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Grimmen Mosterei Elmenhorst: Weniger Äpfel, mehr Schnaps und ein Roboter
Vorpommern Grimmen Mosterei Elmenhorst: Weniger Äpfel, mehr Schnaps und ein Roboter
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16:17 12.09.2019
Johannes Derer neben dem neuen Palettierroboter, den die Mosterei vor kurzem in den Niederlanden kaufte. Quelle: Flemming Goldbecher
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Elmenhorst

Die Saison hat gerade erst begonnen, doch für Klaus Derer von der Mosterei & Obstbrennerei in Elmenhorst ist klar: „Dieses Jahr läuft beschissen.“ Die Sortiermaschine, mit der die faulen von den guten Äpfeln getrennt werden, ist zwar gut gefüllt, doch der Schein trügt. Normalerweise werde zu dieser Jahreszeit jeden Tag gemostet. Momentan aber nur einmal pro Woche. Wo sonst die Leute Schlange stehen, um ihre Ernte gegen Saft einzutauschen, herrscht derzeit gähnende Leere. „Es ist gut möglich, dass in den nächsten Wochen mehr kommt, aber die Anfänge waren grausig“, so Derer.

Neuer Roboter aus den Niederlanden

Dabei hatte sich der regional bekannte Familienbetrieb mit einer neuen Investition auf die Apfelsaison vorbereitet. Klaus Derer und Sohn Johannes fuhren extra zu einem Produzenten für Palettierer in die Niederlande, um für das gebrauchte Modell, das sie sich in Augsburg gekauft hatten, die Ersatzteile zu kaufen. Während früher jede Kiste mit den befüllten Saftflaschen per Hand auf die Paletten gehievt werden musste, übernimmt diesen Job mittlerweile die Maschine. Zwei der neun Kilogramm schweren Kisten auf einmal könne der Roboter fassen, sagt Johannes Derer. „Das erleichtert unsere Arbeit deutlich.“

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Bleibt zu hoffen, dass der neue Angestellte mit dem Greifarm demnächst mehr zu tun bekommt, als bisher. „Ende August geht es normalerweise los“, meint Derer. Dann sei der Innenhof für gewöhnlich voll mit Menschen, die ihre Äpfel in die Mosterei bringen. Bis zu 25 Sorten werden in Elmenhorst zu Saft gepresst. Pro Stunde schafft die Saftpresse drei Tonnen. Die Abfüllung erfolgt in der Regel einen Tag später. Insgesamt verkaufen die Derers 35 verschiedene Säfte. Neben klarem und trübem Apfelsaft gibt es auch Fruchtmischungen wie Apfel-Sauerkirsche oder Multivitamin.

Schlechte Ernte wegen Frühjahrsfrost

Die Produktion der anderen Fruchtsäfte sei bisher gut gelaufen, sagt Johannes Derer. Bereits im Frühjahr werde Rhabarber gepresst, im Juni und Juli Johannisbeeren. Auch Quitten und Birnen verarbeite man zu leckeren Getränken von denen man eine Flasche für jedes Kilogramm Äpfel, welches man in der Mosterei abgibt, als Lohnware erhält.

Birgit Derer trennt die guten Äpfel von den faulen, bevor die gewaschen und gepresst werden. Quelle: Flemming Goldbecher

Dass nun weniger abgeliefert wird als üblich, liege am kurzfristigen Wetterumschwung im Frühjahr. „Der Frosteinbruch hat viele Blüten zerstört, das wirkt sich nun auf die Ernte aus“, erklärt Johannes Derer. Der gelernte Fruchtsafttechniker kennt sich aus im Geschäft. „Hier im Betrieb ist jeder für alles zuständig und muss alles können.“

Mehr Schnaps gegen die Verluste

Wie man die Einbußen durch die miese Apfelernte kompensieren kann, wisse er deshalb auch: „Wir müssen die Leute dazu bringen, mehr Schnaps zu trinken“, sagt er mit einem Lächeln. Doch ganz unernst meint er das nicht. Fällt eine Saison vergleichsweise schlecht aus, müsse man das Geschäft mit der Obstbrennerei mehr forcieren. Neben Fruchtsäften verkaufen die Derers nämlich auch alkoholhaltige Getränke wie Apfelwein, Fruchtliköre, Obstbrände und Bio-Gin. Vor einigen Jahren waren Vater und Sohn gemeinsam auf einem Brennkurs, um alles über die Produktion der hochprozentigen Säfte zu lernen.

Falsches Konsumverhalten schadet

Man weiß sich also zu helfen in der Mosterei Derer, selbst wenn das Obst mal rar gesät ist. Dennoch ist Klaus Derer unzufrieden. Nicht mit seinem Unternehmen, sondern mit dem Konsumverhalten der Menschen. „Viele kaufen ihre Äpfel im Supermarkt, ohne darauf zu achten, ob sie aus Deutschland oder Neuseeland kommen“, meint er. Das schade den heimischen Unternehmen. Für ihn sei hier die Politik in der Pflicht, die Menschen besser aufzuklären und gleichzeitig Regionalität zu fördern. „Ich habe noch nie einen Apfel von außerhalb gekauft“, so Derer. „Statt auf überregionale Ware zu setzen, sollten lieber alte Obstgärten gepflegt und erhalten werden.“

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Von Flemming Goldbecher

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