Waldbrände: So gut sind Vorpommern-Rügen und Stralsund vorbereitet
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Waldbrände: So gut sind Vorpommern-Rügen und Stralsund vorbereitet

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07:03 07.09.2021
Der größte Waldbrand in der Geschichte Mecklenburg-Vorpommerns ereignete sich 2019 in Lübtheen. 3000 Kräfte waren im Einsatz, 650 Menschen wurden evakuiert. In Vorpommern-Rügen ist so ein Ereignis eher unwahrscheinlich.
Der größte Waldbrand in der Geschichte Mecklenburg-Vorpommerns ereignete sich 2019 in Lübtheen. 3000 Kräfte waren im Einsatz, 650 Menschen wurden evakuiert. In Vorpommern-Rügen ist so ein Ereignis eher unwahrscheinlich. Quelle: Jens Büttner/dpa
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Stralsund

Monatelange Hitze, ausgedörrte Böden, Ernteverluste und extreme Waldbrandgefahr – in dieser Saison sind wir hier im Gegensatz zu 2018 und 2019 von einem Jahrhundertsommer verschont geblieben. Dennoch gehörten Meldungen über verheerende Wald- und Buschbrände in den vergangenen Monaten zum medialen Alltag – vor allem aus Griechenland, der Türkei und den USA kamen katastrophale Nachrichten. Auch in Italien, Portugal und Südfrankreich brannte es über Wochen. Ortschaften mussten evakuiert werden, Tausende Menschen flohen vor den Flammen.

Die Entwicklung des Klimas legt nahe, dass uns in Sachen Waldbrand noch einiges bevorsteht. Das wirft Fragen auf, wie gut Vorpommern-Rügen und Stralsund vorbereitet sind. Die OZ hat sich auf die Suche nach Antworten gemacht.

Welches Brandrisiko haben die Wälder hier?

Laut Landesforstbehörde hat die größte Fläche des Kreises generell ein geringes Risiko (Stufe C). Das gilt auch für Stralsund. Für Wälder im Raum Barth, Teile des Zingst und des Darß gilt Stufe B (mittleres Risiko). „Der Erfahrung nach brennen vor allem Kiefernwälder, Laubwälder nur selten oder ausnahmsweise“, sagt Thomas Struwe, Stadtförster in Stralsund. „Allerdings müssten wir nach Jahren wie 2018 das Risiko neu bewerten.“ Die Försterhofer Heide südlich der Kreisstadt sei im Offenland gefährdet. „Der Waldteil der Heide wurde aber vorausschauend mit Buchen und Eichen bepflanzt, da passiert eher nichts“, meint Struwe. Die aktuelle Gefährdungslage ist trotz des wärmeren Wetters dieser Tage gering. Zurzeit gilt die Waldbrandwarnstufe eins, die niedrigste von fünf Stufen.

Vorpommern-Rügen ist waldarm

560 000 Hektar in Mecklenburg-Vorpommerns sind bewaldet. Das entspricht 24 Prozent der Fläche. Das Bundesland liegt damit weit unter dem Bundesdurchschnitt von 32 Prozent. Die Landkreise Nordwestmecklenburg (14 Prozent) und Vorpommern-Rügen (19 Prozent) gelten als besonders waldarm, wie die hiesige Kreisverwaltung informiert.

Wie viele Einsatzkräfte hat die Feuerwehr, um Waldbrände zu bekämpfen?

In Vorpommern-Rügen gibt es laut Kreiswehrführer Kay Mittelbach aus Dierhagen 106 Freiwillige Feuerwehren mit 5000 Mitgliedern, davon 3200 im aktiven Dienst. „Jede Gemeinde hat Technik vor Ort. Einen Waldbrand bekämpft man aber nicht alleine“, sagt er. Die Wehren würden im Verbund ausrücken. Die örtlichen Alarm- und Ausrückeordnungen regeln, welche weiteren Feuerwehren zu alarmieren sind. In Stralsund stehen neben dem Löschzug der Berufsfeuerwehr mit elf Einsatzkräften auch die Freiwillige Feuerwehr mit rund 70 Einsatzkräften bereit.

Im Wald gibt es keine Hydranten. Wie würde ein Waldbrand gelöscht werden?

Mittelbach: „Feuerwehrfahrzeuge können im Pendelverkehr Wasser zu den Einsatzorten bringen.“ Die Fassungsvermögen liegen je nach Wagen zwischen 2500 und 5000 Litern. Das Wasser würde entweder aus Hydranten und Löschteichen in Ortschaften gepumpt werden oder notfalls auch aus offenen Gewässern, etwa den Bodden oder der Ostsee, entnommen werden.

2019 gab es einen tagelangen Waldbrand bei Lübtheen (Ludwigslust-Parchim) auf einem früheren Truppenübungsplatz. 3000 Kräfte waren im Einsatz, 650 Anwohner mussten evakuiert werden. Droht so etwas auch bei uns?

„Aufgrund der vorhandenen natürlichen Gegebenheiten ist ein vergleichbares Feuer in Vorpommern-Rügen nicht sehr wahrscheinlich“, lautet die Einschätzung des Landratsamtes. Dennoch halte der Kreis „für alle möglichen Großschadenslagen und Katastrophen einen Katastrophenschutzstab“ vor. „Wir haben hier kaum munitionsbelastete Flächen“, fügt Kay Mittelbach an.

Welche Konsequenzen hatte der Großbrand?

Als Reaktion hat das Land ein 50-Millionen-Euro-Programm „Zukunftsfähige Feuerwehren“ aufgelegt. Daraus werden unter anderem elf Spezialfahrzeuge der Marke Tatra angeschafft, die für die Waldbrandbekämpfung entwickelt wurden. „Sie haben ein Selbstschutzsystem und können ums Fahrzeug herum alles nass machen“, erklärt Mittelbach. „Sie sind geländegängig und haben vorne ein großes Stahlrohr, mit dem sie 30, 40 Meter weit löschen können.“ Die neuen Wagen sollen in verschiedenen Orten in MV stationiert werden. Ein Tatra kommt 2022 auch nach Vorpommern-Rügen. Der genaue Standort steht noch nicht fest. Im Ernstfall würde die Besatzung damit auch weite Wege in andere Landesteile fahren.

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Von Kai Lachmann