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Grimmen Verbandschef: Regen illegal abgeleitet
Vorpommern Grimmen Verbandschef: Regen illegal abgeleitet
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01:23 23.09.2014
Sieben Regenrückhaltebecken werden bis Ende 2015 am südlichen Teil des Rügenzubringers gebaut.
Sieben Regenrückhaltebecken werden bis Ende 2015 am südlichen Teil des Rügenzubringers gebaut. Quelle: Christian Rödel
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„Es ist falsch, dass es sich bei den jetzigen Bauarbeiten am südlichen Rügenzubringer um prophylaktische Maßnahmen handelt“, sagt Peter Berster, Vorsteher des Wasser- und Bodenverbandes Ryck-Ziese. Er bezieht sich damit auf die Auskunft aus dem Schweriner Energieministerium zum Bau einer neuen Regenentwässerung entlang der Anschlusstrasse nach Rügen (die OZ berichtete am 16. September).

Schon in den Jahren 2004/05 habe der Verband die Bauabnahme der Regenentwässerung am Rügenzubringer verweigert, weil „wir festgestellt haben, dass an etwa 20 Stellen das Regenwasser illegal von der Straße in Verbandsgewässer oder private Drainagen eingeleitet wird“, sagte Berster. Davon sei damals nicht nur der Verband überrascht gewesen, sondern auch die Landwirte. Berster: „Niemand wusste zuvor etwas davon, dass so die Ableitung des Straßenwassers erfolgen sollte. Das war auch nicht Bestandteil der Genehmigung“.

Berster geht davon aus, dass diese Variante der Wasserableitung sich während der Bauzeit der Trasse durchgesetzt hat. „Denn schon damals stellte sich sicherlich heraus: die Versickerung nur über die Gräben funktioniert nicht. Das Straßenbett konnte wohl während der Bauphase nicht zum Stehen gebracht werden“, ist er überzeugt. Nicht erst mit dem jetzt öfter auftretenden Starkregen hätten sich die Probleme ergeben, wie das Ministerium aber verlautbaren ließ.

Nach Abschluss der Bauarbeiten und mit Inbetriebnahme des Rügenzubringers mündete der Streit um die Regenentwässerung am Rügenzubringer für den Wasser- und Bodenverband Ryck-Ziese in einer Anzeige gegen die Baubehörde.

„Die Kreisverwaltung mit dem damaligen Landrat Wolfhardt Molkentin (CDU) hat uns damals sehr geholfen“, erinnert sich Berster. Als Ergebnis habe die Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH (Deges) eingelenkt. „Die illegalen Einleitungen waren nicht zu bestreiten“, sagte Berster. Lange Verhandlungen, in denen sich besonders Christoph Möller-Titel von der Autobahnmeisterei Süderholz und Deges-Abteilungsleiter Joachim Rascher im Gespräch mit Vertretern des Wasser- und Bodenverbandes und betroffenen Landwirten als sehr kompetent gezeigt hätten, folgten. Peter Berster: „Das Ergebnis ist das neue Entwässerungskonzept, zu dem die sieben Regenrückhaltebecken gehören, die bis Ende 2015 gebaut werden“. Falls diese Becken aufgrund von starken Niederschlägen einmal voll sein sollten, sollen sie über Vorfluter ablaufen, auf keinen Fall aber über private Kanäle.

Für Bester steht fest, dass es sich ganz klar um eine Reparatur einer Situation handele, die die Bauherren selbst verschuldet hätten.

Steffen Wehner, Pressesprecher vom Schweriner Ministerium für Energie, Infrastruktur und Landesentwicklung, betont auf die OZ-Nachfrage, dass vor Baubeginn im Jahre 2001 durchaus Öffentlichkeit und Fachbehörden im Beteiligungsverfahren einbezogen worden waren. „Die Gestaltung der Regenentwässerung ist 2001 planfestgestellt worden. Es gab das einvernehmliche Ergebnis, die Entwässerung mittels Versickerung umzusetzen.“ Das Ministerium bleibt dabei: Die 2001 gewählte Lösung habe sich erst im Nachhinein als nur bedingt tauglich erwiesen. Da Starkregen nur unzureichend versickere, könne allerdings überschüssiges Wasser durchaus in Drainagen und auch in Verbandsgewässer gelangen, räumt Wehner ein. Unstrittig sei auch, dass zur Lösung des Problems in den Jahren 2004 bis 2010 — unter anderem mit dem Wasser- und Bodenverband — diskutiert wurde und es über Art und Umfang der notwendigen baulichen Ergänzungen auch unterschiedliche Auffassungen gab. Als Resultat gab es vor zwei Jahren ein neues Planfeststellungsverfahren — wieder mit Beteiligung der Öffentlichkeit. Wehner: „Die Fachbehörden und der Wasser- und Bodenverband waren bei der Neuplanung intensiv dabei“. Die Deges hätte allerdings bis zum Planfeststellungsbeschluss im Juli 2013 keine rechtliche Grundlage gehabt, die Entwässerung umzustellen.

Steffen Wehner: „Für uns ist es jetzt entscheidend, dass die Deges mit der Erneuerung der Entwässerung die Probleme vor Ort nachhaltig beheben kann und die Standfestigkeit des Straßendamms sichert.“

Arbeiten bis Ende 2015
Die Arbeiten an der Regenentwässerung sollen bis Ende 2015 dauern.
Sieben Wasserrückhaltebecken sollen bis dahin gebaut werden.
Verkehrseinschränkungen wird es während der Bauphase geben, allerdings nicht während der Sommerferien 2015.



Almut Jaekel