Usedom, Rügen, Stralsund: Hotelchefs holen Mitarbeiter nach Corona-Pause nur zögerlich aus der Kurzarbeit
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Usedom, Rügen, Stralsund: Hotelchefs holen Mitarbeiter nach Corona-Pause nur zögerlich aus der Kurzarbeit

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14:03 22.05.2020
Rolf Seelige-Steinhoff, Chef der Seetel-Hotelgruppe, steht vor dem Ahlbecker Hof in Ahlbeck. 
Rolf Seelige-Steinhoff, Chef der Seetel-Hotelgruppe, steht vor dem Ahlbecker Hof in Ahlbeck.  Quelle: Hannes Ewert
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Vorpommern

Keine Kunden, Kurzarbeit, Kündigungen: Kaum eine andere Branche wurde so schwer von der Corona-Krise getroffen wie der Tourismus. In diesen Tagen fährt das Gastgewerbe wieder hoch. Das Personal wird nach und nach in die Gaststätten und Ferienanlagen zurückgeholt – allerdings nur sehr zögerlich, wie eine OZ-Umfrage unter Hoteliers und Restaurantbetreibern in Vorpommern ergab.

Matthias Ogilvie zum Beispiel, Vizepräsident der bis nach Stralsund und Rügen wirkenden Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Rostock, sah sich nach der im März angeordneten Schließung gezwungen, die Mitarbeiter seines Panorama Hotels in Lohme zu entlassen. Ohne Einnahmen seien die Gehälter nicht zu leisten gewesen, begründet er. „Das konnte ich nicht vorfinanzieren. Es war nicht absehbar, wann die Gelder kommen, da musste ich entlassen“, sagt der Inhaber, der sich nicht auf eine schnelle Zahlung der Soforthilfe des Landes verlassen wollte.

Mitarbeiter sollen nach Entlassung zurückkehren

Mehr als 20 Mitarbeiter waren davon im Hotel und Restaurant betroffen, die daraufhin Arbeitslosengeld beantragten. „Ich hatte mit den Mitarbeitern darüber gesprochen und ihnen erklärt, dass sie so sicher gehen, dass sie pünktlich Geld bekommen. Die Leute brauchen ja auch ihr Geld – zu Beginn des Monats und nicht irgendwann“, so Ogilvie.

Sein Restaurant und sein Hotel lässt er bislang geschlossen. „Jetzt sind noch keine Gäste hier. Vorerst dürfen ja nur Urlauber aus unserem Bundesland kommen.“ Ab Montag dürfen auch Touristen aus ganz Deutschland anreisen. „Das lohnt sich jedoch noch nicht“, sagt der Hotelchef. Mit Beginn des nächsten Monats hofft er auf einen Neustart für das Hotel – später auch für das Restaurant. Dann sollen auch alle Mitarbeiter wieder zurückkehren.

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Urlauber verreisen kaum innerhalb des eigenen Bundeslandes

Darauf, dass sie ihre Leute komplett zurückholen können, hoffen in Stralsund auch Wendy und Daniel Ruddies. Auch ihr Hotel Amber stand in den vergangenen Wochen leer – von einzelnen Dienstreisenden abgesehen. Die drei Mitarbeiter und zwei Auszubildenden, die sich hier sonst um das Wohlergehen der Gäste in den zwölf Zimmern kümmern, mussten daher in Kurzarbeit geschickt werden. „Entlassungen kamen für mich nicht in Frage“, sagt Wendy Ruddies. Doch auch wenn nun die ersten Touristen wieder begrüßt werden, wird ein Start mit voller Besetzung wohl noch nicht notwendig sein. „Aus MV haben wir eine Buchung von zwei Damen, die über Pfingsten anreisen wollen und schon im letzten Jahr gebucht haben. Die bekommen dann wohl eine Eins-zu-Eins-Betreuung“, so die Inhaberin.

Die Ruddies hoffen jetzt darauf, dass es einen Schub geben wird, wenn ab nächster Woche Touristen aus anderen Bundesländern anreisen dürfen. „Die meisten haben zu Beginn des Corona-Ausbruchs vorsorglich storniert. Jetzt hoffen wir, dass viele in diese Lücken springen“, meint Daniel Ruddies. Ab Juni sollen die Kollegen die ersten Gäste begrüßen können. Da aber noch kein Ansturm zu erwarten ist, sollen vorerst nur 50 Prozent des Personals eingesetzt werden. „Bis Ende Juni sind wir hoffentlich wieder auf Vollzeit“, so Wendy Ruddies.

Doch noch ein anderer Punkt fällt bei der Planung ins Gewicht. „Bevor Kindergärten und Schulen nicht wieder mitspielen, haben wir auch kein Personal“, sagt Daniel Ruddies. Da die Tourismusbranche nicht als systemrelevant eingestuft wurde, bekamen die Kinder der Angestellten in diesem Bereich bislang keine Notbetreuung und das Personal war somit nicht einsetzbar. Im Kreis Vorpommern-Rügen soll sich das ab Montag ändern. Dann sollen alle Kinder den eingeschränkten Regelbetrieb in den Kitas nutzen können – bis zu acht Stunden, wenn die Eltern Vollzeit arbeiten.

