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Grimmen Wechsel in der Backstube: Neuer Chef im Kandeliner Traditionsbetrieb
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Wechsel in der Backstube: Neuer Chef im Kandeliner Traditionsbetrieb

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17:00 10.02.2020
Sven Nilius ist der neue Inhaber des Unternehmens Sternback Kandelin. Hier holt er frisches Dinkelbrot aus dem Ofen. Quelle: Almut Jaekel
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Kandelin

Der Herr des Sachsenstollens ist in Rente. Keine Angst, die Leckereien von Sternback Kandelin sowie Brot und Brötchen gibt es zukünftig auch ohne Reinhard Dragheim in der Kandeliner Landbäckerei & Konditorei und in den Filialen. Denn Reinhard Dragheim hat mit Sven Nilius einen Nachfolger gefunden.

Das geschah schon im vergangenen Oktober. Und der 41-jährige Sven Nilius, der bereits zuvor im Kandeliner Betrieb als Bäcker arbeitete und im nahen Jarmshagen wohnt, hat viele neue Ideen. So ist der Februar beispielsweise der Dinkelmonat. Vollkorndinkelbrot, Rusti, Dinkel-Brötchen und ein Dinkel-Müsli-Brot sind deswegen jetzt im Angebot.

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Zur richtigen Zeit am richtigen Ort

Wer sich aber sein gewohntes Mischbrot oder die Sonntagsbrötchen wie immer holen möchte, findet auch die in den Filialen in Kandelin, Negast und Greifswald oder im mobilen Verkaufswagen auf dem Greifswalder Marktplatz beziehungsweise in den Dörfern der Region.

„Ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort“, sagt Sven Nilius, wenn er danach gefragt wird, warum er das Unternehmen mit seinen 24 Angestellten übernommen hat. Und obwohl er ja als Mitarbeiter genau wusste, wie es langgeht, war es doch „ein Sprung ins kalte Wasser“, sagt er. Zum Glück habe er in der Buchhaltung die erfahrene Frau von Reinhard Dragheim an seiner Seite. Nur jetzt habe sie leider Urlaub …

Neuer Inhaber will Konditorei ausbauen

„Ich kenne das Kandeliner Unternehmen schon mehr als 20 Jahre, habe hier meine Gesellenprüfung abgelegt“, erzählt Nilius. Schließlich war sein Vorgänger Innungsmeister und alle mussten in Kandelin ihre praktischen Gesellenstücke abliefern. „Aber damals dachte ich nicht im Traum daran, diesen Betrieb einmal zu übernehmen“.

Und was will der neue Inhaber verändern? „Wir wollen den Konditoreibereich ausbauen“, berichtet er. Torten für Hochzeiten, Geburtstage und andere Feste soll es künftig mehr aus der eigenen Konditorei geben. Mottotorten eben, wie es sie nicht überall gibt.

Obwohl Sven Nilius jetzt der Chef ist, muss er dennoch weiter nachts arbeiten. „Das ist als Bäcker einfach so“, sagt er. Denn das Kandeliner Unternehmen sei ja noch ein reiner Handwerksbetrieb, kein Industriebäcker. Es sei alles Handarbeit, es gebe keine Industrierohstoffe, die Zutaten kommen aus der Region. Ab 23 Uhr bis morgens, wenn alles fertig ist, sind die Kandeliner Bäcker aktiv.

Die Familie muss zurückstecken

Acht Mitarbeiter sind in der reinen Produktion beschäftigt, die anderen Angestellten sind Verkäufer. „Da muss die Familie mitspielen, wenn man Bäcker ist. Der Partner muss auch zurückstecken“, sagt Nilius. Er selbst schläft meist vormittags ein bis zwei Stunden und dann abends vor Arbeitsbeginn zwei bis vier Stunden. „Sonst hat man ja überhaupt nichts von seiner Familie, sagt der Vater von drei Kindern. Schwer wird es im Urlaub auf „normal“ zurückzuschalten. „Eine Woche brauche ich für die Umstellung“, erzählt er.

Sternback Kandelin

1986 eröffnete der „Kandeliner Bäcker“ als Bäckerei der dortigen LPG unter Bäckermeister Reinhard Dragheim.

Dragheim übernahm den Betrieb als Sternback Kandelin nach 1990 in die Selbstständigkeit, bildete rund 50 Bäcker und 30 Verkäuferinnen aus und übergab die Firma jetzt an seinen Nachfolger Sven Nilius.

Sternback-Filialen werden zurzeit direkt in Kandelin, in Negast und Greifswald betrieben.

Außerdem sind die Backwaren regelmäßig aus dem mobilen Verkaufswagen auf dem Greifswalder Markt sowie in den Dörfern der Region erhältlich.

Die außergewöhnlichen Arbeitszeiten sind es seiner Meinung nach auch, was viele junge Leute davon abhält, Bäcker zu werden. Nilius selbst darf Lehrlinge ausbilden und würde das auch gern tun. Wer also Interesse hat, könne sich gern beim ihm melden.

Und noch einmal für alle, die um das nächste Weihnachtsfest bangen: Das Rezept des fast schon berühmten Sachsenstollens aus Kandelin, der eigentlich ein echter Dresdner Stollen ist, nur den Namen nicht tragen darf, hat Sven Nilius auch von seinem Vorgänger übernommen.

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Von Almut Jaekel

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