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Grimmen Neujahrsempfang in Grimmen: So reagiert Kanzlerin Merkel auf die Kritik der Bauern
Vorpommern Grimmen

Neujahrsempfang in Grimmen: So reagiert Kanzlerin Merkel auf die Kritik der Bauern

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18:00 15.01.2020
Kanzlerin Merkel nahm sich viel Zeit, um sich die Probleme von Landwirt René Rempt und seinen Kollegen anzuhören. Quelle: privat
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Grimmen

Als am vergangenen Freitag der Neujahrsempfang des Landkreises Vorpommern-Rügen im Grimmener Kulturhaus „Treffpunkt Europa“ stattfand, wurde Bundeskanzlerin Angela Merkel von drei Traktoren und knapp einem Dutzend Landwirten aus der Region empfangen. Auf Protest-Plakaten verkündeten sie ihre Sorgen und Probleme, die mit dem Agrarpaket des Bundes auf sie zukommen. René Rempt vom Stoltenhäger Agrarbetrieb hoffte, dass die Kanzlerin sich ein paar wenige Minuten Zeit für ein Gespräch nehmen würde. Er wurde nicht enttäuscht.

Nachdem alle Reden gehalten und der Hunger am Buffet gestillt war, empfing Angela Merkel Agrar-Ingenieur René Rempt an ihrem Tisch. In einem ausführlichen Gespräch schilderte Rempt, der auch Mitglied im Bauernverband ist, seine und die Sicht seiner Kollegen.

Verschärfte Düngemittelverordnung bedroht Existenzen

Er stieß nicht nur auf offene Ohren. „Die Kanzlerin ist auch sehr gut über die Themen und die Landwirtschaft informiert“, sagte Rempt nach dem Gespräch. Bereits in ihrer Rede vor den etwa 400 Gästen des Empfangs sagte Merkel, dass ihr die Probleme der Landwirte „Kummer und Sorgen“ bereiten würden und dass die Landwirtschaft ein wichtiger Wirtschaftssektor sei, der in Deutschland ein gutes Zuhause haben müsse.

René Rempt legte in seinem Gespräch den Fokus vor allem auf die Verschärfung der Düngemittelverordnung, vor dem die Landwirte großen Respekt haben. Ihre Befürchtungen sind, dass die konventionelle Landwirtschaft in Deutschland keine Zukunft mehr haben wird und viele Bauern vor dem Existenz-Aus stehen. „Wir stehen wahrscheinlich vor einem Strukturwandel. Viele kleine und mittlere Betriebe müssen aufgeben“, stellte er vor der Kanzlerin unmissverständlich dar.

Miserable Preise für Fleisch

Der junge Landwirt informierte Merkel darüber, dass sein Betrieb bereits 2016 die Milchviehhaltung aufgrund der niedrigen Preise aufgeben mussten und auf Bio-Mutterkuh-Haltung und nicht mehr auf Milch, sondern auf Fleisch setzen müsse. Die Rinder verlassen mit etwa einem halben Jahr den Hof von René Rempt und gehen dann in Mastbetriebe. Mit etwa 18 Monaten werden sie geschlachtet und landen auf den Tellern der Verbraucher.

Er informierte sie auf Nachfrage über die miserablen Preise für Fleisch. „Aktuell liegen sie bei 1,50 Euro pro Lebendgewicht. Vor einem Jahr lagen sie noch bei drei Euro. Brauchen tun wir als Bio-Mutterkuh-Halter sechs bis sieben Euro, um alle Kosten zu decken und von unserer Arbeit leben zu können.“ Gerettet werde sein Betrieb nur durch die Förderung des Bundes. Bio-Landwirte bekommen aktuell fast eine doppelt so hohe Förderung wie konventionelle Landwirte.

Merkel will für einheitliche Standards kämpfen

Angela Merkel wusste, dass es im Getreide-Bereich ähnlich aussieht. Das Angebot übersteigt die Abnahme und dadurch sinken die Preise. „Sie fragte mich, ob es sinnvoll wäre, die Bio-Richtlinien zu verschärfen. Doch das macht nur Sinn, wenn die Bevölkerung mehr Bio-Produkte kaufen würde und nicht weiterhin auf billige Lebensmittel setzen würde.“ Angela Merkel fragte, wie man das schaffen könne. Doch wie man das Bewusstsein in der Bevölkerung schärfen könnte, darauf fanden sie beide an diesem Abend keine Lösung.

Sie sprach Rempt auch auf die Ungleichbehandlung der Landwirte innerhalb der europäischen Länder an. In Polen seien beispielsweise Pflanzenschutzmittel zulässig, die in Deutschland verboten seien. Merkel versprach, dass sie sich für einheitliche Standards einsetzen und auch dafür kämpfen würde. Klar äußerte sie sich auch zu den verschärften Düngemittelverordnungen. „Die seien zum aktuellen Zeitpunkt nicht abzuwenden und werden kommen“, zitiert der Landwirt die Kanzlerin. Insgesamt habe sie viel Insider-Wissen gezeigt, sagte René Rempt abschließend. Er sei positiv aus dem Gespräch herausgegangen.

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Von Carolin Riemer

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