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Grimmen Personalmangel bremst Busse aus
Vorpommern Grimmen Personalmangel bremst Busse aus
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09:09 09.07.2019
Die Verkehrsgesellschaft Vorpommern-Rügen muss aufgrund von Personalengpässen ihre Busse derzeit notgedrungen öfters mal stehen lassen. Quelle: Müller Alexander
Stralsund

Als Landrat Stefan Kerth (SPD) auf der ersten Kreistagssitzung nach der Wahl die Gewählten über die Zukunftsthemen des Kreises informierte, kam er auch auf den Arbeitsmarkt zu sprechen. „Wir werden es hier nicht nur mit Fachkräftemangel zu tun haben, sondern mit richtigem Arbeitskräftemangel.“ Kerth ist nicht für Schwarzmalerei bekannt, was diese Prognose umso bemerkenswerter macht.

Arbeitskräftemangel ist ein schleichender Prozess, die Auswirkungen sind im Alltag eher langsam spürbar. Dass in Restaurants und Geschäften Schilder hängen, auf denen nach (Saison-)Kräften gesucht wird, daran hat man sich ebenso gewöhnt wie an Werbung à la „Werde Teil unseres Teams“ auf Lieferwagen, Polizeiautos oder Plakatwänden, auf denen Call Center um Mitarbeiter buhlen.

Drei neue Kollegen wurden begrüßt, zwei Stellen sind noch offen

Seit einiger Zeit steht auch auf Bussen der Verkehrsgesellschaft Vorpommern-Rügen (VVR) mit Sitz in Grimmen, dass neue Fahrer benötigt werden. „Die Suche nach Personal gestaltet sich derzeit schwierig. Es gibt momentan in der Branche Personalmangel bei Bus und Bahn deutschlandweit, auch die Bahn lässt gerade viele Fahrten ausfallen“, sagt VVR-Pressesprecher Michael Lang. „Wir sind seit letztem Jahr intensiv auf Fahrersuche. Derzeit haben wir nur noch zwei offene Planstellen, in den vergangenen Tagen konnten wir erfreulicherweise drei neuen Kollegen begrüßen.“

Dieser leichten Entspannung war ein Engpass vorangegangen, dem in Stralsund vorübergehend zwei Linien zum Opfer fielen, die das Umland mit der Hansestadt verbinden: die 8 von Schmedshagen über Kedingshagen, Grünhufe, Barther Straße zum Hauptbahnhof, und die Linie 9 vom Hauptbahnhof, Busbahnhof, Teschenhäger Weg, Zarrendorf, Negast, Lüssower Berg zurück zum Hauptbahnhof.

22 Fahrten fielen am Wochenende aus

„Es sind die Linien im Stadtverkehr mit der geringsten Nachfrage. Hier ist abzusehen, dass wir die wenigen Fahrgäste auch mit einem Taxi befördern können“, erklärt Lang. Sollte es erneut zum Personalengpass kommen, wären diese Linien wieder die ersten auf der Streichliste. Beschwerden habe es bislang nicht gegeben. Auch auf Rügen kam es zum Ausfall zahlreicher Fahrten – alleine am Wochenende waren es insgesamt 22 auf den Linien 20, 22 und 23.

Ist es das erste Mal, dass die VVR solcherlei Engpässe verzeichnet? Lang: „So massiv wie dieses Jahr hatten wir es bisher noch nicht.“ Die Situation im Juni sei entstanden, „weil mehr Kollegen krank waren, neue geplante Fahrer noch nicht mit der Ausbildung fertig waren und wir gerade auf Rügen derzeit Hochsaison fahren – also Abendveranstaltungen wie Störtebeker-Festspiele etc.“

Viele Kollegen hätten sich solidarisch gezeigt und Teile der offenen Dienste zusätzlich übernommen. „Auch Mitarbeiter aus der Werkstatt und der Verwaltung sind eingesprungen, um das Maß der Ausfälle so gering wie möglich zu halten“, führt Lang aus. Zurzeit sehe es wieder gut aus.

Ausfallmelder

Um Kunden einen besseren Service zu bieten, hat die Verkehrsgesellschaft Vorpommern-Rügen auf www.vvr-bus.de unter Aktuelles einen Ausfallmelder. Dort sind Informationen zu Fahrplanänderungen sowie Linien- oder Fahrtenstreichungen aufgeführt. Diese sind auf Personalmangel wie etwa am Wochenende auf Rügen zurückzuführen, aber auch auf Baustellen, wie derzeit etwa in Rakow (Gemeinde Süderholz), wo noch bis zum 9. August die Ortsdurchfahrt gesperrt ist und empfohlen wird, dass Fahrgäste auf die Bahn umsteigen sollen.

Blick auf den Ausbildungsmarkt zeigt Tendenz

Wie dramatisch sich die allgemeine Personal-Situation auf dem Arbeitsmarkt entwickeln wird, lassen Zahlen der Stralsunder Arbeitsagentur erahnen. Im Bereich Ausbildung kommen 2018/2019 auf knapp 1500 gemeldete Stellen derzeit nicht mal mehr 1000 Bewerber. 2016/2017 waren es noch 1130 Bewerber für 1330 Stellen.

Für die Region könnte sich das zum entscheidenden Standortnachteil auswachsen: Wenn Firmen neue Ansiedelungen planen, ist die Verfügbarkeit von (ausgebildetem) Personal ein Faktor. Die Arbeitslosigkeit lag im Juni im Landkreis Vorpommern-Rügen bei sieben Prozent. Im Juni 2018 waren es noch 8,2 Prozent. Die Zahl der freien Stellen schwankt, verändert ihr Niveau aber nicht wesentlich. Zurzeit sind 2170 Arbeitsplätze unbesetzt.

Unsicherheit wegen Insolvenz

Eine weitere augenfällige Einschränkung aufgrund von Personalmangel ist aktuell die Teilschließung der Lila-Bäcker-Filiale in der Stralsunder Fußgängerzone – also in bester Lage. Sie für drei Wochen am Nachmittag zu. Allerdings ist der Arbeitskräftemangel wohl auf die Insolvenz und die unsichere Zukunft des Unternehmens zurückzuführen.

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