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Grimmen SPD fordert „Stolpersteine“ für Grimmen
Vorpommern Grimmen SPD fordert „Stolpersteine“ für Grimmen
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12:42 28.08.2019
Yasmin Jegerlehner und Max Schade, Schüler des Gymnasiums, setzen sich für die Stolpersteine ein und bereiteten eine Ausstellung vor. Quelle: Almut Jaekel
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Grimmen

Wenn sich die Grimmener Stadtvertreter am heutigen Donnerstag um 18.30 Uhr zur Sitzung im Rathaus treffen, steht das Thema „Stolpersteine“ zum wiederholten Mal auf ihrer Tagesordnung. Der Weg, Teil des größten dezentralen Mahnmals der Welt zu werden, scheint steinig und hart. Nun bringt Mario Bauch (SPD) den Stein ein weiteres Mal ins Rollen. Seine Fraktion stellt einen Antrag, der die Abgeordneten auffordert, die Stolpersteine noch bis zum Ende dieses Jahres zu verlegen. Kosten entstehen der Stadt dadurch nicht. Durch Patenschaften und Spenden werden die kleinen Gedenktafeln finanziert, die vor Wohnhäusern deportierter Juden in den Bürgersteig eingelassen werden und an sie erinnern sollen.

„Es wirkt, als blockiere die Stadt das Projekt“

Mario Bauch ist neu in der Stadtvertretung Grimmen. Zuvor arbeitete er als Fraktionsvorsitzender im Kreistag. „Ich wurde immer wieder angeschrieben und angesprochen und sollte erklären, warum es in Grimmen keine Stolpersteine gibt“, sagt der 47-jährige Rechtsanwalt. Die Antwort fiel ihm schwer. „Es ist nur eine Vermutung, aber ich könnte mir vorstellen, dass die Stadtvertreter Angst haben, dass sich jemand an den kleinen Mahnmalen vergeht und es dann negative Schlagzeilen gibt.“ Für ihn sei das unverständlich. „Denn nachdem die OSTSEE-ZEITUNG und der NDR über das Prozedere berichtet haben, steht Grimmen auch schlecht da. Es wirkt, als blockiere die Stadt die Errichtung der Gedenkstätten. Das sendet ein ganz schlechtes Bild nach außen.“

Vor allem, weil die Fraktion Die Linke bereits den gleichen Antrag stellte, auf die Stolpersteine bestand, und die Abstimmung der Stadtvertreter zugunsten der Befürworter ausfiel. Im Juli 2017 stimmten neun Abgeordnete für die Stolpersteine. Zwei enthielten sich bei der Abstimmung. Trotzdem gefasstem Beschluss, ist in den vergangenen zwei Jahren nichts passiert. Jedenfalls im Rathaus nicht.

Keine Stolpersteine? Das könnte junge Mediziner abschrecken, die Grimmen dringend braucht

Ende März reichte die „Initiative Stolpersteine“ einen Antrag in der Stadtverwaltung ein, um das Projekt der drei Stolpersteine vor dem Haus in der Langen Straße 1 umzusetzen. Dort lebten Edith Wolff, Vera Davidson und Bärbel Helena Davidson bis 1940, bevor sie von den Nationalsozialisten aus der Stadt vertrieben und grausam umgebracht wurden. Der Antrag wurde ans Bauamt weiter geleitet – dort verlieren sich die Spuren.

Auch die Gymnasiasten der Stadt wurden aktiv. Sie beschäftigten sich in einer Projektwoche mit dem jüdischen Leben in Grimmen und stellten eine Ausstellung zusammen. Für Mario Bauch sind das alles Gründe, noch einmal auf die Dringlichkeit hinzuweisen. „Die Stadtvertreter würden so auch zeigen, dass sie sich für ihre Bürger interessieren und ihnen das Schicksal der jüdischen Mitbürger nicht egal ist.“ Außerdem bringt Bauch noch einen weiteren wichtigen Punkt zur Sprache: „Wir müssen für unsere Stadt unbedingt junge Ärzte gewinnen und an Universitäten um sie werben.“ Erfahre ein junger Mediziner, der bislang in einer weltoffenen Studentenstadt lebte, dass in Grimmen die Diskussionen um die Stolpersteine seit Jahren andauern, könne das abschreckend wirken. „Die Außenwirkung sollte nicht unterschätzt werden“, findet er.

Gymnasiasten befragten Einwohner der Stadt – mit einem eindeutigen Ergebnis

In der Vergangenheit wurden immer wieder Stimmen laut, dass die Stadt bereits genügend Denkmale besitze. Unter anderem einen Gedenkstein auf dem einstigen jüdischen Friedhof. Doch der erinnert lediglich an die Juden, die in Grimmen auf einem natürlichen Weg starben und nicht an die Opfer des Faschismus.

Eine Umfrage der Gymnasiasten habe ergeben, dass sich die Mehrheit der Bevölkerung für die Stolpersteine aussprach. Diejenigen, die sich dagegen entschieden, begründeten ihre Meinung damit, nicht genug zum Thema zu wissen oder damit, dass die Stolpersteine eine Gefahr für ältere Menschen seien. Die Schüler klärten die Unwissenden auf, dass niemand über die Stolpersteine stolpern könne, weil sie glatt in das bestehende Pflaster eingelassen werden.

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Von Carolin Riemer

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