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Grimmen Wie Bodo Pfeffer zum Hunde-Flüsterer aus Elmenhorst wurde
Vorpommern Grimmen Wie Bodo Pfeffer zum Hunde-Flüsterer aus Elmenhorst wurde
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17:59 29.10.2019
Bodo Pfeffer mit seinen beiden Hündinnen Lilly und Hanna. Er trainiert eher die Menschen und nicht die Hunde. Quelle: Detlef Lange
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Elmenhorst

Wenn Bodo Pfeffer früher einen Hund sah, wechselte er die Straßenseite. „Damals hatte ich richtig Angst vor ihnen“, sagt der 57-Jährige: „Meine Mutter hatte Panik vor Hunden und irgendwie ist das wohl auf mich abgefärbt.“

Doch diese Zeiten sind lange vorbei. Mittlerweile kennt der Mann aus Elmenhorst sich so gut mit dem besten Freund des Menschen aus, dass man ihn getrost als „Hundeflüsterer“ bezeichnen kann. Vor etwa einem Jahr legte er eine Prüfung beim Veterinär-Amt in Stralsund ab. Durch diese Befähigung durfte er sich als Hundetrainer selbstständig machen.

Doch er trainiert eher Herrchen und Frauchen, nicht die Hunde. Zwischen der Insel Rügen, den Hansestädten und Fischland-Darß-Zingst reist er als Art Dolmetscher in die Häuser der Hundebesitzer und bringt den Besitzern die Sprache ihrer Vierbeiner bei. An den Hunden liege das Fehlverhalten nämlich eher selten, hat er festgestellt.

TV-Trainer Martin Rütter würde jubeln

Wer an Bodo Pfeffers Haustür in Elmenhorst klingelt, wird von einem sympathischen Mann begrüßt, der viele Jahre lang die „Agrar GmbH“ im Ort leitete. Seine beiden Hunde sucht der Besucher zunächst vergeblich. Kein Bellen. Kein aufgeregter Hund, der den Gast begrüßen möchte oder sich anders bemerkbar macht.

Im Wohnzimmer liegt Labrador Hanna, eine zehn Jahre alte Hündin, entspannt in ihrem Körbchen und döst in der Herbstsonne. Auch Lilly, mit ihren vier Monaten ist sie das jüngste Familienmitglied im Hause Pfeffer, weiß schon ganz genau, wie sie sich zu benehmen hat. Hier werden die Gäste nicht angeleckt oder mit Freudensprüngen begrüßt. TV-Hundetrainer Martin Rütter würde jubeln.

Vom Angsthasen zum Hunde-Versteher

Der Sinneswandel, vom Hunde-Angsthasen zum Hunde-Versteher, beginnt vor 19 Jahren. Damals ist die Tochter des Hauses zehn Jahre alt und bettelt immer mehr um einen eigenen Hund. Auch Bodo Pfeffers Frau Martina ist dafür. Die Gedanken des Hausherren sind klar formuliert: „Seid ihr verrückt? Ich hab doch Angst vor Hunden.“

Doch die Damen siegen und auch der Vater sieht ein: „Wenn wir einen Welpen ins Haus holen und ihn richtig erziehen, dann brauche ich keine Angst mehr zu haben.“ So begann die unsterbliche Liebe zu den Retrievern.

„Ich schimpfe nie mit ihnen“

Hanna und Lilly wachen langsam auf und schnüffeln am Besucher. Lilly krabbelt langsam mit den Vorderpfoten auf den Schoß der Journalistin, nagt an ihrem Armband und wird von ihr liebevoll hinter dem Ohr gekrault.

Bodo Pfeffer rollt ein bisschen mit den Augen und sagt: „Sie lernt gerade, dass am Armband kauen und unaufgefordert auf dem Schoß liegen, durch Streicheln belohnt wird.“ Die Journalistin hört schnell auf, das Hundemädchen zu kraulen. Lilly zieht sich zurück und bekommt von ihrem Herrchen ein Leckerli. Wenigstens Lilly hat alles richtig gemacht.

Bei Bodo Pfeffer werden die Hunde nicht streng, sondern konsequent erzogen. „Ich schimpfe nie mit ihnen. Ich belohne sie, für gutes Verhalten, ich ignoriere schlechtes Benehmen und vor allem: Ich vermenschliche sie nicht und passe immer auf, dass ich ein spannendes Herrchen bleibe.“

Nach drei bis vier Sitzungen zieht Harmonie ins Haus

Vom Dackel bis zum Herden-Schutzhund: Bodo Pfeffer hat in dem ersten Jahr seiner Selbstständigkeit schon allen Hundebesitzern helfen können. Die meisten ziehen an der Leine, hören nicht auf das „Komm her!“, sind nicht stubenrein, mögen nicht allein bleiben. Kurz: Das Zusammenleben funktioniert nicht.

In normalen Fällen reist Pfeffer dann drei bis vier Mal für jeweils eine Stunde ins Heim von Hund und Herrchen. In den meisten Fällen ist die Beziehung dann geheilt. „Aber ich musste auch manchmal den Rat geben, den Hund lieber wegzugeben.“ Dann vermittelt der Hundetrainer ein neues Heim für den Hund, denn ganz wichtig sei: „Zeit für das Tier und der Wille, es sinnvoll beschäftigen zu wollen!“

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