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Grimmen Geburtstag zum Mauerfall: Marias ganz persönliche Freiheit
Vorpommern Grimmen Geburtstag zum Mauerfall: Marias ganz persönliche Freiheit
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15:03 08.11.2019
Maria Seidel, Karsten Dross und Sohn Lucien leben derzeit in Grimmen. Quelle: Almut Jaekel
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Grimmen

Dass der 9. November 1989 nicht nur für Maria Seidel, sondern für alle Deutschen ein außergewöhnlicher Tag ist, wusste die heute 30-Jährige lange nicht. Geboren am Tag als sich die innerdeutsche Grenze öffnete, „bekam ich erst in der Schule so richtig mit, an welch besonderem Datum ich Geburtstag habe“, sagt die Grimmenerin. Und wie wichtig der jungen Frau ihre ganz persönliche Freiheit einmal werden würde, ahnte an diesem Tag der Freiheit für 17 Millionen Ostdeutsche wohl niemand.

„Meine Mutti hat an diesem Tag gar nicht so richtig mitbekommen, was vor sich geht“, weiß Maria Seidel aus den Erzählungen ihrer Eltern. Irgendwann hätten die Krankenschwestern auf der Geburtsstation in Greifswald, die die Ereignisse im Fernsehzimmer verfolgten, der jungen Regina Seidel davon erzählt. „Aber meine Mutti sagt immer, damals wäre ihr nur wichtig gewesen, ihr Kind im Arm zu halten“, erzählt Maria, die einen älteren und einen jüngeren Bruder hat.

Maria Seidel wurde am 9. November 1989 geboren und wuchs in Grimmen auf. Quelle: Almut Jaekel

Von da an wurde bei Seidels am 9. November gefeiert. „Aber erst in der Schule wurde nach und nach aufgedröselt, was der Mauerfall bedeutet“, sagt Maria Seidel. Und bald seien regelmäßig die Journalisten gekommen, um sie zu interviewen. Als sie 15 war oder als sie gemeinsam mit dem einigen Deutschland volljährig wurde. Zum 30. kam sogar das Fernsehen.

Maria Seidel, ihr Lebensgefährte Karsten Dross und ihr zweijährger Sohn Lucien wohnen in Grimmen. Im Obergeschoss des Elternhauses. „Ich wohne wieder hier“, sagt sie. „Wir haben die drei ehemaligen Kinderzimmer für uns umgebaut“, erzählen sie. Auf dieses Grundstück am Stadtrand seien sie gezogen, als Maria noch ganz klein war. Damals stand hier nur ein Häuschen, in dem die Familie eng zusammenrücken musste. Später wurde gebaut, alle packten mit an. Grundschule, Gymnasium, 2008 das Abitur – ein sehr normaler Weg, der die junge Grimmenerin anschließend gerade mal bis nach Rostock führte. „Ich wollte immer etwas Kreatives machen, malen, gestalten“, sagt Maria. Sie probierte sich aus und entschied sich für Kunsttherapie. „Ich fand das sehr spannend, nicht nur künstlerisch tätig zu sein, sondern damit Menschen zu unterstützten.“ Fünf Jahre in Hamburg waren dafür geplant. Maria Seidel: „Aber ich war noch nicht so weit.“ Und so nahm sich die junge Frau die Freiheit, sich neu zu entscheiden.

Später arbeitete sie beim WDR in Köln und absolvierte eine Ausbildung zur Bühnenplastikerin. „Du kannst mit Kunst kein Geld verdienen“ – dieser Satz im Hinterkopf drängte sie in den eher handwerklichen Beruf. „Meine Idee, Menschen einen Mehrwert mit meiner Arbeit zu bieten, ging dabei aber verloren“, erinnert sie sich. Maria Seidel baute Requisiten, die oft nach einmaligem Gebrauch irgendwo verstaubten.

Marias Lebensgefährte ist 1961 geboren. 25 Jahre lang hatte er fürs Fernsehen gearbeitet. Beim Mauerfall war er direkt an der innerdeutschen Grenze in Berlin, hat dort gewohnt und gearbeitet. Ab Ende 1989 war Karsten Dross zwei Jahre lang im Osten unterwegs, filmte LPG-Abwicklungen, Dörfer und auch die Ereignisse in Rostock-Lichtenhagen. „Die Welt wollte das Ende der DDR dokumentieren“, sagt er.

Als sich beide 2016 kennenlernten, hatte Karsten Dross das alles längst hinter sich gelassen. Er hatte ein Promotionsvideo gedreht und lud die fremde Maria spontan ein, sich gemeinsam den Film anzuschauen, als er sie arbeitend auf einer Leiter sah. Stunden später und ungefähr um Mitternacht war beiden klar: Da ist jemand, der ähnlich tickt. Um 2.30 Uhr waren beide unterwegs nach Italien, gegen 17 Uhr war das Zelt in Venedig am Strand aufgebaut, daneben stand der Porsche.

Außergewöhnlich, harmonisch, ein Hauch von Freiheit – so umschreiben beide diese erste gemeinsame Woche. Nicht so harmonisch lief es anschließend für Maria, die aber ihre Stelle beim WDR trotz der Fehlzeiten behalten durfte. „Freiheit“ hieß dann ihr allererster gemeinsamer Film.

Freiheit ist für Maria Seidel vieles. Auch die Freiheit vom Ego-Denken. „Aufhören, sich mit anderen zu vergleichen, sich selbst und andere so sehen, wie sie sind“, ist ihr wichtig. „Freiheit beginnt im Denken, im Kopf“, sagt die junge Frau bestimmt. „Freiheit“ heißt aber auch eine große Plastik, die sie in Köln fertigte.

„Freiheit“ hat Maria Seidel ihre Plastik genant, die sie in Köln fertigte. Quelle: Almut Jaekel

Gemeinsam mit Karsten will sie ihren eigenen Weg gehen, raus aus den Zwängen. „Wir stimmten mit unserer Arbeitswelt nicht überein“, sagen sie heute. Jetzt sind sie auf dem Weg in die Selbstständigkeit, bieten Dienstleistungen im Bereich Film, wollen Coaching-Angebote offerieren. Marias Bereich nennt sich Karma Queen, ein inspirierender, motivierender und beratender Internet-Blog mit einem Shop, in dem Kunden beispielsweise „Begeisterung zum Anziehen“ erwerben können.

Karsten hat mir eine andere neue Qualität der Offenheit ermöglicht. Ich dachte zuvor immer, ich sei offen, hatte aber Megaschranken im Kopf“, sagt die 30-Jährige. Er habe sie an die Hand genommen. „Das war manchmal unbequem, ist es auch heute noch.“ Aber so ist sie eben, die ganz persönliche Freiheit von Maria Seidel.

Online selbstständig

Lovenormal heißt die Dachorganisation, in der Maria Seidel und Karsten Dross im Netz verschiedene Angebote offerieren, die helfen sollen, die eigenen Träume zu leben und Visionen zu verwirklichen.

Dazu gehören mit 1VisionTV – Dienstleistungen im Bereich Film, The Wonderacademy – ein Coaching-Angebot, das noch im Aufbau ist, und Karma Queen, auf deren Seiten Wege aufgezeigt sowie Inspiration, Motivation und Begeisterung vermittelt werden sollen.

Ein Online-Shop, in dem unter anderem bedruckte T-Shirts erhältlich sind, gehört ebenso dazu.

Von Almut Jaekel

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