Verfall der vorpommerschen Gutslandschaft schreitet rapide voran
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Grimmen Zerstörung historischer Gutsanlagen in Vorpommern geht weiter
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Verfall der vorpommerschen Gutslandschaft schreitet rapide voran

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15:00 23.10.2021
Ist dieses Wirtschaftsgebäude in Auerose noch zu retten?
Ist dieses Wirtschaftsgebäude in Auerose noch zu retten? Quelle: Eckhard Oberdörfer
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Vorpommern

Die architektonische Geschlossenheit ehemaliger Gutsanlagen in Vorpommern ist nur noch selten zu finden. „Besonders der Verfall der wenigen noch vorhandenen und oft ungenutzten Wirtschaftsgebäude wie Scheunen, Speicher und Ställe schreitet rapide voran.“ Die historischen Strukturen der Gutsanlagen drohten sich immer mehr aufzulösen. Diese ernüchternde Bilanz steht in der Broschüre „Ursprung Mitte. Die Gutsanlagen unserer Dörfer“, die der Regionale Planungsverband Vorpommern herausgegeben hat. Für diesen sind die Guts- und Parkanlagen seit 2005 ein Schwerpunkt. Er wird dabei von einer Arbeitsgruppe unterstützt, die das Bewusstsein für den Wert der Anlagen fördern will. Sie hat unter anderem Broschüren für Radtouristen erarbeitet.

Es seien Menschen gefragt, die mutig sind und Ideen haben, um wenigstens noch Teile dieses Schatzes zu bewahren. Es gibt indes auch positive Beispiele wie Quilow und Ludwigsburg und auch Broock. Aber das sind nur wenige. Gut geht es auch nicht allen vorpommerschen Gutshäusern, obwohl sie im öffentlichen Bewusstsein meist einen anderen Status als Ställe oder Katen (Landarbeiterwohnhäuser) und die Schnitterkasernen, die Wohnheime der Erntearbeiter, haben.

Das Herrenhaus in Auerose steht leer und müsste saniert werden Quelle: Eckhard Oberdörfer

Das Gutshaus von Karnin wartet auf eine Sanierung und neue Nutzung Quelle: Eckhard Oberdörfer

Zwar ist auch wenn über die Hälfte der 615 Gebäude saniert, aber 89 Herrenhäuser sind so kaputt, dass sie derzeit nicht genutzt werden können. Auf fachliche Unterstützung bei der Bewahrung des Schatzes können die Inhaber rechnen, wie Landeskonservatorin Ramona Dornbusch deutlich macht. Dazu gibt es eine Reihe von Vereinen und Initiativen, mit denen eine Zusammenarbeit möglich ist.

„Keine Angst vor der Denkmalpflege“

Die Broschüre vermittelt viel Wissen über die Gutsanlagen und ihren Parks, denen die Überführung in Volkseigentum nach dem Zweiten Weltkrieg zumeist nicht gut bekommen ist. Die Broschüre ist keineswegs ein Appell gegen Veränderungen und schon gar nicht gegen andere Nutzungen, weiterbauen müsse möglich sein. Als positive Beispiele werden ein Ziegelneubau in Bubkevitz und ein Wohnhaus in Kemnitzerhagen erwähnt, das anstelle eines ähnlichen Wirtschaftsgebäudes entstand. Eines der Kapitel ist mit „Keine Angst vor der Denkmalpflege“ überschrieben. Aber man sollte vor dem Beginn von Planungen die Behörde kontaktieren, um Anregungen und Tipps zu bekommen.

Sehr hilfreich sind sicher die Informationen zu den Charakteristika von Gutsdörfern und Gebäuden sowie den Bauteilen. Die Erhaltung der Gutsanlagen ist auch ökonomisch von Vorteil. „In intakten Kulturlandschaften ist der Tourismus ein ernst zu nehmender Wirtschaftsfaktor“.

Die Broschüre „Ursprung Mitte. Die Gutsanlagen unserer Dörfer“ gibt es kostenlos bei der Geschäftsstelle des Planungsverbandes Vorpommern Am Gorzberg Haus 8, 17489 Greifswald (www.rpv-vorpommern.de).

Von Eckhard Oberdörfer