Stralsund - Stralsunds beliebtestes Fotomotiv hinter Gittern – OZ - Ostsee-Zeitung
Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Grimmen Stralsunds beliebtestes Fotomotiv hinter Gittern
Vorpommern Grimmen Stralsunds beliebtestes Fotomotiv hinter Gittern
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 11.08.2015
Anzeige
Stralsund

Teile der berühmten Fassade des Rathauses in der Hansestadt werden seit gestern eingerüstet. Mitarbeiter der Stralsunder Firma Hoch- und Gerüstbau sind voraussichtlich noch die nächsten zwei Wochen damit beschäftigt, die Nordostecke mit der speziellen Konstruktion von außen begehbar zu machen. Der Grund: Sichtbare Salzauslagerungen an der Oberfläche der Klinker sowie Risse in den Fugen und Schäden an den Formsteinen sollen von Experten aufgenommen und anschließend analysiert werden.

Konkret handelt es sich um zwei Joche in nordöstlicher Richtung zum Gebäude Alter Markt 10 hin und um das erste Joch daneben, das nach Norden zum Alten Markt zeigt. Die Untersuchungen werden voraussichtlich Mitte Oktober abgeschlossen sein, teilte die Stadtverwaltung mit.

Erst vor vier Jahren endete eine 20-jährige umfassende Sanierung des Stralsunder Wahrzeichens. Die Bauzeit war in zehn Abschnitte eingeteilt und begann mit der Erneuerung des Glasdachs über dem Innenhof im Jahre 1991. Es folgten Sicherungs- und Brandschutzmaßnahmen (1994/95), die Sanierung der Schaufassade (1993 bis 1998), die Sicherung des Kellergewölbes (1991 bis 1995), Südlaube und Süddach (1995 bis 2000), Westdach und Westfassade (1997), Ostfassade (2000), die Dachflächen (2000) sowie der Umbau des 1. und 2. Oberschosses (2001 bis 2004).

Bis dahin waren bereits 14,5 Millionen Euro in die Rettung eines der wichtigsten Profanbauten der norddeutschen Backsteingotik geflossen. Davon kamen immerhin 8,1 Millionen Euro aus den Fördermitteltöpfen von Bund und Land.

Wegen Geldmangels begannen erst fünf Jahre die Arbeiten im Ostflügel des Erdgeschosses und des Rathauskellers der letzte Bauabschnitt der Rathaussanierung. Er verschlang noch einmal 2,8 Millionen Euro. Der beeindruckende, über 700 Jahre Gewölbekeller wird seit dem wieder für Märkte genutzt. Im Erdgeschoss des Rathauses befinden sich Geschäfte und ein Restaurant. Damit wird bei der Nutzung des Gebäudes an eine Tradition angeknüpft. Denn schon im Mittelalter war es nicht nur der Sitz des Rates und der Bürgermeister, sondern auch — wie in vielen anderen hanseatischen Städten — Kaufhaus.

Die berühmte Schaufassade des Rathauses stammt — so wie sie sich in der Gegenwart präsentiert — übrigens nicht aus dem späten Mittelalter. Mitte des 18. Jahrhunderts war die ursprüngliche Oberfläche unter einer Putzschicht verschwunden. Dabei gingen alle mittelalterlichen Schmuckelemente verloren. Im südöstlichen Bereich wurde 1822 die Ratsbibliothek untergebracht. Dort befand sich auch bis 1924 das im Jahre 1859 gegründete „Provinzial-Museum für Neuvorpommern und Rügen“.

Unter der Leitung des Stralsunder Stadtbaumeisters Ernst von Haselberg begann im Jahre 1881 eine umfangreiche Umbauphase. Er ließ von den Giebeln den Putz entfernen und versah die Schaufassade bis über die großen Saalfenster mit einer neuen, neogotischen Ziegelwand. Damals wurden über den Saalfenstern, die ebenfalls einer weitgehenden Veränderung unterlagen, Wappen der Hansestädte eingebracht.



Jens-Peter Woldt