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Grimmen Wie gefährlich ist das alte Erdöl-Bohrloch?
Vorpommern Grimmen Wie gefährlich ist das alte Erdöl-Bohrloch?
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13:31 22.02.2018
Erdölkumpel an einer Bohranlage bei Grimmen auf einem Foto vom Oktober 1964. Quelle: Inge Schmidt
Wilmshagen

Warum muss ein lange Jahre versiegelter, alter Erdölbohrschacht neu verstopft werden? Ist etwa die Umwelt gefährdet? Das fragten sich in der vergangenen Woche die OZ-Leser.

Bohrschacht wurde Anfang der 1960er-Jahre angelegt

Unter der Überschrift „Erdöl: Alter Bohrschacht wird verfüllt“ berichtete die OZ, dass der Erdgas- und Energiedienstleister Engie E&P Deutschland jetzt mit dem neuerlichen Verfüllen eines vor Jahrzehnten stillgelegten Ölbohrschachtes beginnt. Der Schacht südlich von Reinkenhagen in Höhe Wilmshagen war Anfang der 1960er-Jahre angelegt worden, um Erdöl zu fördern, was sich aber als unwirtschaftlich erwies. Zehn Jahre später wurde der Schacht zurückgebaut und verfüllt. Nach Prüfung der Dokumentationen zur damaligen Verfüllung sei festgestellt worden, dass die Arbeiten nicht nach dem heutigen Stand der Technik durchgeführt wurden, teilte das Unternehmen mit, dass seit Freitag voriger Woche unter dem Namen Neptune Energy firmiert. Der Schacht soll nun neu verfüllt werden. Aber: War der alte denn undicht? Strömt etwa Gas aus oder drückt gar Öl nach oben?

Methan und Kohlendioxid als Erdöl-Begleitgase

Diplom-Ingenieur Bernd Ebeling beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema der Erdölförderung. Auf der Webseite des Unternehmens Engie habe er von dem Vorhaben in Vorpommern gelesen. „Ich habe noch nie davon gehört, dass ein Bohrloch neu abgedichtet werden musste“, erklärt der Umweltaktivist aus Niedersachsen, der befürchtet, dass aus dem alten Bohrloch Erdöl-Begleitgase wie etwa Methan oder Kohlendioxid entweichen könnten.„Eine Undichtigkeit der Bohrung ist nicht der Anlass der durchzuführenden Verwahrungsarbeiten“, informiert Katharina Henkel, Sprecherin des Landes-Energieministeriums, auf Nachfrage der OZ. Auch sei ein Austritt von Schadstoffen nicht festgestellt worden. Es gehe vielmehr darum, dem vorzubeugen, ist zu erfahren. Die im Jahr 1971 verfüllte Bohrung „E Reinkenhagen 7/62“ sei „zur Entlassung aus der Bergaufsicht“ geprüft worden.

Bohrung nicht ordnungsgemäß verfüllt

Das Bergamt Stralsund habe bereits vor Jahren festgestellt und mit einem Schreiben vom März 2011 darüber informiert, dass die Bohrung im Jahr 1971 nicht ordnungsgemäß verfüllt worden war. Ein Gutachter sei zudem zu der Einschätzung gekommen, dass die Tiefbohrung „weder bezüglich ihrer Abdichtung zur Oberfläche noch bezüglich ihrer Abdichtung im Bereich potenzieller Lagerstätten den damals gültigen Vorschriften nach DDR-Bergrecht noch nach aktuellen Vorschriften entspricht“. Das alte Bohrloch, das wohl an die 2300 Meter in die Tiefe reicht, soll nun „mittels Zementation“ nach neuesten Vorschriften neu abgedichtet werden. Im Reinkenhagener Bereich müssten keine weiteren Bohrschächte saniert werden, teilt die Sprecherin mit.

35 Meter hoher Turm wird im Mai oder Juni aufgebaut

„Derzeit führen wir noch vorbereitende Arbeiten aus, schieben zunächst Mutterboden weg“, sagt Hanna Jansky, Sprecherin des Engie-Nachfolgers Neptune Energy. Der 35 Meter hohe Turm zur Verfüllung werde wohl im Mai oder Juni errichtet. Wie viel Geld die ganze Aktion verschlingen wird, die bis Ende des Jahres abgeschlossen sein soll, mag die Sprecherin nicht verraten: „Zu den Kosten äußern wir uns nicht.“Wie aus dem Energieministerium zu erfahren ist, zahlt Neptune die Sanierungskosten an die ausführenden Firmen zu 100 Prozent, ist aber unterm Strich nur mit zehn Prozent dabei. Denn 90 Prozent werden dem Land MV – namentlich der Gesellschaft für Abfallwirtschaft und Altlasten – in Rechnung gestellt. Aus dem Sondervermögen zur Sanierung ökologischer Altlasten in MV werden also 90 Prozent der Gesamtkosten an Neptune gezahlt. Das Land bekommt dann vom Bund, vertreten durch die Gesellschaft zur Entwicklung und Sanierung von Altstandorten (GESA), wiederum 60 Prozent erstattet, so dass beim Land 40 Prozent der nicht durch Neptune beglichenen Kosten verbleiben.

Franke Peter

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