Miltzow: Vom kleinen Handwerkerdorf zum Industriestandort 
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Grimmen So hat sich Miltzow vom kleinen Handwerkerdorf zum Industriestandort gemausert
Vorpommern Grimmen

Miltzow: Vom kleinen Handwerkerdorf zum Industriestandort 

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18:00 01.02.2021
Das Ortsschild von Miltzow in der Gemeinde Sundhagen
Das Ortsschild von Miltzow in der Gemeinde Sundhagen Quelle: Roswitha Pendzinsky
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Miltzow

Die OSTSEE-ZEITUNG zu Gast in Miltzow. Aus dem ehemals ländlich geprägten Handwerkerdorf ist inzwischen ein kleiner Industriestandort geworden. Trotzdem genießen die Bewohner die Ruhe und freuen sich, dass in den vergangenen Jahren vermehrt junge Familien in den Ort gezogen sind.

Als Außenstehender hat man sofort Bilder im Kopf, wenn Helga Kramer und Werner Oesterreich von ihrer Kindheit erzählen. Die Geschwister sind in Miltzow aufgewachsen und leben heute Tür an Tür. Werner Oesterreich in seinem Elternhaus, die Schwester hat daneben ihr eigenes gebaut. „Die Schule war gleich schräg gegenüber“, erzählen die beiden.

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Die Sparkasse war im Haus von Frau Borgwardt untergebracht

Die Dorfschule schloss 1950, daraus wurde ein schmuckes Wohnhaus. Viele Wohnhäuser sind aus den ehemaligen kleinen Handwerksbetrieben entstanden. „Wir hatten zwei Bäcker, einen Kolonialwarenhändler, einen Sattler und Friseur, ein Maurergeschäft und eine Gärtnerei. Es gab einen Konsum und HO-Verkaufsstelle, einen Fleischer, Schmied, Schuhmacher und Schneidermeister. Die Sparkasse war im Haus bei Frau Borgwardt. Heute nicht mehr vorstellbar.“ Schon gar nicht, dass die Frau das Geld in einer Tasche am Fahrrad zur Post brachte.

Das Leben im Ort war von der Landwirtschaft geprägt. Durch Miltzow führte schon immer die Bahnlinie mit Poststation. Das architektonisch schöne Gebäude lässt erahnen, wie viele Menschen hier früher arbeiteten. „Es gab eine Viehverladung. Und die bestellten Küken kamen im Karton mit der Post“, erinnert sich Werner Oesterreich. Der gelernte Kfz-Mechaniker arbeitete sein ganzes Leben lang im Beruf. Zuletzt wieder im Ort, in einem Miltzower Autohaus.

Das Bahnhofsgebäude steht seit vielen Jahren leer und bietet keinen schönen Anblick. Quelle: Roswitha Pendzinsky

Erdölfund wirkte sich positiv auf die Entwicklung des Ortes aus

Der Fund von Erdöl im benachbarten Reinkenhagen wirkte sich positiv auf Miltzow aus, weil der Förderbetrieb Erdöl-Erdgas-Grimmen hier ein Tanklager mit Verladestation zur Eisenbahn errichtete. Getreide, Düngemittel, Kartoffeln, Rohöl, Tiere und viel mehr wurden umgeschlagen. Auf dem ehemaligen Gelände von VEB Minol befindet sich heute ein moderner Betrieb, Metall- und Schiffbau. Die Halle vom ehemaligen ACZ (Agro Chemisches Zentrum) ist eine Ruine. Davon gibt es noch einige in Miltzow.

Nach der Wende ist ein neues Gewerbegebiet entstanden. Es haben sich produktives Gewerbe und Dienstleistungsbetriebe angesiedelt. Im Oktober letzten Jahres hat die Firma Skalis & Sohn ihr neues Gebäude bezogen. Mit dem Bau des Verwaltungsgebäudes 1994 wurde der Ort gleichzeitig Namensgeber für das Amt Miltzow, zu dem die Gemeinden Sundhagen, Wittenhagen und Elmenhorst gehören. Der Weg dorthin führt an dem verwaisten Bahnhof vorbei, dessen Uhr schon jahrelang auf 10.35 Uhr steht.

Ein Blick ins Gewerbegebiet von Miltzow Quelle: Roswitha Pendzinsky

Ute Bachmann: „Miltzow ist ein schönes Dorf geworden“

Gegenüber ein großes flaches Wohngebäude. Es war das Sportlerheim mit Kegelhalle. Viele Menschen haben schöne Erinnerungen daran. Dieter Krenz war von Januar 1988 bis Mai 2002 Wirt in dem Objekt, das eigentlich mal als Feuerwehr gedacht war. „Es war eine schöne Zeit. Familienfeiern, Betriebsfeiern und natürlich die Sportler, die regelmäßig zum Kegeln kamen. Ich könnte viel erzählen.“ Mit seiner Lebensgefährtin Ute Bachmann hat er ein Haus in Miltzow gebaut. Die ehemalige Lehrerin und er genießen ihren Ruhestand. „Miltzow ist so ein schönes Dorf geworden, es ist so jung geworden, es gibt so viele Kinder. Das finde ich richtig schön“, freut sich Ute Bachmann.

Von Roswitha Pendzinsky