Wie Reiterhöfe in Vorpommern der Corona-Krise trotzen
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Grimmen Wie Reiterhöfe in Vorpommern der Corona-Krise trotzen
Vorpommern Grimmen

Wie Reiterhöfe in Vorpommern der Corona-Krise trotzen

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14:20 27.03.2020
Der Reitunterricht auf dem Isländer-Hof der Familie von der Waydbrink muss derzeit wegen der Corona-Krise pausieren. Quelle: privat
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Stralsund

Während das sportliche Leben durch den Coronavirus zurzeit fast komplett still steht, können einige Sportler nicht einfach so eine Pause einlegen. Die Reiter und Pferdebesitzer aus Vorpommern-Rügen und Vorpommern-Greifswald müssen ihre Pferde versorgen und bewegen.

„Wir sind so ziemlich die einzigen, die ihren Sport noch weiter ausüben können. Bisher gibt es dabei keine Probleme, nur ein Verein ist bereits zuvor an mich herangetreten, aber auch das ist erledigt“, erklärt Birca Roos vom Kreisreiterbund Vorpommern-Rügen. Sie sieht einen großen Vorteil darin, dass im Flächenland genug Abstand gehalten werden kann und auch Ausritte ohne Probleme möglich sind.

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Reiterhöfe halten sich an Regeln

Damit das Ansteckungsrisiko für die Mitarbeiter der Pferdehöfe und Reiter minimal bleibt, hat die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) klare Regeln aufgestellt, an die sich die Reitställe halten. So soll sichergestellt werden, dass die Grundversorgung und Bewegung der Pferde gewährleistet wird.

„Wir haben einen Plan, wer wann kommt. So sind immer nur zwei Leute im Stall und haben damit genug Abstand“, erklärt Margitta Wiktor, die in Zubzow auf Rügen einen Reiterhof betreibt. „Bei uns ist alles im grünen Bereich. Wir haben zum größten Teil eingestallte Pferde und die Leute kommen und können sie bewegen. Dazu habe ich nur einen Mitarbeiter, der die Tiere täglich versorgt“, berichtet Wiktor.

Etwas anders, aber bisher auch reibungslos, verläuft der Krisenfahrplan beim Reit- und Fahrverein Grimmen. „Wir haben ausreichend Futter gebunkert und wir haben einen offenen Stall, so müssen die Tiere nicht täglich bewegt werden. Die Außensaison hat ja auch jetzt erst langsam angefangen“, erzählt Klaus-Dieter Panzenhagen, der sich auf einen festen Helfer und zwei Helferinnen aus der Region verlassen kann. „So gibt es auch Ersatz, falls ich ausfallen sollte“, so Panzenhagen.

Nicht jeder will die Situation akzeptieren

Im Reitstall von Dirk Duffner in Sundhagen können die Pferdebesitzer momentan nicht wie gewohnt zu ihren Tieren. „Es herrscht für alle eine unklare Situation und wir versuchen, so wenig Kontakt wie möglich zu haben“, begründet Duffner die derzeitigen Regelungen, die keinen unbegrenzten Zugang zu den Tieren zulässt.

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Das Reiten ist nur begrenzt möglich und eine Liste soll den Verkehr auf dem Hof regeln. „Wir hängen einen Plan aus, damit nur zwei Pferdebesitzer zeitgleich auf der Anlage sind. Damit jeder zu seinem Pferd kann, dürfen sie nicht länger als eine oder anderthalb Stunden bleiben. An die Umsetzung will sich aber noch nicht jeder halten“, beschreibt Duffner Probleme mit den Auflagen für die Reiter.

Die Schimmel nicht frühzeitig scheu machen

Bisher keine Veränderungen bringt die momentane Situation auf dem Pferdehof Will auf Usedom. „Wir haben hier so viel Luft und Bewegungsfreiheit, dass man sich ohne Probleme aus dem Weg gehen kann“, erzählt Betreiberin Brigitte Will. Die zum Hof gehörenden Pferde und die privat eingestallten Tiere stehen auf getrennten Koppeln und sind so für die Besitzer frei zugänglich.

