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Grimmen Mit Tarn-Uniform und Adler: Polnische Polizisten in MV auf Streife
Vorpommern Grimmen Mit Tarn-Uniform und Adler: Polnische Polizisten in MV auf Streife
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11:23 30.10.2019
Polnische Grenzpolizisten schnuppern rein in die Arbeit der Stralsunder Bundespolizisten. Milosz Kalinowski (l.) und Tomasz Adamowski schieben Dienst auf dem Stralsunder Bahnhof. Quelle: Ines Sommer
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Stralsund

„Oh, die Polen kommen“, rutscht einem Passanten auf dem Stralsunder Bahnhof raus, als er an den beiden Uniformierten vorbeigeht. Kein Wunder, dass er sie gleich erkannt hat, denn die polnischen Polizisten tragen jede Menge Embleme, und das voller Stolz: vorn die polnische Flagge, auf dem einen Ärmel das Zeichen für die polnisch-deutsche Gruppe in Pomellen, auf dem anderen das Symbol der polnischen Grenzpolizei.

Polnische Grenzpolizisten auf dem Stralsunder Hauptbahnhof. Der Einsatzort ist für sie neu, sie scheiben sonst ausschließlich Dienst in Pomellen. Quelle: Ines Sommer

Und auch so stutzen viele Reisende, wenn sie das polnisch-deutsche Quartett erblicken. „Die Jungs fallen auf mit Tarnhose und entsprechendem Cap“, sagt Daniel Hajduk über die Kollegen aus dem Nachbarland. Der Polizeihauptkommissar leitet die Dienstgruppe 4 und hat schon einige polnische Kollegen in den Schichtplan integriert. „Sie sind für zehn Tage bei uns und schieben Dienst wie unsere Kollegen. Das heißt, sie sind in allen Bereichen unterwegs. Da geht es mal an die Autobahn zur verschärften Kontrolle, aber auch im Seehafen Mukran oder eben auf Bahnhöfen und in Zügen sind sie im Einsatz.“

Möglich wird die gemeinsame Streife durch das Projekt International Security Fund, das von der Europäischen Union gefördert wird. Es führt zwischen November 2018 und April 2020 zu einem regen Austausch zwischen polnischen und deutschen Dienststellen. „In drei Durchgängen kamen so schon sechs polnische Polizisten in die Stralsunder Bundespolizei-Inspektion“, berichtet Polizeihauptmeisterin Uta Bluhm, Verantwortliche für Presse und Öffentlichkeitsarbeit.

Kapral Tomasz Adamowski, auf Deutsch: Polizeiobermeister, hat sich freiwillig zu diesem Experiment gemeldet. „Ich wollte wissen, wie die Arbeit außerhalb des Grenzgebietes läuft. In unserer Dienststelle in Pomellen arbeiten wir täglich mit deutschen Kollegen zusammen. Aber da geht es in erster Linie um Kontrollen von Personen, Pkw, Lastern und Bussen. Auf einem Bahnhof habe ich jetzt zum ersten Mal Dienst gehabt“, erzählt der 27-Jährige. Am meisten Spaß gemacht hat ihm die Kontrolle im Zug. Und auch vom Seehafen Mukran war der junge Mann, erst seit zwei Jahren bei der Polizei, begeistert.

Aus ihrer Arbeit daheim wissen die Polen, dass es nicht immer einfach ist, die „großen Fische“ rauszuziehen. „Wenn da ein Porsche an dir vorbeifährt, hast du keine Chance. Zum Glück haben wir jetzt einen schnellen Skoda bekommen, der fährt bis zu 270 km/h“, sagt Milosz Kalinowski. Der 38-Jährige mit Dienstgrad Sierz.Sztab, was bei uns ein Polizeihauptmeister ist, arbeitet seit 13 Jahren als Polizist.

