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Grimmen Von Vorurteilen und starken Frauen: Ein Grimmener Tätowierer erzählt
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Von Vorurteilen und starken Frauen: Ein Grimmener Tätowierer erzählt

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15:01 10.02.2020
Tätowierer Paul Riotté macht auch das Leben von Ulrike Matzat bunter. Quelle: Carolin Riemer
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Grimmen

Wenn Paul Riotté vor dem Spiegel steht, denkt er nicht: „Man, hab ich viele Tattoos.“ Nein, vielmehr denkt er: „Da ist ja noch ’ne Lücke.“ Paul ist 34 Jahre alt, Inhaber des Tattoostudios „INK“lusiv in Grimmen und sein Körper erzählt Geschichten.

Der gelernte Maurer hat sich weit über die Grimmener Stadtgrenzen hinaus einen sehr guten Ruf erarbeitet. Seine Kunden kommen aus den großen Städten wie Hamburg und Berlin und immer wieder fällt der Satz: „An meinen Körper lasse ich nur Paul – oder Matze.“ Matze Pahnke (33) ist sein Freund und Kollege. Die Bewertungen im Internet sprechen für sich. Es gibt nur Lob und Dank und keinen unzufriedenen Kunden.

Erstes Tattoo im Kinderzimmer gestochen

Schon in der Grundschule zeichnet Paul Riotté immer wieder seine Hefte voll. Er liebt das Zeichnen und nimmt an Wettbewerben teil. Sein erstes Tattoo lässt sich der gebürtige Stralsunder mit 14 Jahren auf die Wade stechen. Damit fängt alles an. „Im Kinderzimmer stach ich meinem Kumpel sein erstes Tribal auf den Oberarm. Ich war 14 und seine Oma polterte gegen die abgeschlossene Tür, weil sie wissen wollte, was das für ein surrendes Geräusch sei.“ Er lacht.

Das Surren erzeugte die kleine Tätowiermaschine, mit der Paul mittlerweile seinen Lebensunterhalt verdient. Seine Kunst kommt einen bis maximal eineinhalb Millimeter tief in die Haut – und sie bleibt für immer. Seine Kunden haben Vertrauen. Ohne geht’s nicht. „Man hat nur eine Chance“, sagt er.

Frauen sind härter im Nehmen

Den Einstich in die Haut beschreibt der Tätowierer wie ein Kratzen in der Haut. „Als würde man Schorf von einer Wunde pulen.“ Die einen haben mehr, die anderen weniger Schmerzen. „Aber in der Regel sind Frauen härter im Nehmen oder sie zeigen den Schmerz weniger.“ Paul bezeichnet sich selbst eher als Mimose. Das sei aber auch von Tag zu Tag unterschiedlich.

Die Trends ändern sich: Zurzeit lassen sich Frauen oft Bilder ihrer Kinder und Mandalas tätowieren. Männer stehen auf düstere Motive wie Schädel oder Figuren aus Horrorfilmen. Dabei sind die Tätowierten meistens gar nicht düster, sondern sehr liberal eingestellt.

Vorurteile seien auch heute noch ein großes Problem. „Früher dachten die Menschen, wir kommen aus dem Knast. Das ist heute nicht mehr zwingend der Fall. Aber sie ordnen einen in eine bestimmte untere soziale Kategorie. Frei nach dem Motto: „Die haben keinen Job, kein Geld und viel Zeit, um sich tätowieren zu lassen. Dass wir Farbe im Wert eines Kleinwagens unter der Haut tragen, verstehen viele Leute leider nicht.“

Tattoos statt Schmuck

Die Tätowierkunst sei ein Lebensgefühl, ein neuer Zeitgeist. Auch Ulrike Matzat trägt ihre Tattoos mit Stolz. „Ich trage dafür eben keinen Schmuck“, sagt die 36-Jährige aus Negast. Sie hat natürlich einen Job, ist Mutter und wählte für ihre Tattoos Körperstellen, die sie bei offiziellen Terminen auch verstecken könnte.

Jedes ihrer Bilder hat eine Bedeutung. Sei es die Figur Urmel auf ihrem Oberarm, weil Urmel ihr Spitzname ist. Oder ihr Sternzeichen, der Widder. Der Leuchtturm ihrer Heimatstadt Warnemünde ziert ihr Dekolleté und sogar ihren Verlobungsring ließ sie sich auf den Ringfinger tätowieren.

Paul Riotté stimmt die Wünsche seiner Kunden ab und bereichert die Motive um seine Kreativität: „Ich bin ja kein Kopierer, der ein Bild aus dem Internet abzeichnet. Nein, in so ein Bild sollten auch immer die Persönlichkeit des Kunden und meine eigenen Ideen einfließen.“

„Irgendwo musste sie doch üben“

Wünscht sich jemand ein Sternchen, Herzchen oder das Unendlichkeitszeichen, dann schmunzelt Paul und sagt: „Du weißt aber, dass das schon zwei Millionen andere Menschen auf der Haut tragen?“ Auf Pauls Fingerknöcheln steht „Live Fast“. Auf seinem Oberschenkel ist das Logo eines Motorradhelm-Herstellers verewigt: „Dafür habe ich einen Helm umsonst bekommen.“ Nein, seinen eigenen Körper nimmt er nicht allzu ernst. Sogar ein Azubi durfte auf seiner Haut üben. Paul lacht. „Na, irgendwo musste sie doch üben.“

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Von Carolin Riemer

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