Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Grimmen Vorpommern: Der Acker frisst die Wiese auf
Vorpommern Grimmen Vorpommern: Der Acker frisst die Wiese auf
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:59 31.07.2019
Weidetierhaltung in Vorpommern Quelle: Astrid Krüger
Anzeige
Elmenhorst

Durch Weidewirtschaft wird jede Menge Kohlendioxid gebunden. Diese Erkenntnis ist nicht ganz neu, verblüfft aber Laien in Zeiten von scheinbar gefährlich pupsenden und damit CO2 produzierenden Kühen. „Ich bin der festen Überzeugung, dass nicht die Wälder das Kohlendioxid am besten speichern, sondern durch Weidewirtschaft die großen Mengen gebunden werden können“, sagt Rainer Holz.

Holz bezieht sich dabei auf die jüngste Studie der Technischen Hochschule Zürich, nach der mehr Bäume auf der Erde den Klimawandel effektiver bekämpfen als bislang gedacht.

Verein stellt Studie vor

Rainer Holz ist Mitglied im Verein Ostseelandschaft Vorpommern e. V. mit Sitz in Stralsund. Während der jüngsten Bundestagung des Deutschen Verbandes für Landschaftspflege haben Vereinsmitglieder die Studie „Über Naturschutz, Grünland & Kühe – eine ökologische und sozioökonomische Analyse zwischen Bodden und Peene“ vorgestellt. Was sich zunächst kompliziert anhört, nimmt die Geschichte, Vorteile und vor allem die Veränderungen der Weidewirtschaft in Vorpommern sowie deren Auswirkungen unter die Lupe.

Damit wollen die 14 Vereinsmitglieder einerseits die fatale ökonomische Situation der Landwirtschaftsbetriebe mit Weidetieren darstellen. „Wir haben aber auch starkes Interesse an der Entwicklung einer naturschutzgerechten Landwirtschaft“, sagt der Vereinsvorsitzende Hermann Baier, der in Ahrendsee zwischen Grimmen und Stralsund zu Hause ist. Mit im Boot sind die Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei, das Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie (LUNG-MV) sowie Grünlandspezialisten.

Hermann Baier Quelle: OZ-Foto

Wiese als Mutter des Ackers

Noch im 19. Jahrhundert galt die Wiese als des Ackers Mutter, also als das Fundament der Landwirtschaft, zitiert Rainer Holz den Agrarwissenschaftler Johann Heinrich von Thünen. Auf der Wiese wurde das Futter erzeugt für die Winterfütterung der Tiere, der Mist kam als Dünger auf den Acker. Holz: „Das war ein funktionierender Kreislauf. Jetzt verzehrt der Acker die Wiese.“ Die Kopplung des Ackers an das Grünland über die Tiere sei inzwischen längst aufgelöst, die wenigen gebliebenen Kühe beispielsweise stünden oft ausschließlich im Stall und werden vom Acker ernährt. „Aus ökonomischem Druck wird die Grünlandfläche immer kleiner“, sagt Rainer Holz.

Dabei könnten Wiesen mit Weidehaltung nicht nur für die hiesige Landschaft so viel tun, sondern auch für den Klimaschutz, ist Rainer Holz überzeugt. Denn im Wurzelbereich speichert das Graslandökosystem enorme Mengen an Kohlendioxid. Über Jahrtausende sei das gewachsen. „Der Humus, produziert von Weidetieren wie Rindern, Schafen und Pferden, ist Kohlenstoff.“

Die Kuh als Insektenhotel

Und nicht nur das – so werde auch die Insektenvielfalt gefördert. Rainer Holz: „Die Kuh ist das allerbeste Insektenhotel“. Wenn all der Mist, den Kühe produzieren, einfach so auf der Weide liegen bleiben würde, wäre das schlimm. Aber das sei ja nicht so, die Insekten würden den Kot umsetzen. Je Rind und Jahr würden somit etwa 250 Kilogramm Insekten „produziert“ werden. Dass das so ist, war bereits Mitte des letzten Jahrhunderts ein großes Thema der Agrarökologen.

Vom Verein wurden in der Studie in Ostvorpommern, Nordvorpommern und auf Rügen einzelnen Feldblöcke bewertet und hinsichtlich ihrer ökologischen Vielfalt untersucht. Nicht verwunderlich: Bei großen Ackerflächen ist die ökologische Wertigkeit niedrig – beispielsweise auf der Halbinsel Zudar (Rügen) oder bei Bandelin (Vorpommern-Greifswald). Claudia Resthöft, die in Elmenhorst zwischen Grimmen und Stralsund einen Bio-Bauernhof mit Milchkühen, Weidehaltung und Ackerbau betreibt, findet das nicht verwunderlich, würden sich doch auf Zudar in diesem Jahr beispielsweise riesige Weizenflächen finden. Doch auch bei Ackerland gebe es Feldblöcke, die ökologisch hochwertiger seien, ergänzt Baier. Aber all das sei kein Vergleich zu Weideland.

