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Grimmen Rüganer verkauft sein Auto für schwerkrankes Mädchen (8), das er gar nicht kennt
Vorpommern Grimmen Rüganer verkauft sein Auto für schwerkrankes Mädchen (8), das er gar nicht kennt
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17:49 18.07.2019
Peggy Haak, Prokuristin im Younior-Hotel Stralsund und Alexander Hauke mit seinem Auto, das er verkaufen will, um der kleinen Chayenne zu helfen. Quelle: Almut Jaekel
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Stralsund/Bremerhagen

 „Wir wollen Chayenne helfen, mobil zu werden.“ Darin sind sich Alexander Hauke von der Insel Rügen und die Mitarbeiter des Younior-Hotels in Stralsund einig. Mit im Boot ist auch die Reitherapeutin Christiane Fischer aus Bremerhagen, bei der das schwerstbehinderte achtjährige Kind regelmäßig in der Reittherapie ist.

Strahlende Augen bei der Reittherapie

Cayenne war bis zum Herbst 2016 – bis zu ihrem sechsten Lebensjahr – ein gesundes aufgewecktes Mädchen. Dann erkrankte sie plötzlich, lag im Koma, wurde beatmet, die Nieren versagte, der ganze kleine Körper war vergiftet. Wochenlang kämpfte Chayenne ums Überleben. Jetzt kann sie nicht mehr laufen, nicht sprechen, sich kaum bewegen. Sie ist ein Schwerstpflegefall. Aber sie lebt. Und oft hat sie Freude daran: Sie fährt gern Auto, geht gern in ihre spezielle Schule. Und wenn sie die Reittherapie von Christiane Fischer in Bremerhagen besucht, strahlen ihre Augen. Wenn die Pferde ganz nah an ihren Rollstuhl herankommen, schnuppern und sie mit den Tasthaaren am Maul streicheln, dann lacht sie, gluckst vor Fröhlichkeit.

Die achtjährige, schwerstkranke Chayenne genießt den Kontakt mit den Pferden in Bremerhagen.

Rollstuhl passt nicht in Opas kleines Auto

Glücklich ist dann auch ihre Mutter Doreen Zimmermann, vergisst für ein paar Minuten die alltäglichen Sorgen. Zum Beispiel den Rollstuhl, mit dem sie sich zur Reittherapie aufmachen. Über unwegsames Gelände wie eine Pferdekoppel lässt sich dieser zusammenklappbare Rollstuhl kaum schieben, das Mädchen, das sich schlecht aus eigener Kraft aufrecht halten kann, sitzt darin nicht optimal. Chayennes richtiger und extra angepasster Rollstuhl passt aber nicht in den kleinen Pkw des Opas, Harry Zimmermann. Er oder seine Frau sind nämlich der Fahrdienst für Tochter und Enkeltochter.

Doreen Zimmermann ist mit Chayenne aus Hamburg, wo das Mädchen erkrankte, wieder in ihre Heimatstadt Stralsund zurückgezogen – vor allem wegen der Hilfe durch ihre Familie vor Ort. In Hamburg hatte sich Chayenne am sogenannten HUS-Keim, einem hochaggressiven Keim, der den Körper des kleinen Mädchens plötzlich angriff, angesteckt. Wie und wodurch weiß niemand. Doreen Zimmermann ist alleinerziehend, hat selbst kein Auto. Arbeiten kann sie nicht mehr, die Versorgung und Betreuung ihrer Tochter ist ein Vollzeitjob. Finanziell ist ein behindertengerechtes Fahrzeug mit Rampe deshalb aus eigener Kraft für sie nicht drin.

Hus-Keim

Bekannt geworden ist der HUS-Keim durch die 2011 ausgebrochene HUS-Epidemie. Nahezu alle betroffenen Personen lebten in Norddeutschland.

Als Ursache wurde EHEC angenommen, ein krankheitsauslösender Stamm des Darmbakteriums Escherichia coli.

Der Erreger wird überwiegend durch kontaminierte Lebensmittel aufgenommen.

Es kommt zur Einschränkung der Nierenfunktion bis hin zum kompletten Nierenversagen, zu Gerinnungsstörungen, auch die Versorgung anderer Organe ist oft eingeschränkt.

Das Zentralnervensystem wird beeinträchtigt, und es können neurologische Störungen bis hin zu epileptischen Krampfanfällen folgen.

Die schweren Verlaufsformen können durch ein Multiorganversagen zum Tod führen.

