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Grimmen Abgefahren! Der Hexenkessel brodelt
Vorpommern Grimmen Abgefahren! Der Hexenkessel brodelt
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20:02 31.08.2019
Die Trabanten machten ihrem Spitznamen "Rennpappe" beim letzten Stockcar-Rennen der Saison alle Ehre. Quelle: Carolin Riemer
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Grimmen

Motoren heulen, Auspuffe qualmen, die Bahn im Hexenkessel liegt unter einem Staubnebel und irgendwo rollt ein verlorener Reifen über den Sand. Die Zuschauer nehmen das Spektakel gelassen und sitzen gemütlich unter ihrem Sonnenschutz. Seit 27 Jahren finden die spektakulärsten Rennen der Stockcar-Szene in Grimmen statt. Da werden nur noch mehrfache Überschläge und die heftigsten Karambolagen mit einem „Oh“ und einem „Ah“ quittiert.

Ein Moderator namens Schnackenberg

320 Fahrzeuge sind zum letzten Rennwochenende der Saison gemeldet. Am Sonnabend kämpfen sie um den Einzug ins Finale, denn nur die Schnellsten qualifizieren sich für den Kesselcup am Sonntagmittag. „Dann geht es richtig heftig zu. Dann sind Mensch und Maschine am Limit“, sagt Moderator Ulf Schnackenberg, der in der Nähe von Bremerhaven lebt. Der 47-Jährige schnackt an diesem Wochenende vermutlich eine Million Worte durch das Mikrofon und kommentiert die Rennen höchst professionell. Seit 25 Jahren kommt der leidenschaftliche Rennsport-Moderator auch nach Grimmen. „Ich war schon überall: Deutschland, Schweiz, Österreich, Luxemburg – aber so viel Action wie in Grimmen, gibt es nirgendwo. Überschläge, bei denen die Autos sich sechs, oder acht Mal überschlagen, kommen öfter vor.“ Schnackenberg ist kein Künstlername. Der Mann mit dem Mikro heißt wirklich so.

Abgefahren!

Bunte Autos mit 350 PS unter der Haube

„Abgefahren, das ist die Königsklasse!“, ruft Schnackenberg durchs Mikro und erklärt, dass sich gerade die schnellsten Stockcars das Rennen liefern: „Die haben die meiste Motorleistung, nach oben sind keine Grenzen gesetzt.“ Und so haben die kleinen bunten Autos auch schon mal bis zu 350 PS unter der Haube. Während sie über die Piste preschen, geht es hinter den Kulissen des letzten Rennwochenendes der Saison eher entspannt zu.

Lina verrät Papas Geheimnisse

Martin Meyer (35) hat in den vergangenen 15 Jahren so viele Pokale bei den Rennen eingefahren, dass seine Frau ihm verboten hat, noch mehr Trophäen mit nach Hause zu bringen. „Mein Kleiderschrank war auch schon voll“, bestätigt seine Tochter Lina (6). Aber das möchte der Papa eigentlich gar nicht öffentlich machen. „Das sieht angeberisch aus“, sagt er bescheiden. Zusammen mit seinem Zwillingsbruder Mathias aus dem „P.&E. Racing-Team“ aus Grün-Kordshagen hat er sich einen Namen in der Szene gemacht. „Manche Pokale von Papa liegen in Bananenkartons, weil die Regale voll waren“, erzählt das Mädchen, bevor ihr Vater dazwischen reden kann.

. . . und noch mehr Geheimnisse

Für Familie Meyer sind die Rennen irgendwie auch Urlaub vom Alltag. Mit zwei Wohnwagen reisten sie am Freitag an. Dann kontrollierte die Rennleitung die Autos des Teams. „Eine super Sache. Sicherheit wird in Grimmen großgeschrieben“, sagt Martin Meyer. Im vergangenen Jahr wurde er Zweiter beim Kesselcup. Insgesamt besitze er wohl etwa 90 Pokale, gibt er zähneknirschend zu. „Aber darum geht’s gar nicht. Es ist die Leidenschaft für den Motorsport.“ Dann verrät Tochter Lina noch ein Geheimnis: „Papa hat zwei Glücksbringer in seinem Auto. Einen alten Nuckel von Greta und ein Foto von mir.“ Greta ist die zweijährige Tochter des Stockcar-Liebhabers. Seinen Lebensunterhalt verdient er als Berufskraftfahrer.

Jetzt verrät auch der Papa etwas

Auch sein Zwillingsbruder Mathias Meyer ist höchst erfolgreich im Rennsport. „Er ist mein größter Konkurrent“, gibt Martin lachend zu. Für den Kesselcup hat er sich in zwei Klassen qualifiziert. Werkzeuge, Ersatzteile – das Team hat alles dabei, um ein gesamtes Auto vor Ort zu zerlegen. Etwa 2000 Euro hat er in sein zerbeultes vier Jahres altes Fahrzeug gesteckt. Im Winter möchte er ein neues bauen. Einen Geheimtipp verrät er: „Wir verbauen Vergaser von Motorrädern in unseren Autos. Das haben schon einige andere Teams kopiert, aber wir haben noch andere geheime Tricks auf Lager.“ Lina überlegt kurz. Aber dieses Geheimnis behält das Mädchen dann doch lieber für sich.

Lesen Sie mehr:

Das ist am 31. August und 1. September los im Grimmener Hexenkessel

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Von Carolin Riemer

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