte Joachim Trittin, Konzernbevollmächtigter der Bahn für Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern.



Jens-Peter Woldt

Die Straße in Dönnie wurde Ende des vergangenen Jahres erneuert, gleichzeitig wurden auch sieben moderne Straßenlaternen entlang der Straße neu gesetzt, und vor ...

24.10.2014

Michael Hennig ist Vorpommerns bester Fleischerlehrling. Er arbeitet im Landwerthof in Stahlbrode.

24.10.2014

Landrat spricht dennoch von „einem guten Stand“. 3299 Karten bisher vergeben.

24.10.2014