Selliner will sein Cabrio für Chayenne verkaufen

Alexander Hauke aus Sellin auf Rügen las die traurige Geschichte der kleinen Chayenne und davon, wie sie in der Reittherapie auflebt, in der OSTSEE-ZEITUNG. „Da muss man einfach helfen“, meldete er sich in der Redaktion. Er will sein Auto, einen Peugeot 206 Cabrio zur Verfügung stellen. Alexander Hauke möchte das Fahrzeug (63000 Kilometer) verkaufen und aus dem Erlös soll Chayenne ein Auto bekommen, mit dem sie sicher und behindertengerecht transportiert werden kann. Wer also schon immer auf der Suche nach einem schicken Cabrio war – hier ist die Gelegenheit! (Kontakt über das Younior-Hotel, Telefon: 03831/278299) „Ich werde dann wohl erstmal den öffentlichen Nahverkehr auf Rügen nutzen“, sagt der 59-Jährige.

Younior-Hotel sucht ein geeignetes Auto

Mit im Boot sind die 15 Mitarbeiter des Younior-Hotels in Stralsund. Dort war Cayennes Opa, Harry Zimmermann, jahrelang angestellt, arbeitet auch heute als Rentner noch zweimal in der Woche dort. Gemeinsam mit dem Opa haben sie herausgefunden, dass wahrscheinlich ein VW Caddy am besten als behindertengerechtes Fahrzeug geeignet ist. „Wir brauchen hier niemand überreden, sich für die Familie einzusetzen“, sagen Geschäftsführer Maik Heuer und Prokuristin Peggy Haak. Die Zimmermanns seien solch eine liebe, bodenständige Familie und mussten leider schon mehrere Schicksalsschläge hinnehmen, erzählen sie.

Die Mobilität der kleinen Chayenne liegt deshalb auch ihnen am Herzen. Zahlreiche Telefonate nach einem geeigneten Fahrzeug wurden schon aus dem Hotel geführt – bisher leider noch nicht mit Erfolg. Deshalb hoffen sie genauso wie Alexander Hauke, der ursprünglich aus Düsseldorf stammt, und seit etwa eineinhalb Jahren als Rentner auf Rügen lebt, dass sich schnell etwas findet und auch finanziert werden kann. Denn sie alle hoffen, dass Chayenne mobiler wird und mit Hilfe von Therapien und Erlebnisse kleine Fortschritte macht, dass ihr leben so noch etwas lebenswerter wird.

Schicksale und Spender aus MV

980 Menschen hatten sich im Mai 2019 in Schönberg bei der Typisierungsaktion für den an Blutkrebs erkrankten Sebastian registrieren lassen. Außerdem wurden mehr als 10 000 Euro gespendet.

Toni Prodühl aus Grimmen spendete sein Knochenmark und hat damit die kleine Emma (4) aus Kalifornien vor dem Tod bewahrt. Für das Mädchen und ihre Familie ist der Spender ein Held.

Der 26-jährige Feuerwehrmann Daniel A. ist an Leukämie erkrankt. Seine Kameraden organisierten im Januar 2019 eine Typisierungskampagne für potenzielle Stammzellenspender.

Trotz Stammzellenspende: Die Prerower Frauenärztin Inka Horn ist gestorben. Eine Nachricht, die im Oktober 2018 für große Betroffenheit sorgt.

Kevin aus Leyerhof bei Grimmen hatte bis zum Schluss gekämpft. Er wollte nicht gehen. Doch der Sechsjährige hat im September 2018 den monatelangen Kampf gegen die Leukämie verloren. Oder wie es seine Mama Jana Schukies sagt: „Er ist am Mittwochmorgen auf der Regenbogenbrücke abgeholt worden.“

Die Laura Senst konnte mit einer Stammzellenspende einem Menschen helfen. Sie ist glücklich, sagt die 29-Jährige, dass sie diese Erfahrung machen durfte.

Ein Jahr lang kämpfte die 15-jährige Christiane aus Wolgast gegen einen Hirntumor, den sie im Sommer 2018 letztlich verlor. Die Redakteurin Cornelia Meerkatz begleitete das Mädchen. Der gemeinsame Weg endete in einer langen, letzten Umarmung.

Almut Jaekel

In Kaschow gibt es nun eine Bar: An fünf Tagen in der Woche kann man dort die verschiedensten hochwertigen Spirituosen genießen. Bar-Tender Ralf Grünberg (30) hat unter anderem 40 Cocktail-Kreationen im Repertoire.

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Die zweite Anmeldephase endet am 28. Juli. Schon jetzt haben sich mehr als 2300 Sportler für das größte Sportereignis im Land entschieden. Das sind rund 500 mehr als im vergangen Jahr.

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