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Grimmen Waffenhändler aus Grimmen: „Aus Angst vor Veränderungen haben sich die Leute bewaffnet“
Vorpommern Grimmen Waffenhändler aus Grimmen: „Aus Angst vor Veränderungen haben sich die Leute bewaffnet“
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13:12 11.09.2019
Manuel Hagedorn in seinem Waffenladen in Grimmen mit einem Gewehr in seiner Hand. Quelle: privat
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Grimmen

Manuel Hagedorn ist ein gewöhnlicher Händler. Zumindest sieht er sich selbst so. Auf andere mag sein Geschäft befremdlich wirken. Denn Hagedorn handelt mit Waffen. In seinem Laden in der Buddeliner Straße in Grimmen empfängt er seine Kunden, wie jeder andere Geschäftsmann. An einem Verkauf verdient er schon mal fünfstellige Beträge. Die teuerste Waffe, die er je an den Mann brachte, ein Jagdgewehr, kostete 11 000 Euro.

Vor allem Jäger ließen sich ihr Arbeitsgerät etwas kosten, sagt er. Zudem zählten vor allem Sportschützen zu seinem Kundenkreis. Hin und wieder kauften auch Sammler bei ihm ein. „Ich hatte schon Käufer aus der ganzen Welt“, sagt der 38-Jährige. In seinem Sortiment führt er unter anderem Messer, Säbel, Bogen, Schreckschusspistolen, Sport- und Jagdgewehre.

Weder Waffennarr noch Fanatiker

Ein Sammelsurium aus Waffen, das Kennern und kleinen Jungs gleichermaßen das Herz höher schlagen ließe. Für den passionierten Jäger Hagedorn ist das jedoch schlicht Alltag. „Ich bin weder ein Waffennarr noch ein Fanatiker, sondern Händler“, sagt der 38-Jährige. Seine langjährigen Erfahrungen mit Waffen versuche er stets mit seinen Kunden zu teilen. „Ich kann besonders den Jüngeren Tipps aus der Praxis als Jäger geben und versuche bestmöglich auf die Leute einzugehen“, so Hagedorn. Deshalb biete er auch individuelle Beratungstermine an.

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Bis zum eigenen Geschäft und Erfahrungsfundus war es jedoch ein weiter Weg. „Man kann nicht einfach so einen Waffenhandel aufmachen. Allein die behördlichen Auflagen sind extrem hoch“, erklärt er. Vor allem benötige man eine Lizenz als Waffenhändler. Die erwarb sich Hagedorn in einer zeitaufwendigen, nervenaufreibenden und nicht zuletzt kostspieligen Ausbildung in Berlin, wo er seine Sach- und Fachkenntnisse unter Beweis stellen musste. Ohne diese Lizenz sei es gar nicht möglich, hierzulande ein solches Geschäft aufzubauen, erklärt er.

Hoher Umsatz wegen Flüchtlingskrise

Hat man das einmal geschafft, verläuft es, wie in jedem Handelsgeschäft üblich, nach dem Prinzip von Angebot und Nachfrage. Sein Waffensortiment bestünde zum größten Teil aus gebrauchten Gewehren. „Manch einer hat zwei oder drei davon und will deshalb welche loswerden“, sagt er. Seltener kaufe er auch neue Produkte, je nachdem, was der Markt erfordere.

Das sei derzeit nicht viel. Besser lief es vor einigen Jahren, als 2015 und 2016 die Flüchtlingskrise in Deutschland auf ihrem Höhepunkt war. In der Folge hätten sich die Menschen zunehmend bewaffnet. Auch Hagedorns Verkaufszahlen stiegen in dieser Zeit stark an.„Die Leute hatten Angst und fürchteten Veränderungen“, meint er.

Probleme mit kleinem Waffenschein

Vor allem Schreckschusspistolen, die lediglich für die Tierabwehr geeignet seien, hätten die Leute damals gekauft. Für diese Waffen ist nur ein kleiner Waffenschein erforderlich. In dieser Regelung im Waffengesetz sieht Hagedorn ein entscheidendes Problem: „Was sie auf der Straße mit ihren Waffen dürfen und was nicht, wissen nur die Wenigsten. Jeder sollte die Pflicht haben, einen Kurs zu belegen, in dem er über den Besitz von Waffen informiert wird.“

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Er selbst biete Informationsveranstaltungen zum kleinen Waffenschein an. „Wenn sie nur ein bisschen zuhören, wissen die Leute nach drei Stunden bei mir, was sie dürfen und was nicht.“ Er will aufklären. Aber dass liberalere Waffengesetze und somit auch vermehrter Besitz von Waffen, wie einige seiner Kunden hoffen, zu mehr Sicherheit führt, glaube er nicht. „Ich will hier keine amerikanischen Verhältnisse, das funktioniert nicht.“

Keine strengeren Waffengesetze

Doch in die andere Richtung dürfe es auch nicht gehen. Zum Leidwesen von Händlern wie ihm gebe es immer wieder Diskussionen über noch strengere Waffengesetze. Dabei sei es quasi ausgeschlossen, dass die Waffe eines lizenzierten Händlers in die Illegalität abrutsche, da sowohl Käufer als auch Verkäufer den Handel im Waffenregister melden müssten, erklärt Hagedorn. Ginge es nach ihm, müsste man sich viel mehr auf den illegalen Markt konzentrieren: „Es ist falsch, immer auf die zu kloppen, die sich richtig verhalten.“

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