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Grimmen Landwirte Vorpommerns erwarten keine Rekordernte
Vorpommern Grimmen Landwirte Vorpommerns erwarten keine Rekordernte
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13:58 10.07.2019
Auf einem Feld bei Hohenwarth nahe Grimmen ernten die Mitarbeiter des Stoltenhäger Agrarverbundes Wintergerste. Quelle: Almut Jaekel
Grimmen

Die Ernte wird nicht so schlecht wie in den vergangenen drei Jahren. Darüber sind sich wohl die meisten Landwirte Vorpommerns einig. „Eine Rekordernte wird es aber wohl nicht werden, ich rechne mit einer guten durchschnittlichen Ernte“, sagt Maik Zilian, Geschäftsführer der Agrarprodukt Poseritz GmbH auf Rügen.

Landwirte wünschen sich ein normales Jahr

Auch Christian Ehlers, Geschäftsführer des Bauernverbandes Nordvorpommern mit Sitz in Grimmen bestätigt, dass die Bauern überwiegend optimistisch auf die begonnene Ernte blicken. „Die Landwirte wünschen sich ein normales Jahr mit guten Bedingungen. Und sie wünschen sich wenigstens durchschnittliche Erträge“, sagt er.

Im letzten Jahr herrschte Dürre, erinnert er. 2017 habe es im Spätsommer viel zu viel Niederschlag gegeben und noch ein Jahr davor hätten zahlreiche Landwirte mit Kahlfrösten zu kämpfen gehabt. Die letzten drei Ernten waren für die Bauern hierzulande also alles andere als zufriedenstellend.

Zeitiger Erntebeginn

Die Ernte 2019 begann hierzulande zeitig. Seit Ende Juni fressen sich die Mähdrescher durch die Wintergerste. „Wir waren überrascht, dass die Ernte in diesem Jahr so früh losging“, sagt Maik Zilian. Sein Rügener Betrieb starte am heißen letzten Junitag. Generell sei es nicht so ein gutes Zeichen für Erntequalität und Quantität, wenn schon im Juni gedroschen wird.

Im Stoltenhäger Agrarverbund bei Grimmen soll heute die letzte Gerste vom Halm. „Die Erträge sind gut, aber es muss getrocknet werden“, berichten René Rempt und Eckhard Rath. Das Getreide sei ungleichmäßig gereift. Nach der Gerste rechnen die beiden Betriebsleiter mit einer Pause von fünf Tagen bis zu einer Woche.

Rene Rempt vom Stoltenhäger Agrarverbund nimmt eine Probe, um beispielsweise die Feuchtigkeit es Getreides zu prüfen. Quelle: Almut Jaekel

In ganz Vorpommern und selbst auf der Insel Rügen fallen die Erntetermine unterschiedlich aus – je nach Boden und Getreidesorte. So habe im Norden Rügens gerade erst jetzt ein Betrieb mit dem Drusch begonnen, informiert die stellvertretende Geschäftsführerin des Bauernverbandes Nordvorpommern Evitta Schlender.

Enorme Vielfalt auf den Feldern

Gerste, Raps, Weizen, Mais prägen die Felder in Vorpommern. „Dabei weiß kaum jemand, wie groß die Vielfalt auf unseren Äckern ist“, sagt Evitta Schlender. 121 verschiedene Arten wachsen in diesem Jahr auf den vorpommerschen Feldern – vom Getreide bis zum Kürbis. Sogar neun Hektar Walnüsse hat das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt Vorpommern (Stalu) registriert.

Mehr Mais in Vorpommern-Greifswald

412700 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche stehen laut Staatlichem Amt für Landwirtschaft und Umwelt (Stalu) in Vorpommern 2019 zur Verfügung.

In Vorpommern-Greifswald sind es 216534 Hektar, in Vorpommern-Rügen 196166 Hektar.

Jegliche Weizensorten stehen auf 64671 Hektar in VR. In VG sind es nur knapp 51000 Hektar. Dafür gibt es dort mehr Roggen (12460 Hektar), in VR nur 5500 Hektar.

Bei der Gerste, mit der die Bauern in die Getreideernte starten, sind es in VR 23300, in VG 19476 Hektar, beim Raps 34174 Hektar in VR und 22200 Hektar im Osten.

Mehr als doppelt so viel Mais als im Nachbarkreis wird in Vorpommern-Greifswald angebaut. Dort steht er auf 24090 Hektar, in Vorpommern-Rügen auf 11494 Hektar.

412700 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche stehen den Bauern insgesamt im östlichen Landesteil zur Verfügung. In Vorpommern-Greifswald ist es etwas mehr als im Nachbarkreis. Im westlichen Teil Vorpommern gibt es mehr Weizen als im Greifswalder Raum. Dort wird dafür das Gros des Roggens angebaut. In Vorpommern-Greifswald steht 2019 auf etwa 24000 Hektar Mais und damit mehr als doppelt so viel in Vorpommern-Rügen.

