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Grimmen Rapsanbau steht kurz vor dem Kollaps
Vorpommern Grimmen Rapsanbau steht kurz vor dem Kollaps
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Landwirt René Rempt aus Stoltenhagen in einem Rapsfeld. Quelle: Carolin Riemer
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Stoltenhagen

Für Touristen sind sie beliebte Fotomotive, für Umweltschützer eine Sünde und vielen Landwirten, in und um Grimmen, sichert ihr Anbau die Existenz – Rapsfelder. Die OSTSEE-ZEITUNG sprach mit Landwirt und Agrarscout René Rempt aus Stoltenhagen über Vorurteile durch mangelndes Wissen und was die neuen Gesetze für Landwirte bedeuten.

Was ärgert Sie am meisten?

René Rempt: Dass der Rapsanbau zu Unrecht einen so schlechten Ruf bekommen hat. Dabei ist es eine sehr effiziente Kohlpflanze, die im Vergleich zu anderen wenig Dünger benötigt. Immer mehr Pflanzenschutzmittel werden verboten und damit steht der Anbau von Raps kurz vor dem Kollaps. Er reagiert nämlich sehr anfällig auf Krankheiten wie Kohlhernie und Schädlinge wie den Rapserdfloh, die Kleine Kohlfliege und die Kohlschoten-Mücke. Ohne Pflanzenschutz geht es also nicht. Aber ein guter Landwirt lebt von und mit der Natur und würde nicht mehr Schutzmittel einsetzen als nötig ist – das sind ja auch Kosten für den Landwirt.

Was sagen Sie Kritikern, die die Artenvielfalt in Gefahr sehen und das Insektensterben auf den übermäßigen Einsatz von Insektiziden schieben?

Rempt: Meine Kollegen und ich spritzen die Felder nicht nachts, weil wir so gern in der Nacht arbeiten oder etwas zu verbergen haben, sondern weil wir damit Insekten, wie Bienen & Co, schützen. Die sind nämlich nicht nachtaktiv und die Insektizide haben keine große Dauerwirkung. Nicht umsonst finden wir immer mehr Feldhasen und Feldlerchen auf unseren Äckern. Wir Bauern arbeiten nicht, um die Artenvielfalt zu sichern, sondern um hochwertige Lebensmittel zu produzieren. Wir müssen auf kleinen Gesamtflächen immer intensiver produzieren, denn Naturschutzgebiete sind auf dem Vormarsch und entstehen oft auf einstigen Ackerflächen. Alle Menschen wollen und müssen sich ernähren. Der Verbrauch steigt, nur die Produktion wird durch immer mehr Verbote gesenkt. Das ist nicht zu Ende gedacht und wird zum Problem.

Sie sind nicht dafür da, die Artenvielfalt zu sichern? Das klingt sehr hart.

Rempt: Es ist nicht unsere wichtigste Aufgabe, aber trotzdem tun wir auch für den Insektenschutz viel: Wir richten zum Beispiel Blühstreifen und -wiesen ein. Vor wenigen Tagen haben wir allein in Stoltenhagen auf fünf Hektar Ackerland Sonnen,- Ringelblumen und Kleearten ausgesät. Die sind allein für unsere Insekten da. Der Bauer verdient damit kein Geld. Wir bekommen dafür eine Aufwandsentschädigung vom Land, die nicht einmal die Kosten für Saatgut und die Personalkosten decken.

Haben denn Bienen und andere Pollen- und Nektarsammler gar keinen Vorteil von den Rapsfeldern?

Rempt: Doch natürlich. Pro Hektar Rapsfeld können sich zwei Bienenvölker ernähren.

Was passiert mit dem Raps, der in der Region um Grimmen angebaut wird?

Rempt: Wir verkaufen ihn an die Ölmühle Rostock. Dort wird er zu Rapsöl und Bio-Diesel verarbeitet. Das übrig gebliebene Rapsschrot ist zudem ein sehr wichtiges Nahrungsmittel für Rinder.

Wenn immer weniger Insektizide zugelassen werden, was bedeutet das für die Landwirte?

Rempt: Lange Zeit hat Raps das meiste Geld gebracht, mehr als Getreide beispielsweise. Die Kohlart wächst sehr gut bei uns, deswegen bauen ihn auch die meisten Landwirte in der Region an. Doch wir steuern auf Zeiten zu, in denen wir uns um Alternativen Gedanken machen müssen. Wir suchen dringend ein zusätzliches Fruchtfolgeglied, das den Raps ersetzen könnte. Für Körnermais ist es etwas zu kalt bei uns. Es wird ein schleichender Prozess werden, dass wir mehr Getreide, Bohnen und Erbsen anbauen und Raps aus anderen Ländern importieren müssen.

Viele sprechen von einer Monokultur wenn sie die blühenden, gelben Felder sehen. Ist das richtig so?

Rempt: Absolut falsch. Eine Monokultur wäre es, wenn wir jedes Jahr an gleicher Stelle Raps säen würden. Aber dort wo dieses Jahr Raps wächst, wächst im nächsten Jahr Getreide. Die großen Rapsfelder sind Reinkulturen. Wir Landwirte müssen die Verbraucher dringend besser aufklären. Wir versuchen das auf unserem Hof beispielsweise mit Festen, dort stellen wir unsere Technik aus und beantworten gern auch jede kritische Frage.

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Der Betrieb in Zahlen

Die Agrar- und Landwirtschaftsproduktion GmbH in Stoltenhagen baut auf 427 Hektar Ackerland Raps an. Insgesamt bewirtschaftet der Betrieb 1650 Hektar. Auf ihnen wachsen auch Getreide und Zuckerrüben.

Der Betrieb hält aktuell 180 Mutterkühe und bewirtschaftet weiterhin 240 Hektar Grünland. 15 Mitarbeiter in Vollzeit werden hier beschäftigt.

Carolin Riemer

Gertrud Scheil aus Fäsekow liebt es, Zeit in ihrem riesigen Garten zu verbringen. Die 83-Jährige lernte den Beruf der Försterin und studierte Forstwirtschaft – die Natur liegt der Dame sehr am Herzen.

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