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Grimmen Kutterbau im Taktverfahren
Vorpommern Grimmen Kutterbau im Taktverfahren
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00:15 04.06.2018
Blick in die Montagehalle der Damgartener Bodden-Werft. Hier wurden die Kutter im Taktverfahren gebaut. Quelle: Foto: Stadtarchiv Ribnitz-Damgarten
Damgarten/Pütnitz

Seit 1973 zieht der Kutter „Adolf Reichwein“ vor dem Stralsunder Meeresmuseum die Blicke der Besucher auf sich. Eigentlich sollte er wie viele andere Fischereifahrzeuge zur Ersatzteilgewinnung dienen. Das Meeresmuseum rettete ihn 1970 durch Ankauf davor.

Vor 70 Jahren wurde Waldemar Fellmann mit dem Aufbau der Bodden-Werft Damgarten beauftragt

Die „Adolf Reichwein“ gehörte zu den Fischereifahrzeugen, die Ende der 40er- und Anfang der 50er-Jahre auf ostdeutschen Werften gebaut wurden. Grundlage dafür war der Befehl 103, der am 7. Juni 1948 durch den Obersten Chef der Sowjetischen Militäradministration (SMAD), Marschall Sokolow, unterschrieben wurde. Er sah den Aufbau von Werften in Stralsund, Wolgast und Damgarten vor.

Produktionsstandort der Damgartener Werft, die den Namen Bodden-Werft erhielt, war der nahe gelegene ehemalige Fliegerhorst Pütnitz, der am 2. Mai 1945 kampflos von sowjetischen Truppen eingenommen worden war.

Heute vor rund 70 Jahren, am 8. Juni 1948, wurde Ingenieur Waldemar Fellmann von der Neptun-Werft Rostock mit dem Aufbau der Bodden-Werft beauftragt. Bereits kurze Zeit später nahm er das Gelände in Augenschein, „das nur noch von einem kleinen Kommando der Besatzungsmacht belegt war und mit allen seinen Gebäuden und Hallen einen verlassenen Eindruck machte“, wie er sich später erinnerte.

Am 7. Juli 1948 wurde mit dem Umbau der ersten Kasernen zu Unterkünften begonnen. Am 10. Juli wurde unter großen Schwierigkeiten der Umbau der ehemaligen Flugzeughallen in Angriff genommen. Am 15.

August 1948 starteten die Errichtung der Slip-Anlage und am 15. September 1948 der Bau eines Lehrkutters. Da bis dahin noch keine Boots- und Zimmererwerkzeuge freigegeben waren, wurden in der Schmiede auf einem geliehenen Amboss in Tag- und Nachtschichten die wichtigsten Werkzeuge hergestellt.

Nachdem die Volkswerft in Stralsund das erforderliche Holz für den Kiel und die Kielbolzen geliefert hatte, konnten am 1. Oktober 1948 die Arbeiten für den Lehrkutter beginnen. Trotz vieler Schwierigkeiten wurde dann am 15. Oktober 1948 der zweite Lehrkutter in Angriff genommen. Nur wenige Wochen später legten die Werftarbeiter zwei weitere Lehrkutter auf Kiel. Besonders viele Probleme machte die Gewinnung von geeigneten Arbeitskräften. Das war vor allem deshalb sehr schwierig, weil auch die Werftstandorte Wolgast und Stralsund zahlreiche Arbeitskräfte benötigten. Erschwerend kam hinzu, dass die bereits im Lande vorhandenen Werften viele Fachkräfte gebunden hatten.

Ende Oktober 1948 begann in Pütnitz die Ausbildung der Umschüler und Lehrlinge. Am 1. November 1948 gab es 115 Umschüler und 20 Lehrlinge. Die Lehrwerkstätten für Bootsbauer und Zimmerer befanden sich in der Halle 3. Am 11. November 1948 war der Umzug der Schlosserei von der Halle 3 nach Halle 1 beendet. Einige Tage später liefen hier bereits fünf Drehbänke, zwei Hobler, zwei Fräsen und eine Bohrmaschine.