Kommissar Daniel Kliesow (l.) kontrolliert mit Tomasz Adamowski (M.) den 32-jährigen Ribnitzer Nico Kritschky. Der Bahnmitarbeiter stellte sich als „Trainingsobjekt“ zur Verfügung. Quelle: Ines Sommer

Und auf welche Fahrzeuge können die deutschen Kollegen zurückgreifen? „Wir fahren eigentlich Passat, haben aber auch BMW im Einsatz“, berichtet Hauptmeister Michael Schlupp. Kommissar Daniel Kliesow wirft nicht ohne Stolz ein: „Wir haben aber auch noch einen Hubschrauber...“ Die beiden deutschen Bundespolizisten betreuen gemeinsam das polnische Duo. Es wird viel gelacht und man versteht sich. Was sicherlich auch daran liegt, dass die Polen sehr gut Deutsch sprechen.

So haben sich die vier Männer natürlich auch schon reichlich ausgetauscht. „Die Ausbildung ist ähnlich hart“, sagt einer der Runde. „Na ja, bis auf eine Kleinigkeit“, grient Tomasz Adamowski. „Wir müssen einen Lügendetektor-Test bestehen.“

Das Zeichen der polnischen Grenzpolizei tragen die Männer auf dem Uniform-Ärmel. Quelle: Ines Sommer

„Wer ist denn auf Streife strenger“, fragen wir Tomasz. „Ich glaube, wir Polen“, sagt er nach kurzem Zögern. Aber eins ist bei allen Bundes- oder Grenzpolizisten gleich, findet er. „Wir haben alle einen Blick für Leute, die vielleicht etwas zu verbergen haben.“ Man gucke an der A 20 zum Beispiel, ob das Gesicht zum Auto passt, verrät Tomasz mal grob seinen Trick. Hmm. Welches Gesicht passt denn zu einem Porsche? Als Außenstehender kommt man da nicht mit. Deshalb einigen wir uns darauf: Die Polizisten haben viiiiiel Erfahrung und Gespür und erkennen ihre Pappenheimer.

Während Kommissar Daniel Kliesow auf dem Stralsunder Hauptbahnhof mit Tomas Adamowski zur Tat schreitet und einen Reisenden um seine Papiere bittet, müssen wir von Milos unbedingt wissen, warum die Polen Camouflage-Hosen tragen. „Wir sind viel im Wald unterwegs, da ist das praktischer, weil man den Dreck nicht so sieht“, steht der Familienvater voll und ganz hinter seiner Uniform. Und wer wäscht die, wenn’s denn gar nicht mehr geht? „Ich bin doch verheiratet“, sagt er und grinst sich eins in seinen Vollbart.

Emblem der deutsch-polnischen Dienstgruppe in Pomellen. Quelle: Ines Sommer

Bevor die beiden Männer aus Stettin einen freien Tag in Stralsund genießen, geht’s aber erst zur Weiterbildung und dann ins Hotel. „Schön anständig bleiben“, rufen wir den beiden netten, urigen polnischen Polizisten zu. „Zu spät“, platzt es schlagfertig aus ihnen heraus. Ja, es geht lustig zu beim deutsch-polnischen Polizei-Austausch. Doch im Ernstfall bleiben sie knallhart, betonen alle. Erleben mussten wir das bei unserer Bahnhofs-Stippvisite nicht. War zum Glück kein Hansa-Spieltag.

Deutsch-polnische Polizeiarbeit in Stralsund

International Security Fund heißt ein Projekt, das von der EU gefördert wird. Dabei geht es um die Stärkung der deutsch-polnischen Dienststellen. Dazu werden insgesamt 36 Polizisten, 18 aus jedem Land, von November 2018 bis April 2020 in Erfahrungsaustausch treten, und zwar im jeweiligen Nachbarland.

Die Bundespolizei-Inspektion(BPI) Stralsund betreute bisher sechs polnische Kollegen, darunter zwei Frauen. Die Duos aus Polen bleiben jeweils zehn Tage und sind in den Dienstplan der jeweiligen Dienstgruppe integriert.

Kontrollenauf der A 20 gehören ebenso zum Alltag der BPI wie Kontrollen im Seehafen Mukran oder in Zügen der Deutschen Bahn oder eben auf Bahnhöfen, und das von Sassnitz bis Neustrelitz, Malchow und Altheide.

Die BPI Stralsund ist eine von fünf Inspektionen in der Direktion Bad Bramstedt und hat 200 Mitarbeiter. Stralsund ist mit zwei Revieren in Mukran und Neubrandenburg zuständig für eine Fläche von rund 9000 Quadratkilometern und 500 000 Einwohner.

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