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Grimmen Pilgerin macht nach 992 Tagen Weltreise halt in Grimmen
Vorpommern Grimmen Pilgerin macht nach 992 Tagen Weltreise halt in Grimmen
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15:05 19.06.2019
Liedermacherin Bea aus Rostock verkaufte ihre Habseligkeiten, selbst von ihrem Nachnamen trennte sie sich. Sie machte auf ihrer Weltreise eine Pause in Grimmen.
Liedermacherin Bea aus Rostock verkaufte ihre Habseligkeiten, selbst von ihrem Nachnamen trennte sie sich. Sie machte auf ihrer Weltreise eine Pause in Grimmen. Quelle: Carolin Riemer
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Grimmen

Mehr als 57 780 Kilometer ist die Rostocker Liedermacherin Bea Schulz in den vergangenen 992 Tagen getrampt. Im Flugzeug überquerte sie Ozeane und Meere – viele Kilometer legte sie zu Fuß zurück und bereiste auf diese Art 53 Länder. Ihr Weg brachte sie quer durch Europa, Asien, Ozeanien, Afrika, Nord-, Mittel- und Südamerika. Nun führte die Pilgerin der Jakobsweg „Via Baltica“ auch durch Grimmen. „Was ich hier erlebt habe. . .“, sagt sie mit einem zufriedenen Lächeln: „Ich nehme nur die schönsten Erinnerungen an die Menschen dieser Stadt mit nach Hause.“ Und von diesen Erinnerungen sammelte Liedermacherin Bea auf ihrer Reise quer über die Kontinente unzählige.

Wohnung, Auto und Habseligkeiten verkauft

Jede Weltreise beginnt mit dem ersten Schritt: Am 1. Oktober 2016 verkauft die Lehrerin für Geschichte und Englisch ihren Garten in Rostock, in dem sie zuvor ein Jahr lang lebte. Von ihrem Job, ihrer Wohnung, ihren Möbeln, ihrem Auto und allen anderen Habseligkeiten trennte sie sich bereits ein Jahr zuvor. „Zuerst ging ich durch ein Tal der Tränen. Man hat sich daran gewöhnt, materielle Dinge zu besitzen. Aber als ich all diesen Ballast los war, fühlte ich mich von Tag zu Tag glücklicher.“ Die Sängerin erfüllt sich ihren lange gehegten Wunsch als ihre Tochter ein Studium anfängt und startet eine sternförmige Weltreise. Sternförmig, weil sie in den knapp drei Jahren, zwischen ihren unkonventionellen Reisen, immer wieder zurück nach Deutschland kommt, um ihre Eltern und Tochter zu treffen.

Übernachten bei fremden Menschen oder am Strand

Ihr erstes Ziel ist Barcelona. Dort startet sie auf dem spanischen Jakobsweg ins Abenteuer. Bea reist seitdem ohne Zelt und ohne Geld durch die Welt. Die Liedermacherin singt für ihren Lebensunterhalt. Und sie singt so schön, dass sie keinen Tag hungern muss. „Ich singe für Liebe und Frieden in der Welt und möchte, dass meine Stimme die Menschen berührt und einen kurzen Moment aus dem Alltag holt.“ Ihr Plan funktioniert. Egal, in welchem Land sie auftaucht, die Menschen kümmern sich um ihren Reisegast. Die Rostockerin findet immer einen Unterschlupf, eine warme Dusche und Gehör bei fremden Menschen – egal, auf welchem Kontinent sie gerade ist. „Ich habe mehr Nächte in Betten geschlafen, als in der freien Natur. Wenn ich draußen schlief, dann meistens am Meer“, sagt sie nun kurz vor dem Ende ihres Abenteuers. Am schönsten findet sie die Erkenntnis, dass es überall auf der Welt freundliche Menschen gebe. „Schlechte Erfahrungen musste ich nie machen.“

