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Grimmen Kreis muss 1755 Flüchtlinge aufnehmen
Vorpommern Grimmen Kreis muss 1755 Flüchtlinge aufnehmen
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00:00 18.07.2015
Das 2008 geschlossene Gymnasium in Franzburg ist für den Landkreis jetzt interessant als Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge.
Das 2008 geschlossene Gymnasium in Franzburg ist für den Landkreis jetzt interessant als Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge. Quelle: OZ
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Stralsund

An den Zahlen ist nicht zu rütteln: Mecklenburg-Vorpommern muss in diesem Jahr 10000 Flüchtlinge aufnehmen, 1755 davon kommen nach Vorpommern-Rügen. Das sind über 700 mehr, als zu Beginn des Jahres geplant war.

Zwar konnten bereits 782 Asylsuchende in den letzten Monaten im Kreis untergebracht werden, doch die neuen Zuweisungen setzten die Landkreise unter Druck. Sie müssen in kürzester Zeit möglichst viele Unterkünfte schaffen. Da rücken die so genannten Gemeinschaftsunterkünfte als praktikable Lösung immer mehr ins Blickfeld, weil sie eine schnelle und kostengünstige Lösung, aber auch eine intensivere Betreuung ermöglichen. Um für diesen Weg zu werben, drehen die Mitarbeiter des Sozialamtes jetzt so manche Runde durch Gemeindevertretungen. Und treffen dabei immer wieder auf Proteste.

Erst kürzlich kamen so in Niepars — dort leben noch keine Flüchtlinge — in einem alten Neubaublock 100 Plätze für Asylbewerber ins Gespräch (die OZ berichtete). Ob Abgeordnete oder Einwohner — viele sprachen sich für Einzelunterbringungen der Familien aus Syrien, der Ukraine oder Tschetschenien aus.

Das gleiche Bild zeigt sich jetzt in Franzburg. Der Kreis informierte die Stadtvertreter in der letzten Sitzung über die Möglichkeit, 125 Asylbewerber im alten Gymnasium, das seit Jahren leersteht, einziehen zu lassen. Das altehrwürdige Gebäude müsste natürlich zuvor umgebaut werden. „Wir haben nichts gegen Flüchtlinge. Ganz im Gegenteil. Seit Jahren zeigen wir, wie Integration funktionieren kann. Wir haben nämlich schon 50 Asylbewerber in Franzburg, die gut betreut werden. Sie haben sich eingelebt, arbeiten hier sogar“, sagt Bürgermeister Dieter Holder (CDU) nach der Sitzung und ergänzt: „Und im Laufe der Zeit hat sich herausgestellt, dass eine dezentrale Betreuung in verschiedenen Wohnungen die ideale Lösung ist. Das sind unsere Erfahrungen, und an denen wollen wir festhalten.“ Holder plädiert für eine kleinere Gruppe von Flüchtlingen, die nach Franzburg kommen könnte. Und die würde man dann auch entsprechend betreuen können.

Brisant wird das Thema jetzt zusätzlich, weil in der 900-Einwohner-Stadt ein anonymes Flugblatt aufgetaucht ist. Darin heißt es: „Derzeit leben in Franzburg ca. 50 zugewiesene ausländische Menschen, die überwiegend in verschiedenen Wohnungen untergebracht sind. Diese Form hat sich in Franzburg bewährt. Die nun geplante Massenunterkunft ... halten wir für unsere Stadt für nicht verträglich mit Blick auf das Verhältnis zur Einwohnerzahl und zur vorhandenen Infrastruktur...“

Landkreis-Pressesprecher Olaf Manzke betont, dass ebenso wie in Niepars auch in Franzburg noch keine Entscheidung gefallen ist. „Wir klopfen einfach verschiedenen Möglichkeiten ab, weil wir die Flüchtlinge ja unterbringen müssen. Auf den Strom müssen wir uns vorbereiten. Dem Landrat ist aber nicht daran gelegen, hier einfach nach Verteilerschlüssel zu verfahren. Er will die Gemeinden mit ins Boot holen.“ Wenn die Situation aber so bleibe, müsse jede Gemeinde damit rechnen, Asylbewerber aufzunehmen.

Allerdings, und auch das hat die Kreisverwaltung sowohl in Niepars als auch in Franzburg unterstrichen: Die Entscheidungsgewalt liegt letztendlich beim Landkreis, die Kommune hat kein Mitspracherecht. „Das ist schon so, aber wir versuchen durch unsere Angebote, mit dem Landkreis Kompromisse zu finden“, sagt Franzburgs Bürgermeister Dieter Holder. Konfrontationen will er möglichst vermeiden.

Wohnung oder GU

50 Syrer, Ukrainer oder Tschetschenen haben in Franzburg bisher Asyl gefunden. Sie sind alle dezentral untergebracht. 80 Flüchtlinge leben in Ribnitz-Damgarten. Für sie hat der Landkreis 20 Wohnungen angemietet. In Gresenhorst hat der Kreis ebenfalls drei Wohnungen angemietet — für elf Asylbewerber, so einige Beispiele von Landkreis-Pressesprecher Olaf Manzke 200 Plätze hat die Gemeinschaftsunterkunft (GU) in Barth. In Stralsund gibt es zwei Häuser auf dem Dänholm mit 199 und 130 Plätzen.
782 Menschen kamen seit Januar nach Vorpommern-Rügen. Im Februar waren es zum Beispiel 162, im Juli sind es bis jetzt 151 Flüchtlinge. Insgesamt soll der Kreis in diesem Jahr nach aktuellstem Stand 1755 Menschen versorgen und betreuen.



Ines Sommer

18.07.2015
18.07.2015
18.07.2015