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Grimmen „Werde ich nie vergessen“: Wünschewagen erfüllt Frau aus Vorpommern ihren Traum
Vorpommern Grimmen „Werde ich nie vergessen“: Wünschewagen erfüllt Frau aus Vorpommern ihren Traum
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11:17 24.08.2019
Heidrun und Hans-Jürgen Schult aus Keffenbrink im Wünschewagen mit Michaela und Frank, die sich ehrenamtlich beim ASB engagieren. Quelle: privat
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Keffenbrink

Heidrun Schult sitzt auf ihrer kleinen Terrasse hinter dem Haus in Keffenbrink, schaut auf den liebevoll gestalteten und gepflegten Hof. Überall blühen bunte Blumen, auf dem kleinen Gartenteich schicken sich die Seerosen an, ihre Blüten zu zeigen. „Ich brauchte nicht viel, um das so anzulegen, nur Erde und Pflanzen“, sagt sie nachdenklich.

„Mein Mann hat früher wenig für Blumen übrig gehabt. Mittlerweile pflegt er das alles hier“, erzählt die 65-Jährige weiter. Ihr hat das Schicksal übel mitgespielt. Es fing vor rund sieben Jahren an. Mit einem Nierenkarzinom. Mittlerweile ist der Krebs auch in ihrem Kopf – Heilung ausgeschlossen.

Totkrank und doch voll Lebensmut

Heidrun und Hans-Jürgen Schult aus Keffenbrink. Die 65-Jährige kämpft seit sieben Jahren gegen Krebs an. Einmal noch wollte sie zu einem Konzert von Ben Zucker. Der ASB-Wünschewagen machte es möglich. Quelle: Anja Krüger

Erst vor wenigen Wochen ist dies festgestellt worden. Und trotzdem steckt sie voll Lebensmut. Nicht zuletzt durch und für ihre beiden Kinder, die Enkel, ihre Geschwister. „Alle kümmern sich so lieb um mich. Manchmal ist es fast schon ein wenig zu viel“, sagt sie. Erst kürzlich erfüllt ihre Tochter Mareen ihr mithilfe der Ehrenamtler des Wünschewagens vom Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) einen Traum. „Meine Tochter erzählte mir, dass sie zum Konzert von Ben Zucker nach Sellin fahren würde. Ich sagte ihr daraufhin, dass ich mir wünschen würde, sie begleiten zu können“, erzählt die 65-Jährige.

In diesem Moment erinnert sich Tochter Mareen an einen Flyer vom ASB-Wünschewagen. Sie organisiert innerhalb von zwei Tagen, dass ihre Eltern Anfang August beim Konzert des Shootingstars Ben Zucker in Sellin dabei sein können. „Es war ein unbeschreiblich schöner Tag – einer, den ich mein Lebtag nicht vergessen werden“, sagt Heidrun Schults Mann Hans-Jürgen (67). Unübersehbar ringt er um Fassung – wohl wissend, wie es um die Gesundheit der Frau steht, mit der er im Oktober 45 Jahre lang verheiratet ist.

Emotionaler Zwischenstopp in Grammendorf

Es ist Freitagabend, als das Telefon bei Schults klingelt. Gerade erst ist Heidrun Schult aus dem Krankenhaus entlassen worden. Tochter Mareen berichtet von einer Überraschung, dass der Wünschewagen sie und ihren Mann am kommenden Tag abholen werde. Wohin die Tour führt, erzählt die Tochter nur ihrem Vater.

15.30 Uhr steht der ASB-Wagen dann am Sonnabend vor der Tür. Die Fahrt führt über den Ort Grammendorf, wo sich zahlreiche Einwohner vor dem Einkaufsmarkt zum Sommerfest eingefunden haben. „Jedes Jahr waren auch wir da. Das haben wir auch den beiden im Wünschewagen beim Vorbeifahren erzählt“, berichtet Hans-Jürgen Schult, der von seiner Frau liebevoll Hansi genannt wird.

Daraufhin macht der Wagen kehrt, fährt zurück zum Einkaufsmarkt. „Die Anteilnahme der Leute ist unbeschreiblich, so emotional, gewesen. Viele Leute haben Heidrun einfach in den Arm genommen“, erzählt der 67-Jährige. In dem Nachbardorf von Keffenbrink kennt man Heidrun Schult. Einige Jahre lang hat sie dort den Friseursalon geleitet. „35 Jahre lang war ich Friseurin. Jetzt bin ich in Rente und habe nichts davon“, sagt die 65-Jährige nachdenklich, aber nicht verbittert.

„Am liebsten würde ich die Zeit anhalten.“

Sie denkt wieder zurück an diesen wundervollen Abend in Sellin. Dort angekommen, entdeckt Heidrun Schult dann ihre Tochter Mareen zwischen all den Menschen. Rund 6000 Konzertbesucher haben sich bereits an der Seebrücke eingefunden, wo Ben Zucker später auftreten wird.

Heidrun Schult und ihr Mann bekommen einen Platz fernab des Trubels, wo sie aber trotzdem einen hervorragenden Blick auf die Bühne und Heidrun Schults Idol haben. „Heidrun wäre gern auch am Strand gewesen. Die Leute vom Wünschewagen hätten uns auch hingebracht. Aber meine Frau hatte Angst, mit dem Rollstuhl umzukippen“, erzählt Hansi Schult.

Noch einmal Strandsand und Ostseewasser fühlen: Michaela vom ASB holte beides zu Heidrun Schult. Quelle: privat

„Also holte Michaela, neben dem Fahrer Frank eine der Ehrenamtlichen, die uns im Wünschewagen begleitete, Strandsand und Ostseewasser zu ihr“, berichtet er weiter. „Die gesamte Zeit über waren alle vom Wünschewagen-Team so fürsorglich“, fügt Heidrun Schult hinzu.

Sie möchte Danke sagen. „Danke für dieses unvergessliche Erlebnis“, unterstreicht sie. „Was diese Menschen ehrenamtlich leisten, ist einfach toll, man kann ihnen nicht oft genug danken, ihr Engagement nicht genug würdigen“, fügt ihr Mann hinzu.

Liebevoll legt er den Arm um die Schultern seiner Frau. „Am liebsten würde ich die Zeit anhalten“, sagt er. Und dann rinnt ihm doch eine Träne über die Wange und er schaut nachdenklich auf das Blumenmeer auf dem Hof.

Seit 2017 in MV unterwegs

Der Wünschewagen richtet sich an Menschen in ihrer letzten Lebensphase. Das Projekt wird vom Arbeiter-Samariter-Bund ehrenamtlich getragen und durch Spenden finanziert.

In Mecklenburg-Vorpommern wurde der Wünschewagen am 14. Juni 2017 gemeinsam von Franz Müntefering, Präsident des ASB, mit Landtagspräsidentin Sylvia Bretschneider und dem ASB-Landesgeschäftsführer Mathias Wähner am Leuchtturm in Warnemünde gestartet.

Mehr zum Wünschewagen im Internet unter www.wuenschewagen.de

Mehr zum Wünschewagen und seine Touren:

ASB erfüllt mit dem „Wünschewagen“ letzte Wünsche

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Von Anja Krüger

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