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Grimmen „Spökenkieken“ auf Wittow
Vorpommern Grimmen „Spökenkieken“ auf Wittow
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00:00 27.11.2017
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Rügen

„Ein breiter, fahl leuchtender Streif lag, unendlich sanft gewunden, die Küste vor ihnen. Die flachen Rücken duckten sich unter dem siegenden Blau des Himmels, in dem ein paar Möwen hingen, schossen, hingen, und aus dem Winkel der Bucht zog das rostrote Segel eines Fischerbootes auf die See hinaus.“

Wittows Steilufer imponierte dem Schriftsteller Fallada. Quelle: André Farin

Diese treffende Naturempfindung ist eine von den vielen Landschaftsbeschreibungen der Halbinsel Wittow (Rügen), die der deutsche Schriftsteller Hans Fallada (1893-1947) in seinem eher unbekannten zweiten Roman „Anton und Gerda“ aus dem Jahr 1923 formulierte. Sein Todestag jährte sich 2017 zum 70. Mal und eignet sich als Anlass, auf seine Beziehungen zur Insel Rügen zu blicken.

Das expressionistische Stück, das Fallada im Alter von 30 Jahren schrieb, berichtet von dem Fluchtversuch eines jungen Mannes mit einer Prostituierten aufs Land. Die Flucht endet mit der Einweisung des Helden in ein Irrenhaus. So unbeachtet dieses Werk auch blieb, zeichnete sich in ihm schon deutlich ein Motiv der späteren Romane Falladas ab: Die Flucht aus der Stadt in eine einsame und landschaftlich schöne Gegend. Fallada entdeckte diesen Ort auf Rügen, wo er zwei weitere Erzählungen ansiedelte.

Gegen Ende des Jahres 1920 besuchte Fallada den Landwirt Johannes Kagelmacher in Gudderitz auf Wittow, den er einige Jahre zuvor in Leipzig kennengelernt hatte. Kagelmacher, der zu der Zeit das kleine Gut Strellin im Kreis Greifswald bewirtschaftete, führte dem Angestellten der Stettiner Wirtschaftskammer Fallada Saatgut auf seine Anerkennungsfähigkeit hin vor.

Beide durchlebten eine unternehmungsfreudige Zeit und wurden enge Freunde, die nicht nur das „Spökenkieken“ (Sternendeuterei) verband. Kagelmacher, der den Hof der Eltern in Gudderitz geerbt hatte, stellte Fallada als Rechnungsprüfer an. Für einige Monate, in den sich der vom Morphium geschwächte junge Schriftsteller unendlich wohl fühlte, erlebte er die Halbinsel und sog die Eigenarten von Landschaft und Menschen ein. Kagelmacher stellte seinem Freund als Ausgleich zum Morphium Alkohol zur Verfügung, erarbeitete viele Horoskope und verhalf dem sich ständig in Geldnöten Befindenden mit falschen Papieren zu Anstellungen auf verschiedenen Gütern.

Zwischen 1921 und 1923 schrieb Fallada „Anton und Gerda“, worin er zuerst all die erfahrenen Eindrücke seiner Wittower Zeit verarbeitete. So ließ er die zwei Verliebten die Halbinsel durchstreifen und notierte: „Dieses Hochland, das eine warme und ausgetrocknete Luft ihnen so nahe brachte, ( ) schien ihnen friedlich und von einer unbekannten stillen Schönheit.“ (Wird fortgesetzt.)

André Farin

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