Im gesamten Untersuchungsgebiet des Vereins – im nördlichen Teil des Festlandes in Vorpommern-Rügen und Vorpommern-Greifswald sowie im Süden Rügens – liegen 9500 Hektar Grünland. In diesem Gebiet werden 5400 Milchkühe und 2200 Mutterkühe gehalten. Nur Letztere sind wirklich interessant, weil von den Milchkühen so gut wie keine auf der Weide gehalten werden. Zwei Hektar Grünland braucht theoretisch ein Rind, um davon leben zu können. Der Verein Ostseelandschaft Vorpommern geht deshalb von 4700 Hektar benötigtes Weideland aus, weil sie zehn Prozent der Milchkühe bei der Weidehaltung mitrechnen.

Hermann Baier: „Mehr als die Hälfte dieses Gründlandes in Vorpommern steht also in keinem Zusammenhang mehr mit Weidevieh.“ „Dieser Überhang ist gigantisch“, findet Rainer Holz. Das Gros dieses Grüns wird gemulcht oder geht in Biogasanlagen ohne biologische Funktion in Hinsicht auf die CO2-Bindung, und schafft auch keine Insekten“, bedauert er.

Immer weniger Weidetiere

Dass immer weniger Weidetiere gibt, können die Landschaftsschützer jedoch verstehen. Denn leben können Bauern davon schon lange nicht mehr, auch Betriebe mit anderen funktionierenden Unternehmenszweigen geraten durch Weidehaltung oft an den Rand des Ruins.

„Ohne die Flächenprämie, die die Landwirte erhalten, ist Tierhaltung generell ein Minusgeschäft, Weidehaltung aber umso mehr“, sagt Hermann Baier. Die Vereinsmitglieder haben aufgrund von Statistiken des Landes die Betriebszweigergebnisse auch einschließlich der Prämie errechnet: Bei Milchkühen gibt es ein leichtes Plus von 79 Euro pro Hektar, bei Mutterkühen ein eindeutiges Minus von -251 Euro bei einem Rind pro Hektar. Erschreckend sei, so sagt Baier, dass selbst das Mulchen der Fläche mit 20 Euro Plus pro Hektar effizienter sei als Weidehaltung.

Der Deutsche Verband für Landschaftspflege (DVL) forderte während des Deutschen Landschaftspflegetages 2019 deshalb extensive Weidetierhaltung endlich angemessen zu honorieren, um diese multifunktionale Zukunftsform der Landbewirtschaftung dauerhaft zu sichern.

Weil das aber nicht so ist, werden immer weniger Rinder und Schafe gehalten. Und oft nur, weil Landwirte bei der Pacht ihrer Fläche eine Verpflichtung zur Tierhaltung eingehen müssen. Etwa 400000 Rinder gibt es heute weniger in MV als noch 1960. Rainer Holz: „Die Fläche machts. Wenn mehr als 0,5 sogenannte Großvieheinheiten (1 GV entspricht einem Rind) pro Hektar gehalten werden, steht der Bauer im Minus“.

Ökonomische Weidehaltung sei also gar nicht möglich, Weidetiere sind aber eine Superleistung für die Ökologie. Nicht nur die CO2-Bindung, die Förderung der Insekten, sondern auch der Erhalt der Halbkulturenformationen werden durch Weidehaltung gefördert. „Die Landwirtschaft passt sich kaum noch an die natürlichen Gegebenheiten wie arme und reiche, trockene und feuchte Standorte an, Nischen weichen“, sagt Claudia Resthöft.

Claudia Resthöft Quelle: OZ-Foto

Arten verschwinden

Dabei ist Rainer Holz überzeugt: „Mit der Weidehaltung schwinden die Halbkulturformationen zugunsten intensiven Grünlandes, des Ackers, auch für Nationalparks und für Aufforstung“. Und damit schwinden mehr und mehr Tiere und Pflanzen. In den 60er-Jahren waren es die Großtrappen durch die Melioration, die Rebhühner folgten um 1980, seit der zweiten Industrialisierung der Landwirtschaft und moderner Großtechnik nach der Wendezeit fehlt zum Beispiel der Wendehals, jetzt die Feldlerchen. Stare als echte Weidevögel, die hier brüten, würden derzeit drastisch abnehmen.

Der Verein Ostseelandschaft Vorpommern fordern deshalb das Grünland generell an die Haltung von Weidetieren zu binden und außerdem die Grünlandpachtpreise von den Getreidepreisen zu entkoppeln. Ein Co2-Bonus für Weidetierhaltung sei wünschenswert. „Die Kuh wird oft als Klimakiller niedergemacht. Dabei ist sie als Weidetier ein effizienter Klimaschützer sagt Bettina Baier, ebenfalls Mitglied des Vereins. 

Almut Jaekel

Obwohl kaum Bewegung auf dem Markt ist, rutscht die Quote für den Kreis auf den tiefsten Stand seit der Wende. Rund 7800 Männer und Frauen sind derzeit auf Jobsuche.

31.07.2019
Grimmen Pfadfinderbund Mecklenburg-Vorpommern - Glashagen: Pfadfinder beleben seit 20 Jahren das Gutshaus

Seit 20 Jahren haben die Pfadfinder aus Mecklenburg-Vorpommern ihr Heim im Gutshaus in Glashagen bei Grimmen gefunden. Dem Pfadfinderbund gehören mehr als 400 Mitglieder an.

31.07.2019

Wer Hilfskräfte alarmiert, wird nun mit den Worten begrüßt: „Notruf Feuerwehr – Rettungsdienst. Wo ist der Notfallort?“ Somit kann noch schneller ein Team losgeschickt werden.

31.07.2019