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Grimmen Nach langem Rechtsstreit: Windräder in Wittenhagen gehen ans Netz
Vorpommern Grimmen Nach langem Rechtsstreit: Windräder in Wittenhagen gehen ans Netz
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06:30 25.09.2019
Nach eineinhalbjährigem Rechtsstreit gehen die Windräder in Glashagen nun ans Netz. Quelle: Carolin Riemer
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Glashagen

In den nächsten Tagen gehen die drei Windräder Glashagens ans Netz. Der lange Rechtsstreit nimmt für nicht alle Beteiligten ein glückliches, dafür aber ein sehr plötzliches Ende. Die Gemeinde klagte gegen die Windräder neben der Bundesstraße.

Anwohner vermuten nun, dass die Gemeinde vor dem Betreiber „WIND-projekt“ aus Börgerende einknickte, beziehungsweise große Gelder flossen, damit das Unternehmen seinen Willen durchsetzen konnte.

Strom bleibt in Gemeinde

Von „tumultartigen Zuständen“ berichtet Bürgermeister Frederic Beeskow (Wählergemeinschaft), wenn er an die Gemeindevertretersitzung in der vergangenen Woche denkt. „Ich kann verstehen, dass die Bürger unzufrieden sind und sich überrollt fühlen. Doch wir konnten aus rechtlichen Gründen nicht früher an die Öffentlichkeit gehen.“

Die Gemeinde schloss mit dem Windparkbetreiber Kompromisse, die Beeskow zwar nicht als „Liebeshochzeit“ bezeichnet, trotzdem steht er hinter der Entscheidung der Gemeindevertretung. „Hätten wir noch vier Jahre lang weiter gegen die Windräder klagen sollen? Sollten wir nicht viel lieber zukunftsorientiert denken und unser Potenzial nutzen?“, fragt er. Und Zukunft hat der konkrete Plan, den die Gemeinde mit dem Investor aushandelte. Sie gibt der Gemeinde die Chance, eine Vorreiterrolle einzunehmen.

Fachhochschule möchte hier forschen

Konkret bedeutet das: In naher Zukunft wird die Gemeinde Wittenhagen zu einer unabhängigen Energiekommune, denn der Strom, der in Glashagen erzeugt wird, bleibt in der Gemeinde. Das bedeutet auch, alle Einwohner und Unternehmen werden wesentlich weniger Geld für ihn zahlen. Das geplante klimafreundliche, sogenannte „grüne Gewerbegebiet“ ist ein Novum mit so viel Zukunftspotential, dass sich bereits die Fachhochschule Stralsund als Forschungspartner anbot. „Mit der Umsetzung wird sofort begonnen“, sichert Beeskow zu, der noch weitere Vorteile aushandeln konnte. Alles sei konkret, alles werde sofort umgesetzt und auch der Investor brenne für das neuartige Projekt der Energiekommune.

Hartes Jahr für Windpark-Betreiber

Für Windparkbetreiber Carlo Schmidt (51) geht das härteste Jahr seiner Firmengeschichte zu Ende. 16 Millionen Euro investierte er in die drei Windräder, die seit dem Bau vor eineinhalb Jahren still standen. In einem Jahr hätten diese drei Anlagen so viel CO2 -freien Strom erzeugt, dass alle Einwohner Wittenhagens 30 Jahre lang versorgt gewesen wären.

Er sei froh, dass er jetzt seinen 51 Mitarbeitern nicht nur weiterhin einen sicheren Arbeitsplatz bieten, sondern auch, dass er in Wittenhagen eines der modernsten, zukunftsorientierten Gewerbegebiete entwickeln kann. „Gegen uns wurde aus Gründen des Artenschutzes geklagt, dabei sind wir mit grünem Strom unterwegs. Die Natur ist unser höchstes Gut. Und ganz ehrlich, wenn die globale Entwicklung so weiter geht, brauchen wir uns bald nicht mehr über Schreiadler unterhalten, dann stirbt nämlich alles aus“, sagt Schmidt, der betont, dass er immer im Dialog mit Anwohnern und Gemeinde stehen möchte.

Betreiber übernimmt unter anderem Gerichtskosten

Carlo Schmidt übernimmt nicht nur 25 000 Euro der Gerichtskosten für die Gemeinde. Er kaufte auch 2,5 Hektar Ackerfläche. Diese soll vernässt werden, um Lebensraum für Raubvögel zu schaffen. Ein Brutplatz für den Schreiadler sei in Wittenhagen übrigens nie gefunden worden. Außerdem installierte Schmidt sogenannte Horchboxen an den Anlagen, die genau ermitteln, wann die Fledermäuse in diesem Gebiet fliegen.

„Der Investor hält längere Abschaltzeiten ein, als das Staatliche Landesamt für Umwelt fordert“, betont Beeskow die Kompromissbereitschaft des Windkraft-Betreibers. Außerdem übernimmt Schmidt mit 20 000 Euro die Kosten für die Ausbesserung des letzten Sandweges in der Gemeinde, der beim Aufstellen der Windräder in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Einnahmen von mehr als einer halben Million

Nicht zuletzt spricht Frederic Beeskow auch von den Einnahmen, die die Windräder der Gemeinde einbringen. „Wir haben das Land, auf denen zwei der drei Windräder stehen vor wenigen Tagen gekauft. Das erlaubt uns nicht nur großes Mitspracherecht, sondern garantiert uns auch Pachteinnahmen von 25 000 Euro jährlich.“

Der Vertrag wurde für 23 Jahre abgeschlossen und spült bis zu 575 000 Euro in die Haushaltskasse. Die Unterlagen seien übrigens von allen Anwohnern im Amt Miltzow einsehbar, da es sich um ein transparentes Verfahren handelt, informiert der Bürgermeister.

Mehr lesen:

Kontakt zur Autorin

Juni 2017: Protest gegen neue Windräder

November 2017: Gemeinde Wittenhagen wehrt sich

Oktober 2018: Streit um Windräder in Glashagen geht weiter

Von Carolin Riemer

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