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Grimmen Nur 79 Spieler kamen zum letzten Turnier nach Grimmen
Vorpommern Grimmen Nur 79 Spieler kamen zum letzten Turnier nach Grimmen
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06:00 03.11.2019
Ins Spiel vertieft: Heinz Engel aus Greifswald, Jörn Pinger aus Ferdinandshof und der Rostocker Heiko Wollenberg (v. l.). Quelle: Carolin Riemer
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Grimmen

Obwohl 77 Herren und zwei Damen im Saal des Grimmener Kulturhauses sitzen, ist es mucksmäuschenstill still. Konzentriert blicken sie auf das Blatt in ihren Händen, mischen und verteilen Karten. Zum letzten Skatturnier sind zwar weniger Spieler als sonst gekommen, aber sie spielen mit Leidenschaft.

Traurig sind die meisten über das Aus des größten Turniers in Vorpommern (die OZ berichtete). Viele reisen weit, um in der großen Gemeinschaft zu spielen. Das Preisgeld von 400 Euro lockt ebenfalls. „Sobald wir mehr als 100 Spieler haben, liegt es sogar bei 500 Euro“, sagt Chef-Organisator Erhard Schulz. 25 Jahre lang hat er mit seinem vierköpfigen Team die insgesamt 50 Turniere organisiert. „Heute fehlen unsere Stammspieler aus Schwerin und Wismar, denn in Lübeck findet auch ein großes Turnier statt.“ Etliche Skatfreunde stammen aus Rostock, Stralsund, Neustrelitz und von der Insel Rügen. Die weiteste Anreise nahm ein Mann aus Braunschweig in Kauf.

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Die Jungen spielen lieber Skat im Internet

Draußen regnet es: bestes Skatwetter. Heiko Wollenberg kommt aus Rostock und mag gar nicht glauben, dass es der letzte Preisskat in Grimmen ist: „Es gibt sowieso schon so wenige Turniere in MV und nun machen sie das hier auch noch tot“, sagt er. Jörn Pinger aus Ferdinandshof sieht es ähnlich: „Es war immer so schön hier. Aber die jüngeren Leute spielen wohl lieber Online, als in Gesellschaft von echten Menschen.“ Heute überlegt er erstmals, auch diesen Schritt zu gehen und Skat künftig mit Fremden im Internet zu spielen.

Der mit Abstand jüngste Spieler ist Collin Melian Wendenburg. Elf Jahre ist der Greifswalder alt. Zum Skat ist er durch seinen Vater und seinen Großvater gekommen. Am Rande der 20 Spieltische sitzt sein Vater Sebastian und korrigiert die Chemie-Leistungskontrolle seiner achten Klasse. Heute ist er kein Spieler, sondern der Fahrer seines Sohnes. Die Wartezeit zwischen den drei Serien mit jeweils 48 Spielen nutzt er sinnvoll. Während er den Rotstift sinken lässt, erzählt der Lehrer für Chemie, Biologie und Mathematik, dass es das erste große Turnier für seinen Sohn ist: „Er war mächtig aufgeregt und auch etwas enttäuscht, weil die ersten Runden nicht so gut für ihn liefen. Aber das kann ja noch kommen.“ Für die achte Klasse lief die Leistungskontrolle übrigens auch nicht so gut. Mehr will der Lehrer aber nicht verraten.

Skat stirbt aus

Ein gutes Blatt wünscht sich auch Hans-Peter Satow aus Rostock. „Ein bisschen Glück gehört immer dazu“, sagt er in der Pause über einem dampfenden Teller mit Gulasch und Nudeln. Vier Jahre habe er die Turniere in Grimmen ausgelassen: „Aber das letzte wollte ich nicht verpassen.“ Satow findet es traurig, dass der Skat in der Region „irgendwie stirbt“. Umso mehr habe er sich gefreut, als er den elfjährigen Collin unter den Spielern entdeckte: „Das find’ ich ganz stark“, sagt er anerkennend. Collin ist derweil traurig und wird von Organisator Erhard Schulz getröstet. Die aufmunternden Worte wirken. Der Junge gibt nicht auf und stellt sich seiner erfahrenen Konkurrenz.

Gewinner und Sponsoren

Die Gewinner des Preisskats: 1. Platz: Peter Scholl aus Zarnekla (4335 Punkte); 2. Platz: Peter Salmann aus Boizenburg (3996 Punkte); 3. Platz: Marion Baranowski (3919 Punkte)

In der Tandem-Wertung gewannen André Jung aus Grimmen und Torsten Scheibler aus Torgelow

Die Sponsoren: Getränkehandel Becker aus Sagard, Brillenhaus Grimmen, Küchenstudio Scheitor, Dipl. Finanzwirt Björn Schulz, Pommersche Volksbank, Sparkasse Vorpommern

Von jeher waren die Frauen bei den vergangenen Veranstaltungen deutlich in der Unterzahl. Jana Lachmann aus Zingst findet trotzdem, dass Skat nicht von Männern dominiert wird. Sie kenne sehr viele Spielerinnen. „Meine Freundin ist gerade Vize-Europaweltmeisterin geworden.“ Das Turnier in Grimmen wird sie vermissen: „Es war immer richtig schön hier.“ Auch Organisator Erhard Schulz weiß, dass sich seine Spieler immer sehr wohl fühlten. Trotzdem bleibt er bei seinem Entschluss: „Heute ist es das letzte Turnier. Man soll gehen, wenn es am schönsten ist.“

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