Alles vorbereitet ist auch bei Wendy und Daniel Ruddies für die ersten Gäste nach der Schließung. Wenn die Buchungszahlen im Stralsunder Hotel Amber wieder ansteigen, können alle Mitarbeiter wieder starten. Quelle: Wenke Büssow-Krämer

Thomas Münchow hat seinen Mitarbeitern des Stralsunder Restaurants Speicher 8 und der Bar T1 nach der Zwangsschließung die Entscheidung überlassen, ob sie vorerst Urlaubstage in Anspruch nehmen wollen. „Viele haben dies genutzt, damit sie für März noch ihr volles Einkommen haben“, sagt der Inhaber. Doch spätestens ab April war die gesamte Belegschaft auch bei ihm in Kurzarbeit. Jetzt sind in seinem Restaurant die Türen ab 17 Uhr wieder geöffnet. „Aber vorerst sind alle auf Teilzeit. Das Geschäft muss erstmal wieder starten“, so Münchow. Auch er beobachtet eine vorsichtige Zurückhaltung der Menschen. So waren an den ersten Abenden manchmal lediglich zwei Tische belegt.

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Saisonstart muss jetzt schnell erfolgen

Auch Birte Löhr wollte Entlassungen verhindern und hat ihre Mitarbeiter des Grand Hotels und des Arkona Strandhotels in Binz in Kurzarbeit geschickt. „Wir haben das sozial entschieden. Selbst die Mitarbeiter, die noch in der Probezeit waren, wurden nicht entlassen“, sagt die Generaldirektorin. Aber auch in den Hotels auf Deutschlands beliebtester Insel stellt man fest, dass die deutschen Urlauber noch sehr vorsichtig und zurückhaltend mit Reiseplanungen sind – zum Bedauern der Hotelchefs. „Hier muss die Politik mehr Mut machen und dazu aufrufen, jetzt Urlaub im eigenen Land zu machen, sonst bleiben die Leute verängstigt zu Hause“, befürchtet die Birte Löhr. Sie glaubt daran, dass es ein erfolgreicher Sommer werden wird. „Aber bis dahin müssen wir erst mal überleben“, so die Hotelchefin.

Die Auslastung der Häuser habe unmittelbaren Einfluss auf die Zukunft der Angestellten. „Solange ich keine gute Belegung habe, bleiben die Leute in Kurzarbeit“, sagt Birte Löhr. Eventuell steht dann auch hier vorerst nur eine 50-prozentige Beschäftigung in Aussicht. „Wir bekommen Buchungen für Juli, August, September, Oktober“, berichtet die Managerin. In den nächsten Wochen – also Ende Mai und im Juni – trauen sich offenbar nur wenige Menschen aus ihrem Umfeld heraus.

Belegung von 60 Prozent nicht rentabel

Entlassungen gab es auch im Hotel Bernstein Prerow nicht – sämtliche Mitarbeiter mussten jedoch in Kurzarbeit geschickt werden. Und die Situation wird sich so schnell auch nicht ändern. „Da wir unsere Hotels zukünftig nur zu 60 Prozent auslasten dürfen, können wir bedauerlicherweise nicht alle Mitarbeiter aus der Kurzarbeit holen“, erklärt Marketing-Direktorin Viola Kaser. Auch in den Restaurants musste die Platzanzahl auf die Hälfte reduziert werden, um Maßnahmen zum Infektionsschutz umsetzen zu können. Dabei wurden die ohnehin hohen Hygienestandards ausgeweitet. Um diese zeitaufwendigen Maßnahmen umzusetzen, wäre es von Vorteil, wenn man auf das gesamte Personal zurückgreifen könnte. Damit sich eine Vollbeschäftigung aller Mitarbeiter rechne, müsse jedoch eine Auslastung von 85 Prozent gegeben sein.

„Die Nachfrage der Gäste ist sehr hoch. Sehr gern würden wir unsere Hotels wieder voll belegen, denn in den kommenden Monaten befinden wir uns in der Hauptgeschäftsphase, welche nach dem Shutdown dringend benötigt wird, um nötige Liquidität zu erhalten“, sagt Viola Kaser.

So mancher Reisewillige muss nun daheim bleiben

Auf Usedom gehören 16 Häuser zur Seetel-Hotelgruppe. Mehr als 80 Prozent der etwa 500 Mitarbeiter mussten hier in die Kurzarbeit geschickt werden. „Von einigen wenigen Mitarbeitern, für die es keine Perspektiven gab, mussten wir uns trennen. Das waren aber Ausnahmen“, sagt Geschäftsführer Rolf Seelige-Steinhoff. Wenn ab Montag wieder Reisende aus ganz Deutschland begrüßt werden dürfen, werden auch alle Häuser wieder ihre Türen öffnen. Ein Start für alle Mitarbeiter ist dies aber auch hier noch nicht. „Bei einer Auslastung von 60 Prozent kann ich auch nur 60 Prozent der Mitarbeiter zurückholen“, sagt der Inhaber.

  • Dabei hat die Hotelkette einen Vorbuchungs-Stand von rund 80 Prozent der Bettenkapazität. Einigen Urlaubern muss nun mitgeteilt werden, dass sie leider nicht anreisen dürfen. „Aber wir freuen uns, dass es vorangeht“, sagt Rolf Seelige-Steinhoff. Man müsse sich auf die „neue Normalität“ einstellen.

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Von Wenke Büssow-Krämer