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Grimmen 150 Jahre Damm nach Jasmund
Vorpommern Grimmen 150 Jahre Damm nach Jasmund
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15:17 28.06.2019
Das Dorf Lietzow mit dem vor 150 Jahren entstandenen Damm, der den Inselkern und die Halbinsel Jasmund für den Verkehr auf Straße und Schiene miteinander verbindet. Quelle: Repro Andre Farin
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Lietzow

Keine Chance! Der Protest der Lietzower Fischer vor 150 Jahren führte nicht zu dem gewünschten Ergebnis. Am 27. Mai 1869 gab Rügens Landratsamt die Chaussee zwischen Bergen und Lietzow „für sämtlichen Verkehr, einschließlich mit Wagen frei.“ Anstelle der Lietzower Fähre konnte der Verkehr nun über den fertiggestellten Damm geführt werden. Über dessen Sinn stritten sich damals die Rüganer.

Dessen Befürworter hatten sich aus verschiedenen Gründen durchsetzen können. Bergens Geschäftsleute beispielsweise brachten bereits 1857 eine Idee für den Chausseebau im Magistrat ihrer Stadt zur Sprache. Sie führten an, dass sich mit der neuen Straße der Weg von Bergen nach Sagard verkürzen würde. Die Wartezeit von Schiffen und Fahrzeugen an der Lietzower Fähre wegen unterschiedlich hoher Wasserstände würde wegfallen. Außerdem könnte der Damm den Schiffern an der südlichen Seite der Brücke mehr Schutz bieten.

Die Fischer sprachen sich gegen einen massiven Eingriff in die Natur aus. Der Bau eines Dammes zwischen dem Großen und Kleinen Jasmunder Bodden hätte nach ihrer Meinung verschiedene ungünstige Folgen gehabt. Sie verwiesen auf die mögliche Verlandung des Kleinen Jasmunder Boddens. Dieser war sehr fischreich und zugleich ein wichtiger Schifffahrtsweg zum Hafen Bootsstelle bei Bergen. Hierher transportierte man unter anderem die Heizmaterialien für die Stadt. Den Protesten schlossen sich Landbesitzer an, deren Ackerstücke nach Fertigstellung der ganzen Straße in zwei Teile zerfielen.

Der Kreistag beschäftigte sich mit allen Anliegen und beschloss im Herbst 1867 den Bau der neuen Chaussee mit dem Lietzower Damm. Von den Gesamtkosten von über 290 000 Talern entfielen auf den Dammbau 20.000 Taler. Von der Königlichen Regierung gab es einen Zuschuss von 8 000 Talern pro Meile. Die Verwaltung des Regierungsbezirkes Stralsund verwirklichte damit ein von den Kommunalständen beschlossenes Ziel: Sie trieben die Entwicklung von Chausseebauten für das „materielle Wohl der Provinz“ als „wichtigste Schöpfung“ entscheidend voran. Um die Baukosten aufbringen zu können, legte die Verwaltung des Landkreises eine Anleihe von 4,5 Prozent auf.  

Für die Planung und Ausführung der gesamten Chausseeanlage war der Königliche Baumeister Gustav Meinhoff aus dem niederschlesischen Sagan (heute Zagan in Polen – d. A.) verantwortlich. Er hatte den 700 Meter langen Damm an der alten Lietzower Fähre in Höhe und Breite so konstruiert, dass er vor Hochwasser geschützt war und ohne Verbreiterung die neue Bahnlinie ab 1891 aufnehmen konnte. In einer relativ kurzen Bauzeit wurde der Damm von beiden Seiten aus aufgeschüttet, die Straße angelegt und ca. 3.000 Quadratmeter Pflastersteine verbaut. Zu den öffentlich ausgeschriebenen Baumaterialien gehörten auch 15.000 Quadratmeter gesprengte Feldsteine und 6.000 Waldfaschinen und Faschinenpfähle.

Die Kreisverwaltung achtete auf den Abfluss bzw. Wasseraustausch des Kleinen Jasmunder Boddens und ließ eine Kammerschleuse einbauen. Die beiden ursprünglich vorhandenen Zugbrücken wurden später durch Drehbrücken ersetzt. Für das Nadelwehr baute man eine zweitorige Flutschleuse ein. Durch diese konnten, so berichtet es Wolfgang Rudolph in seinem Buch „Insel der Schiffer“, bis Anfang der 1930er Jahre Boote bis nach Pulitz, Streu und zur Bergener Bootsstelle fahren.

 

Der Lietzower Damm um 1925 mit Blick auf die Privatvilla „Klein Lichtenstein“. Die abgebildeten Alleebäume fielen dem harten Winter 1928/1929 zum Opfer Quelle: Repro André Farin

André Farin

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