In Grimmen traf sie besonders freundliche Menschen

In Grimmen verbringt sie die Nacht in der Pilgerherberge neben der Kirche. Sie lässt vom hiesigen Podologen eine Blase am Fuß behandeln, kauft günstig ein paar Socken und geht zum Friseur. „Damit ich hübsch bin, wenn ich in einer Woche im Rostocker „Trihotel“ von hoffentlich vielen Menschen in Empfang genommen werde.“ Die Grimmener Geschäftsleute geben ihrem ungewöhnlichen Gast Rabatte, und nicht nur das: „Ich durfte drei Stunden lang vor dem Lidl singen. Ich wurde nicht verjagt, sondern die Mitarbeiter haben sich sogar gefreut. Kunden haben mir etwas zu essen gebracht. Alle waren unglaublich freundlich zu mir.“

Enttäuscht vom Müll am Titicacasee

Liedermacherin Bea ist sich sicher: „Wer Gutes tut, dem widerfährt auch Gutes.“ Sie sammelt auf ihren Reisen durch die Welt Müll und ist vor allem von den Menschen in Süd- und Mittelamerika enttäuscht. „Ich habe mich so auf den Titicacasee gefreut, aber als ich dort ankam, bot sich mir ein Bild des Schreckens.“ Während das Wasser des Sees in Südamerika glasklar ist, gleichen die Strände einer Müllhalde. „Ich war erschüttert.“ Sie trifft einen Entschluss: Ihre Lieder wird sie nicht mehr auf CD’s pressen lassen, sondern nur noch im Internet veröffentlichen. „Ich möchte nicht selbst auch noch Müll produzieren, der dann irgendwo in der Umwelt entsorgt wird.“

Nur ein einziges Luxusgut

Auf ihrer Reise begleiten sie nur zwei Rucksäcke, etwa 14 Kilo schwer. Zu Beginn hatte Bea noch eine Gitarre dabei. Aber die sei ihr irgendwann zu schwer und unhandlich geworden und wurde bei einer Freundin abgestellt. Der Besitz der Rostockerin ist schnell aufgezählt: der Inhalt der beiden Rucksäcke, eine Gitarre und zwei Kisten mit Fotos. „Das einzige Luxusgut ist mein iPad, damit ich Kontakt zu meiner Tochter halten kann.“

Am Mittwoch, 27. Juni um 10 Uhr, kommt Bea Schulz auf der Mole in Warnemünde an. Dann ist die Reise zu Ende und die einstige Lehrerin wird sich wieder einen festen Wohnsitz suchen und in Bibliotheken Vorträge über ihre Erlebnisse halten. Dass das „normale Leben“ eine große Umstellung wird, weiß sie schon jetzt. Sie weiß aber auch, dass es nicht ihre letzte Reise gewesen sein wird, denn die Welt kann noch sehr viel mehr Liebe vertragen.

7 Fragen an eine Weltenbummlerin

1. Was haben Sie in Ihren Rucksäcken?

Einen Schlafsack, eine Iso-Matte, Sandalen, Badelatschen, Unterwäsche, ein T-Shirt, eine Skihose, ein iPad und 1000 kleine Botschaften, die mir meine Tochter vor Antritt der Reise schenkte. Für jeden Tag der Reise schrieb sie mir einen kleinen Brief.

2. Was machen Sie wenn Sie Zahnschmerzen bekommen?

Ich habe alle Versicherungen gekündigt, bin also nicht krankenversichert. Als ich eine Zahnwurzelentzündung hatte, wurde ich kostenlos in Bad Segeberg, in der „Praxis ohne Grenzen“ versorgt.

3. Haben Sie auch das geld für die Flugtickets finanziert, indem Sie sangen?

Nicht alles. Ich habe einen guten Freund, der mir für Notfälle und auch für die Tickets Geld borgte. ich habe jetzt 5000 Euro Schulden, die ich ihm schnell zurückzahlen werde.

4. In welchem Land wurden Sie besonders gut aufgenommen?

In Israel.

5. Wo verbrachten Sie die schönste Nacht?

Als ich unter einer Gerichtslinde in Göttingen schlief. An diesem historischen Ort herrschte eine besondere Energie.

6. Wohin soll ihre nächste Reise gehen?

Ich möchte durch Russland trampen. Mir gefällt nicht, wie unsere Politiker mit dem Land umgehen, während Amerika oft so gut dargestellt wird. Ich möchte beweisen, dass man auch dort gefahrenlos reisen kann.

7. Wie kann man ihre Reisen weiter verfolgen – oder ihre Lieder hören?

Im Internet unter www.bea-musik.de.

Carolin Riemer

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