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01:01 14.04.2018
Susanne Kreckel als Sophie und Markus Voigt als Alcest in „Die Mitschuldigen“. Die Premiere fand Sonnabend im Theater Greifswald statt. Quelle: Foto: Vincent Leifer
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Greifswald. Dem Publikum schien die jüngste Premiere im Greifswalder Theater gefallen zu haben. Denn am Sonnabend wurde die gesamte Aufführung über viel gelacht und am Ende gab es lautstarken Applaus. Dabei gehört das Sonnabend gespielte Stück eher in die Raritätenkiste. Denn wer kennt schon „Die Mitschuldigen“ von Goethe?

Der Altmeister hat diese Komödie bereits im Alter von 20 Jahren geschrieben. Sie wird aber eher selten an Theatern gespielt. In der DDR war sie allerdings verfilmt worden.

Goethe beklagt in den „Mitschuldigen“ vor allem Doppelmoral, Scheinhaftigkeit und Spießbürgertum. Dinge, die man natürlich 1:1 auch auf die Gegenwart beziehen kann. Und das macht Regisseur Reinhard Göber. Zum Teil großartig.

Das Stück spielt in einem abgelegenen Gasthof. Neben dem neugierig und geschäftstüchtigen Wirt, beherrschen seine attraktive Tochter Sophie, ihr arbeitsmüder, spiel- und trunksüchtiger Ehemann Söller sowie der wohlhabende Gast Alcest die Szenerie. Letzterer hatte mit Sophie vor zwei Jahren bereits eine Liebesaffäre und löst durch sein neuerliches Erscheinen wieder vergessene Träume aus. Aber auch sein mitgebrachter Geldkoffer steht im Mittelpunkt des Geschehens, denn alle haben ein Auge drauf.

Der eine will mit dem Inhalt Schulden begleichen, der andere ist scharf auf einen geheimnisvollen Brief. Und weil es diese Begehrlichkeiten gibt, schleichen sich alle eines Nachts in einen Raum im Gasthof, wo sie dann überrascht aufeinandertreffen. Obwohl am Ende nur einer schuldig ist, machen sich hier alle zu Mitschuldigen.

Die Geschichte wird kurz und knackig erzählt. Nur eine Stunde und zwanzig Minuten dauert die Aufführung, die bereits Ostern in Stralsund ihre Premiere feierte. Sie ist gewürzt mit vielen originellen Regieeinfällen und lässt auch Frivoles nicht zu kurz kommen. Mit Markus Voigt (Alcest), Susanne Kreckel (Sophie), Alexander Frank Zieglarski (Söller) und Stefan Hufschmidt (Wirt) ist sie schauspielerisch auch großartig besetzt.

Das rund 250 Jahre alte Stück ist aber leider inhaltlich überladen. Warum müssen Mauerfall und Wiedervereinigung hier einen Rahmen bilden? Mal ganz ehrlich, das wirkt gekrampft. Weniger wäre hier mehr, zumal der Zuschauer schon durch den gereimten Originaltext beim Zuhören gefordert ist. Und wer genau zuhört, erkennt auch so sehr schnell, warum Goethe auch heute noch so aktuell ist.

Dennoch: Diese neueste Schauspielinszenierung kann man empfehlen, weil sie gut gemachtes Theater ist. Und gut gemachtes Theater gibt es in Stralsund und Greifswald in diesen Tagen zuhauf. Und der Spielplan ist rappelvoll.

Erst vor wenigen Tagen wurde in Greifswald vor ausverkauftem Haus die Premiere der Puccini-Oper „Tosca“ regelrecht bejubelt. In Stralsund gab es am Wochenende erstmals das phantastische Schauspiel für Kinder „Was das Nashorn sah, als es auf die andere Seite des Zauns schaute“. So gut wie immer ausverkauft sind sämtliche Vorstellungen von Richard O’Briens „Rocky Horror Show“. Und dennoch ist die Belegschaft des Theaters Vorpommern zutiefst verunsichert. Weil die Zukunft ihres Hauses unsicher ist.

Vor der „Tosca“-Premiere in Greifswald hatte Musikdramaturgie Katja Pfeifer mit eindringlichen Worten darauf hingewiesen, dass nicht einmal das Ende dieser bis Sommer andauernden Spielzeit finanziell abgesichert ist. Bekommt man dieser Tage eine E-Mail aus dem Theater, so sind alle mit dem Hinweis versehen „Theater Vorpommern erhalten“. Alle Adressaten werden gebeten, eine Petition für den Erhalt des Theater Vorpommern zu unterstützen. Auch Sonnabend lagen an beiden Häusern wieder entsprechende Listen zum Eintragen aus. Mit seinen Maßnahmen will das Theater Druck auf die Landesregierung ausüben, weil sie mit den an der Finanzierung des Hauses beteiligten Kommunen immer noch zu keiner Einigung gekommen ist, die die Zukunft des Theaters absichert. Denn bekanntlich ist die noch vom damaligen Kultusminister Brodkorb initiierte Fusion zum Staatstheater Nordost ja gescheitert.

Reinhard Amler

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