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Grimmen Pastoren Mangelware?
Vorpommern Grimmen Pastoren Mangelware?
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09:17 27.02.2019
Die Reinkenhäger Kirche. Diese Gemeinde hat schon seit den 90er-Jahren kein eigenständiges Pfarramt. Quelle: Almut Jaekel
Grimmen

 Verändern, weiterentwickeln und dabei auf das Wesentliche besinnen – das sind für Pastor Fred Burmeister die wichtigsten Aufgaben der Kirche in Vorpommern. Fred Burmeister ist Pastor für die Kirchengemeinden Horst und Reinkenhagen. Bis Mitte September. Dann beginnt offiziell sein Ruhestand. Im vergangenen Jahr beendete bereits Rosi Rabe – zuständig für die Gemeinden Brandshagen und Reinberg, zu der auch Stahlbrode und Kirchdorf gehören, ihre Pastorentätigkeit. Im gesamten Amt Miltzow und einem kleinen Teil Süderholz’ bleibt von den derzeitigen Pastoren Viviane Schulz, die für die fusionierte Gemeinde Elmenhorst/Abtshagen zuständig ist.

Stellen nach halbem Jahr besetzt

„Die übliche Dauer, bis eine Pfarrstelle neu besetzt werden kann, beträgt etwa ein halbes Jahr“, informierten auf Nachfrage Annette Klinkhardt, Pressereferentin in der Bischofskanzlei Greifswald, und Sebastian Kühl, Pressesprecher und Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit im Pommerschen Evangelischen Kirchenkreis. Das liege daran, dass eine Pfarrstelle besondere Rahmenbedingungen erfordert: Da muss die Chemie zwischen Pastor und Gemeinde stimmen, häufig muss sich eine ganze Pfarrfamilie umorientieren samt neuer Schule, Beschäftigungsmöglichkeiten für den Partner oder die Partnerin, manchmal wird eine Übergangszeit auch genutzt, um fällige Renovierungen am Pfarrhaus anzugehen. „Bisher konnten stets so gut wie alle Pfarrstellen in Pommern besetzt werden und das werde sich bis zum Jahr 2023/24 voraussichtlich auch nicht ändern, heißt es aus Greifswald. „Danach werden wir mit den Folgen des verstärkten Ausscheidens von Pastorinnen und Pastoren allerdings umgehen müssen“, antworteten Klinkhardt und Kühl.

Ab morgen tagt die Landessynode der Nordkirche und will unter anderem ein „Strukturanpassungsgesetz“ erarbeiten, dass auch den Zugang zum Pastorenberuf erleichtern soll. Ziel sei es, weiterhin eine flächendeckende Versorgung mit Pastorinnen und Pastoren zu gewährleisten und eine gerechte Verteilung der Pastoren innerhalb der Nordkirche. Dass die Zahl der Pastoren sinke, liege vor allem daran, dass mehr Pastorinnen und Pastoren aufhören, als sich junge Menschen für diesen Beruf entscheiden. Im Kirchenkreis sind es rund 15 Pastorinnen und Pastoren innerhalb der kommenden drei Jahre, die in den Ruhestand gehen. Dabei habe Pommern immer noch innerhalb der Evangelische Kirche in Deutschland die proportional beste Ausstattung mit Pastorinnen und Pastoren. Im PEK kommen auf einen Pastor rund 760 Gemeindeglieder. Dagegen ist beispielsweise in Westfalen eine Pastorin für rund 3 200 Gemeindeglieder zuständig.

Pastor Fred Burmeister: „Unsere Kirche muss sich weiterentwickeln und auf das Wesentliche besinnen.“ Quelle: Peter Schlag

Für Fred Burmeister, der seit 35 Jahren in Horst als Pastor tätig ist, sind die fehlenden jungen Pastoren in der nahen Zukunft nur eine der neuen Bedingungen, die auf die Kirche zukommen. Dazu komme, dass die Gemeinden kleiner werden. 1990 hatte Reinkenhagen beispielsweise 650 Mitglieder, heute sind es noch 288. Junge Leute würden nach der Schule weggehen, kirchliche Traditionen seien über Jahrzehnte während der DDR-Zeit aufgebrochen worden – das alles führe hierzulande zu sinkenden Zahlen. „Zur Fluktuation der Jugend komme die Statik des Alters, denn die Kirchengemeinden werden immer älter“, sagt Burmeister.

