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Grimmen Grimmens Gruft: Einzigartig in Vorpommern
Vorpommern Grimmen Grimmens Gruft: Einzigartig in Vorpommern
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14:59 14.08.2019
Eingestaubt: 14 Adlige wurden überirdisch in der angebauten Mauritiuskapelle beigesetzt. Wie viele Mitglieder der Familie von Lancken-Wakenitz unter der Sandsteinplatte begraben wurden, weiß niemand genau. Quelle: Carolin Riemer
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Grimmen

Die schwere Eichentür öffnet sich mit einem Knarren. „Ich schaue erst einmal, ob die Fledermäuse da sind“, sagt Sven Thurow (50) und blickt suchend an die Decke der dunklen Gruft. „Alles gut, sie sind ausgeflogen.“ Der Hobby-Historiker aus Grimmen tritt einen Schritt zur Seite und gibt den Blick auf 14 Särge frei. Der älteste von ihnen stammt aus dem Jahre 1774. Auf schweren Löwenfüßen hat er hier die Jahrhunderte überdauert. Lange Zeit fiel kein Lichtschein in die Begräbnisstätte der Familie von Lancken-Wakenitz. Die Tür ist stets verschlossen. Die Stimmung in der Gruft: erhaben und still. Nur die Fledermäuse kommen und gehen. Sie haben sich einen Weg durch das Dach gesucht.

Die älteste überirdische Gruft Vorpommerns

In dem Gewölbe in der angebauten Mauritius-Kapelle auf der Nordseite der Marienkirche wurden zwischen 1544 und 1911 Adlige zur letzten Ruhe gebettet. Zunächst im Erdboden der Kapelle. Doch nach mehr als 200 Jahren reichte der Platz nicht aus und die Verstorbenen fanden seitdem überirdisch ihren Frieden. Es ist die älteste, größte und einzige oberirdische Gruft in ganz Vorpommern. Dazu ist sie auch die einzige, die vollständig erhalten ist. Ein Juwel für Forscher und Interessierte.

Im Jahre 1544 mietete Albrecht von Wakenitz die Kapelle für die Bestattung seiner Familie. Der Rektor der Universität Greifswald begründete so eine jahrhundertealte Tradition. Die Familie lebte noch bis Anfang des 19. Jahrhunderts in der Burg Klevenow. Erst als sie 1945 enteignet wurden, verließ das Adelsgeschlecht, mittlerweile nicht mehr wohlhabend, ihre Heimat Vorpommern in Richtung Schweden, Südafrika und Australien. Nur ihre Vorfahren, die ruhen noch heute in Grimmen. Ihre Geschichten kennt Sven Thurow.

Ein einzigartiger Blick hinter eine verschlossene Tür

Ein Familiengeheimnis

Er deutet auf zwei kleinere Särge. „Ein Zwillingspaar, das innerhalb eines Jahres starb. Die Kindersterblichkeit war damals groß. Kein Wunder, denn die Schlösser waren zugig und kalt.“ Baronesse Franziska von Lancken-Wakenitz wurde nur fünf Jahre alt, ihre Schwester Marie sechs. Auch ein Familiengeheimnis werde in der Gruft bewahrt, erzählt Thurow. „Eines Nachts wurde still und heimlich die Leiche von Marie Emilie von Santa Quieteria aus der Gedächtniskirche in Berlin nach Grimmen überführt.“ Sie war die uneheliche Tochter des ehemaligen portugiesischen Gesandten am Hof zu Wien, der mit Baronesse Natalie von der Lancken-Wakenitz die uneheliche Tochter zeugte. Ein Unding zu dieser Zeit. Über diesen Vorfall schwieg die Familie lieber.

Rittmeister starb 1866 in Schlacht bei Königgrätz

Heroisch hingegen ist die Geschichte von Rittmeister und Freiherr Friedrich von Lancken-Wakenitz, der in der entscheidenden Schlacht des Preußisch-Österreichischen Krieges bei Königgrätz sein Leben ließ. Auf seinem Sarg liegt der Helm des damals 42 Jahre alten Soldaten. An einer Seite klafft ein großes Loch. „Seine Todesursache. Vermutlich hat er ein Schwert gegen den Kopf bekommen“, sagt Sven Thurow leise. Je älter die Särge, desto kunstvoller sind sie verziert. Grabbeilagen gibt es aber schon lange nicht mehr. „Hier wurde geplündert. Seien es die napoleonischen und die russischen Soldaten gewesen, hier ist jedenfalls nichts mehr zu holen.“ Sven Thurow erinnert sich noch, dass die Gruft bis in die 1990er Jahre offen stand. Doch als in ihr randaliert wurde, schloss sich die Tür für die Öffentlichkeit. Nur wer wirkliches Interesse habe, könne sich bei Sven Thurow melden. Der zückt dann den schweren Schlüssel und öffnet die Tür in die Vergangenheit.

Im Jahr 1480 belehnte der Herzog Bogislaw X. von Pommern den Burghauptmann und Vogt auf Grimmen und Tribsees, Hans von Wakenitz mit der Burg Klevenow, die bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts im Besitz der Familie von Wakenitz blieb. 1816 gelangte Burg Klevenow durch Heirat in den Besitz des in schwedischen Diensten stehenden Carl Friedrich von der Lancken aus dem Hause Boldevitz auf Rügen, der den Namen Wakenitz seinem Namen hinzufügte. Noch heute sind die Ahnentafeln der Familie nicht in der Gruft, sondern in der Schlosskapelle in Klevenow aufbewahrt.

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Von Carolin Riemer

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