Futtersituation bleibt angespannt

Im Poseritzer Agrarbetrieb gibt es jetzt eine längere Erntepause von etwa zehn Tagen, bevor es im Raps weitergeht, plant Zilian. „Und dann kommt wohl bald auch der Weizen und damit alles zusammen. Aber das kennen wir ja“, spricht der Landwirt aus Erfahrung. Für die Erträge mache ihm die Pause Hoffnung. Dann normalisiere sich alles.

Zusätzlich zum Ackerbau halten die Poseritzer 450 Milchkühe. „Und das wird auch so bleiben“, plant Maik Zilian. Auch wenn die Milchpreise nach wie vor nicht gut sind und die Futtersituation allgemein angespannt ist. Futter für die Rinder für den nächsten Winter habe die Poseritzer bereits genug. „Wir konnten einen sehr guten ersten und einen guten zweiten Schnitt auf unseren Niedermoorwiesen machen“, sagt er. Jetzt allerdings wachse selbst dort nicht mehr viel, der Boden sei mit Feuchtigkeit immer noch unterversorgt – eine Nachwirkung des letzten Dürresommers.

Die Gerstenernte als Start in die Saison ist fast abgeschlossen. Die Landwirte wünschen sich ein normales Erntejahr.

Anderswo in Vorpommern, beispielsweise in der Grimmener Region gab es gerade mal einen ersten Schnitt auf dem Grünland. Futterreserven aus dem Vorjahr gibt es so wieso nicht und im Moment wächst auch nicht viel. „Deshalb sind viele Landwirte nervös und befürchten, wieder nicht genügend gutes Futter für die Wintersaison bevorraten zu können“, sagt Christian Ehlers, Geschäftsführer der Bauernverbandes Nordvorpommern. Normalerweise hält ein Bauern 50 Prozent des Futterbedarfs zusätzlich vor, um sicher in die nächste Saison zu kommen. Aber aufgrund der Dürre 2018 sind alle Reserven aufgebraucht.

Ehlers: „Deshalb ist es sehr gut, dass das Landwirtschaftsministerium ökologische Vorrangflächen, die sonst nicht genutzt werden dürfen, zur Futterernte freigegeben hat.

Boden weiter zu trocken

Die Trockenheit fordere während der Ernte besondere vorbeugende Maßnahmen, macht Christian Ehlers einen weitere Aspekt deutlich: Die Brandgefahr steigt. Im vergangenen Jahr seien im Gebiet des Bauernverbandes Nordvorpommern vier Mähdrescher und mehrere Traktoren und Ballenpressen völlig ausgebrannt, Feldbrände standen auf der Tagesordnung. Und auch in diesem Jahr gab es erste Mähdrescher-Brände.

Ehlers fordert die Landwirte auf, immer einen Wasserwagen und einen Pflug beim Dreschen am Ackerrand stehen zu haben, um bei Bränden schnell reagieren zu können. „Früher war das Pflicht und wurde kontrolliert, ebenso, dass Mähdrescher nur auf bereits umgepflügten Flächen abgestellt werden durften“, erinnert Ehlers.

Ein Betrieb, in dem aktiv gegen Trockenheit vorgegangen wird, ist die Böhm-Nordkartoffel Agrarproduktion OHG Lindholz-Böhlendorf. „Wir haben eine Beregnungsanlage, die aber fast ausschließlich bei den Kartoffeln eingesetzt wird“, erklärt Geschäftsführer Uwe Töllner.

Seine Wintergerste bekam in diesem Jahr allerdings Wasser aus der Beregungsanlage ab. Zumindest ein Schlag. „Und auf dem sind die Ergebnisse deutlich besser als auf den anderen“, sagt Töllner. Die Böhlendorfer seien traditionell nicht die Landwirte mit hohen Erträgen bei der Gerste. Auch 2019 seien die Erträge sehr unterschiedlich und eher im schwach durchschnittlichen Bereich. „Vom Bestand her hatten wir auf mehr gehofft“, verrät der Geschäftsführer. Aber die Gerste konnte zügig und verlustfrei geerntet werden und zusätzliche Trocknungskosten fallen nicht an.

Als Kartoffelzucht- und Vermehrungsbetrieb hat die Knolle für die Böhlenorfer besondere Priorität. „Als Exportbetrieb müssen wir stabile Erträge und Qualitäten liefern und das geht nur mit Beregnung“, sagt Töllner. Nur vor zwei Jahren, im Dauerregen-Sommer, hätte man das nicht gebraucht.

Almut Jaekel

Das Feuer entstand auf einem Acker in Gremersdorf. Vermutlich wurde es durch einen Kabelbrand ausgelöst.

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