Debatte angeschoben

Unter diesen Bedingungen sei es extrem wichtig, sich darauf zu besinnen und genau festzulegen, was ein Pfarrer einer Gemeinde leisten kann und wie das gewährleistet werde. Eine solche Debatte wurde in der Region schon vor etwa einem Jahr begonnen. Taufen und das Evangelium verkünden sieht Burmeister als die grundlegenden Aufgaben eines jeden Pastors. Die Nähe zu den Gemeindemitgliedern müsse bleiben, auch trotz größerer Fläche. Für vieles andere wie Baugeschehen oder Jugendarbeit will er sich auf seine Fachmann-Kollegen innerhalb der Kirche verlassen. „Einige Arbeitsbereiche werden stärker als bisher auf mehr Schultern verteilt werden, Beispiele dafür sind Vertretungspfarrstellen und die Pfarramtsassistenz, die in den Kirchengemeindeverwaltungen den Pastorinnen oder Pastoren Verwaltungsaufgaben abnehmen“, erklären auch Kühl und Klinkhardt. Mitarbeitende, wie in der Region Grimmen zum Beispiel Jugendwart Albrecht Stegen, würden große Einzelbereiche der kirchlichen Arbeit tragen, Pastorinnen und Pastoren konzentrierten sich so stärker auf Amtshandlungen, Seelsorge, Gottesdienst.

Früher haben die Pfarreien das territoriale Aufgabengebiet eines jeden Pfarrers begrenzt. In den vergangenen Jahren gab es schon viele Veränderungen, Reinberg, Reinkenhagen, Abtshagen, zuvor Kirchdorf – sie alle haben schon längst keine eigene Pfarrstelle. Dass solche Entwicklungen nicht besonders gut ankommen, weiß Fred Burmeister: „Als in den 90er-Jahren Reinkenhagen zur Pfarrstelle Horst dazu kam, wurde sogar von einer Übernahme gesprochen.“ Mittlerweile sei das akzeptiert, aber das war ein langer Weg.

Ehrenamtler gefragt

In der Greifswalder Bischofskanzlei und der Kirchenkreisverwaltung ist man sich klar darüber, dass die zukünftig weiter verminderte Zahl der Pfarrstellen Einfluss auf das Gemeindeleben und die Arbeit vor Ort haben wird. So sei das Gemeindeleben schon immer und auch heute sehr stark vom ehrenamtlichen Engagement geprägt und lebe vom Teamwork der hauptamtlichen Mitarbeiterschaft. Die Ausbildung ehrenamtlichen Laienpredigern (Prädikantinnen und Prädikanten) seien beispielsweise eine wichtige Hilfe im Umgang mit sinkenden Pastorenzahlen.

Auch in der Kirchgemeinde Horst ist die Gemeindearbeit ohne Ehrenamtler nicht denkbar. „Wir haben hier 42 Frauen und Männer, die ehrenamtlich tätig sind. Das ist enorm, zumal darunter auch viele mit speziellem Fachwissen sind und ebenso viele, die einfach nur helfen wollen“, sagt Fred Burmeister.

  „Wir hier in Sundhagen, Elmenhorst, Abtshagen und Willerswalde – eben jenem Gebiet, das derzeit stark von ausscheidendem Pastoren betroffen ist, haben früh versucht, positive Entscheidungen für unsere Region herbeizuführen“, sagt Burmeister. Man habe sich zusammengesetzt und beraten, wie es weitergehen soll. 2,25 Vollzeitstellen für Pastoren sollen es für dieses Gebiet werden. Und zwei Pfarrämter, derzeit sind es mit Elmenhorst, Horst und Brandshagen noch drei. Wo diese sein werden, sei noch nicht geklärt.

Almut Jaekel

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