Mit dem Stand 24. November 1948 war die Belegschaftsstärke auf 693 Mitarbeiter angewachsen. Ende 1949 waren es 2200, darin enthalten sind auch die Bauleitung, die Sozialabteilung mit Landwirtschaft, Küche, Lehrlinge usw.

Die Kutter wurden arbeitsteilig gebaut. In der Halle 1 wurden alle benötigten Eisenteile, wie Nägel, Bolzen und Laschen, hergestellt. In der Halle II befanden sich die Maschinen für die Fertigung der hölzernen Decksaufbauten, Planken, Spanten und für die anderen Schiffsteile. In der Halle 3 schließlich wurden die Schiffskörper im Taktverfahren montiert. Dort standen bis zu 15 Schiffsrümpfe gleichzeitig. Bis September 1950 entstanden auf der Damgartener Boddenwerft neben einigen 12-Meter-Kuttern insgesamt 83 Kutter mit einer Länge von 17 Metern. Im März 1950 wurde der erste 24-Meter-Kutter auf Kiel gelegt. Von Kuttern dieses Typs verließen 35 die Werft. Der größte Teil davon ging an das Fischkombinat Saßnitz, etliche Kutter wurden aber auch als Reparationsleistung an die Sowjetunion ausgeliefert.

Der letzte 24-Meter-Kutter verließ am 29. Dezember 1951 die Bodden-Werft. Insgesamt 130 Kutter konnten bis zu diesem Zeitpunkt gebaut werden. Zum 31. Dezember 1951 musste die Bodden-Werft die Produktion einstellen. Die Rote Armee übernahm den ehemaligen Wehrmachtsflugplatz. Viele Damgartener Schiffbauer fanden in den Werften Rostock-Warnemünde, Stralsund und Wismar eine neue Beschäftigung.

Bisher konnten keine schriftlichen Belege gefunden werden, die Auskunft darüber geben, wann der Entschluss fiel, Pütnitz wieder militärisch zu nutzen. Vieles deutet jedoch darauf hin, dass es bei der sowjetischen Besatzungsmacht bereits sehr frühzeitig entsprechende Planungen gegeben haben muss. Dafür spricht unter anderem schon die Tatsache, dass die Pütnitzer Flugzeughallen – im Gegensatz zum Militärflugplatz Barth – nicht entsprechend den Festlegungen des Potsdamer Abkommens zerstört wurden. Und auf Befehl der sowjetischen Besatzungsmacht musste auch die Start- und Landebahn in den Jahren von 1945 bis zur Übernahme durch die Rote Armee instand gehalten werden. Damit liegt die Vermutung nahe, dass die Bodden-Werft Damgarten von vornherein nur als Zwischenspiel geplant war und die im Laufe des Jahres 1951 einsetzenden Aktivitäten den Plan zur Wiederinbetriebnahme als Militärflugplatz tarnen sollten. Dass in den Zeiten des Kalten Krieges bei den Sowjets solche Überlegungen eine Rolle gespielt haben könnten, ist nicht von der Hand zu weisen.

Holzschiffbau wiederbelebt

Durch die mit dem Befehl Nr. 103 vom 7. Juni 1948 angeordnete Errichtung der Bootswerft Damgarten auf dem Gelände des ehemaligen Militärflugplatzes Pütnitz konnte für einige Jahre an die Damgartener Schiffbautradition angeknüpft werden. In den Jahren 1764 bis bis 1880 bauten hier drei Mitglieder der Familie Dierling hölzerne Segelschiffe. Aber nicht nur in Damgarten wurde nach dem Zweiten Weltkrieg noch einmal die große Tradition des Holzschiffbaus wiederbelebt. 17-Meter-Kutter wurden auf insgesamt 17 größeren und kleinen Werften in Mecklenburg und Vorpommern gebaut. Auch eine Werft in Berlin war am Bau dieses Schiffstyps beteiligt, von dem in der Zeit von 1947 bis 1952 über 360 vom Stapel liefen. Mehr als 230 wurden als Reparation an die Sowjetunion geliefert.

Edwin Sternkiker

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