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Grimmen Das Ende einer Grimmener Ära
Vorpommern Grimmen Das Ende einer Grimmener Ära
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15:03 18.08.2019
Nach etwa 15 Jahren sind die „Polka Patrioten“ aus Grimmen Geschichte. Ihr letztes Konzert fand auf dem Markt in Grimmen statt. Quelle: Carolin Riemer
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Grimmen

Als Peter Reul ein Baby ist, stecken seine Eltern ihn für ein außergewöhnliches Foto in eine Tuba. Heute ist Peter zehn Jahre alt. Das Bild von ihm und seinen Eltern Christina und Thorsten Reul ist im Programmheft der „Polka Patrioten“ abgedruckt. Peter ist stolz. Seine Eltern lernten sich beim Musizieren kennen und lieben. Seit zwei Jahren übt der Junge das Spiel auf dem Euphonium im Greifswalder Blasorchester. Sein kleiner Bruder Martin (6) spielt Trompete.

Fast alle jungen Musiker mussten Grimmen den Rücken kehren

Es sind die kleinen Geschichten am Rande, die die „Polka Patrioten“ erzählen können und den Abschied etwas leichter machen. Etwa 15 Jahre lang musizierten sie gemeinsam. Mittlerweile sind sie im Alter zwischen Mitte zwanzig und vierzig Jahren, leben verstreut in ganz Deutschland. Und genau das zwingt sie nun zu ihrem letzten Konzert. Am Sonnabend ist der Grimmener Marktplatz trotz des Regens gefüllt. Die „Polka Patrioten“, die fast allesamt aus dem Grimmener Jugendblasorchester hervorgingen, haben sich tief in die Herzen der Einheimischen gespielt.

Einer der glühendsten Fans ist Reinhard Drews, der Vater von Christina Reul und Opa von Peter und Martin: „Natürlich sind wir traurig, dass sie sich nun trennen. Aber es war nicht anders möglich.“ Alle Musiker seien schließlich gezwungen worden, ihre Heimat Grimmen zu verlassen. „Sie haben keine Arbeit gefunden und noch so viele Jahre mit Herz, Liebe und Seele versucht, die Gruppe aufrechtzuhalten.“ Doch im Alltag war immer weniger Zeit für gemeinsame Proben und Auftritte. Die mangelnde Zeit zwang sie nun zur Trennung. „Uns war klar, dass unser letztes Konzert auf dem Markt stattfinden muss“, sagt Christina Reul. Immerhin wurde hier das zehnjährige Jubiläum vor großem Publikum gefeiert.

Das Jugendblasorchester, ein Segen für die Trebelstadt

Für Vater Reinhard Drews und seine Frau Gabriele seien das Jugendblasorchester und die „Polka Patrioten“ immer ein Segen gewesen. „Nach den Schularbeiten haben sie geübt und wir wussten, dass unsere Tochter gut aufgehoben ist und keinen Unsinn macht.“ Auch persönlich habe die Musik die jungen Leute positiv geprägt, ist er sicher. „Musiker sind gesellig. Sie haben so viele schöne Dinge miteinander erlebt.“ Bei Familie Drews und Reul liegt die Musik im Blut. Reinhard Drews war über 30 Jahre Mitglied der Grimmener Blasmusik und seine Frau Gabriele singt im Stadtchor. Doch die beiden können sich über den Verlust der „Polka Patrioten“ etwas hinweg trösten.

Ein kleiner Trost

Nicht nur, weil ihre Enkelkinder schon im Kindesalter für Musik brennen. „Fast alle Musiker spielen in ihrer neuen Heimat in hiesigen Kapellen weiter. Und so tragen sie unsere Grimmener Blasmusik hinaus in die Welt. Das ist schön. Grimmen kann sich glücklich schätzen, dass sie so eine Musikstadt ist.“ Und so werden die „Polka Patrioten“ beim in Hamburg, Bremen, Hannover, Flensburg und Rostock beim Musizieren vielleicht auch nach dem Ende einer Ära an ihre Heimat Grimmen denken.

Die Wehmut überspielten die Musiker mit fröhlichen und zackigen Liedern. Quelle: Carolin Riemer

Mehr über die Autorin: Carolin Riemer

Von Carolin Riemer

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