„Die Tiere profitieren von der Situation. Die liegen auf der Koppel und genießen die Sonne“, erzählt Will scherzhaft. Auch wenn es durch die Tourismussperre einige Stornierungen gab, ist die Betreiberin gelassen: „Viele Sachen sind erst für Juni oder Juli gebucht, da müssen wir die Schimmel jetzt noch nicht scheu machen. Andere Termine wurden umgebucht und auf den Herbst verlegt.“

Mit Gutscheinen dem Hof helfen

Der Isländer-Hof von der Waydbrink in Viersdorf bei Stralsund hat seine Reitstunden für Kinder und Jugendliche seit anderthalb Wochen ausgesetzt. „Leider mussten wir unseren Reitschulbetrieb auf Grund der aktuellen Situation einstellen. Was für euch ein paar Wochen ohne Reitunterricht bedeutet, ist für unseren Betrieb eine Angst, die laufenden Kosten decken zu können. Schließlich fehlen wichtige Einnahmen, aber die Ausgaben bleiben“, teilt Betreiberin Josephine von der Waydbrink auf der Internetseite des Hofs mit.

Ihr sei die Idee eines Gutscheins gekommen, den man nach der Krise einlösen könne. Zudem werde der Hof nach Ostern Wochenendangebote unterbreiten – zum Beispiel zusätzliche Reitstunden. „Ein Teil der ausgefallenen Stunden könnten so nachgeholt werden.“

Ein Termin wäre ein schönes Ziel

Um die Versorgung der Tiere macht sich Birca Roos generell wenig Sorgen: „Wir sind in einer guten Ausgangslage. Fast alle Pferde stehen in kleineren Ställen mit dem Platz für Ausritte drumherum. Das wird in Ballungszentren mit sehr großen Ställen viel schwerer zu organisieren sein.“

Probleme gibt es nur mit dem Terminplan der Reiter aus Nordvorpommern-Rügen. Die ersten Turniere wurden bereits abgesagt und auch die Veranstaltungen im Mai werden wohl nicht stattfinden können. „Die grüne Saison steht vor der Tür. Wir haben hier ja fast keine Hallensaison und können nur im Sommer zu Turnieren. Man freut sich so auf die Saison, aber irgendwie steht alles in den Sternen“, sagt Roos, die sich über einen festen Starttermin freuen würde: „Selbst wenn es dann August heißt, wäre das immerhin ein schönes Ziel.“

Training komplett zum Erliegen gekommen

Die Turnierpferde sind nach Aussage von Roos in bester Verfassung, um in die Saison zu starten, doch das Training ist fast vollständig zum Erliegen gekommen. Während es bei den meisten Pferden reicht, wenn sie regelmäßig bewegt werden, bedürfen Sportpferde einer anderen Aufmerksamkeit. „Da muss man dran bleiben und weiter arbeiten. Sonst können sie Krankheiten entwickeln“, warnt Roos. So fördert zu wenig Bewegung Koliken, eine für Pferde gefährlich Darmkrankheit, die sogar zum Tod führen kann.

„Vereinsmäßig ist bei uns natürlich sehr wenig los. Ein Großteil unseres Vereins besteht aus einer Kinder-Voltigiergruppe, die momentan nicht trainieren kann“, benennt Panzenhagen die sportlichen Folgen beim RFV Grimmen. Wann es weitergehen kann ist nicht klar. Nach einem Beschluss der Landes- und Bundesregierung sind bis auf weiteres alle Sportstätten zu schließen.

Fehlender Tourismus kann neue Probleme bringen

Ein anderes Problem wird erst im Sommer auf einige Reiterhöfe zukommen. Denn dann beginnt die Saison für Ferien mit Pferd oder Reiterlager. So haben die meisten Pferdebetriebe in der Region auch ein touristisches Angebot, womit sie im Sommer Gäste auf den Hof bekommen. „Wenn der Tourismus komplett wegfällt, wird das für einige ein Problem“, weiß Roos, die aber noch keine Prognose dazu abgibt. „Ich bin froh, dass das Virus bei uns noch nicht so stark angekommen ist und wir die Pferde weiter versorgen können.“

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Von Niklas Kunkel