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Grimmen Pommernjungs gedenken der alten Heimat
Vorpommern Grimmen Pommernjungs gedenken der alten Heimat
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01:22 03.07.2015
Ursula und Günter Graumann (5./6. v.l.) initiierten einst das Heimatreffen der Grünfierer. Gestern sagten sie „Auf Wiedersehen!“. Quelle: Petra Hase
Grimmen

Die Runde ist klein geworden. Gerade mal fünf Pommernjungs aus Grünfier im ehemaligen Netzekreis (heutige Wojewodschaft Großpolen) wagten mit ihren Frauen noch einmal die Anreise zum diesjährigen Heimattreffen der alten Freunde aus Kindheitstagen. Das 13. seiner Art, das Günter Graumann aus Grimmen vor Jahren ins Leben rief. „Das große Vertriebenentreffen in Husum gab dazu den Anstoß“, sagt der heute 83-Jährige. Tausende kamen dort Anfang der 1990er Jahre zusammen, um Erinnerungen auszutauschen. Die wenigsten kannten einander, weshalb sich die Grünfierer fortan im kleinen Kreis von rund 25 Teilnehmern zu einem Sommerwochenende trafen.

Manfred Warnke (79) war mit seiner Frau Maria immer dabei. Und auch jetzt scheute das Paar aus Wolfenbüttel nicht den Weg nach Wandlitz, wo sich die Pommernjungs am Sonntag in den Armen lagen. „Die Sehnsucht nach der Heimat hat mich all die Jahre nicht losgelassen“, sagt Warnke. Doch zu DDR-Zeiten hätte es zu große Hürden gegeben, nach Polen einzureisen. „So kam ich erst 1992 wieder nach Grünfier“, erzählt der gelernte Klavierbauer. Die neuerliche Begegnung mit einem Polen, der ihm vor Jahrzehnten beim Verlassen des Dorfes ein Taschenmesser schenkte, hat Warnke stark bewegt. Seither besuchte er seine Heimat jedes Jahr aufs Neue und ist gerade wieder dorthin unterwegs Es war der 26. Januar 1945, als Grünfier den Treckbefehl erhielt. „Die ganze Dorfgemeinschaft machte sich mit rund 40 Fuhrwerken auf den Weg“, erzählt Günter Graumann. Doch nach etwa 60 Kilometern wurden die Flüchtlinge von russischen Panzern eingeholt und wieder nach Hause geschickt. In der Zwischenzeit hatten allerdings schon polnische Familien die Häuser in Besitz genommen, die ebenfalls aus ihrer Heimat vertrieben wurden. Die Deutschen mussten sich fügen, zogen zumeist aufs Altenteil. „Vom Hab und Gut, das wir auf den Treck mitnahmen, war kaum noch etwas übrig“, berichtet Wilhelm Steinke (80) aus Lilienthal bei Bremen. Er war neun Jahre alt, als seine Familie Fässer mit Pökelfleisch, Hafer für die Pferde und anderes mehr auf den Wagen auflud. Eine Odyssee mit schlimmen Erlebnissen, die sich ins Gedächtnis der Menschen einbrannten.

Auch die Monate bis zum erneuten Aufbruch wird keiner bis an sein Lebensende vergessen. Väter wurden erschossen, Mütter und Tanten vergewaltigt, ungewollte Halbgeschwister geboren, Brüder und Schwestern starben an Diphtherie... Die ersten Grünfierer verließen ihr Dorf im Herbst 1945, die letzten Ende 1946. Die Ereignisse verstreuten sie in alle Himmelsrichtungen. Hugo Rausch (80) etwa wurde in Bohmte bei Osnabrück ansässig, lebt heute mit seiner Erika in Lüneburg. Hans-Diedrich Krüger (83) hat es nach Lommatzsch nahe Meißen verschlagen. Ob sich die Fünf 2016 noch einmal wiedersehen? Der Wille ist da.



ph

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