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Grimmen Grimmen liebt Zirkus Humberto
Vorpommern Grimmen Grimmen liebt Zirkus Humberto
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05:15 20.04.2019
Daniela Ortmann spielt mit dem Feuer und stammt aus Italien.
Daniela Ortmann spielt mit dem Feuer und stammt aus Italien. Quelle: Carolin Riemer
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Grimmen

Vor der Kasse: eine lange Schlange. Im Zelt spielt Musik vom Band und Gino Ortmann (31) schlüpft in seinem Wohnwagen ins Kostüm. In zehn Minuten beginnt die Vorstellung des mecklenburgischen Landeszirkusses „Humberto“. Heute spielt er aber im vorpommerschen Grimmen. „Wir sind hier immer sehr willkommen“, sagt der jüngste Sohn von Zirkus-Direktor Joschi Ortmann.

Tierschützer oder frustrierte Jugendliche

In jeder Stadt, die der Zirkus besucht, werden zwar 20 bis 30 Zirkus-Plakate zerstört, aber ob das nun Frust von Tierschützern sei, oder Zerstörungswut von Jugendlichen, da möchte der Artist sich nicht festlegen. Fakt ist: Zirkus ist schwierig geworden in einer Zeit, in der Tierliebe groß geschrieben wird, Preise explodieren und Vorschriften härter werden. „Dabei haben wir nichts zu verbergen. Wir, beziehungsweise unsere Tiere, werden wöchentlich vom Veterinäramt untersucht, sie haben viel Auslauf, es geht ihnen gut.“ Familie Ortmann macht seit sieben Generationen Zirkus.

Das Zelt am Vietlipper Damm ist gut gefüllt. Mütter, Väter. Kinder unter acht Jahren. Gino ist fröhlich. Ein guter Start am Premieren-Abend. Raubkatzen gibt es schon seit einigen Jahren nicht mehr im Zirkus „Humberto“. Dafür aber zwei Kamele, edle Pferde und Watussi-Rinder mit imposanten Hörnern auf dem Kopf. Tänzerin Romina balanciert mit einem Schirmchen in der Hand und im rosa Kostüm über ein Drahtseil. Daniela aus Italien, und die Frau von Gino, lässt Reifen um ihren Körper wirbeln. Der Zirkus geht mit der Zeit und wird vom Publikum mit Applaus belohnt. Roberto Ortmann lässt einen leuchtenden Quader zu moderner Musik durch die Manege tanzen. Daniela spielt in der Dunkelheit mit Feuer. Das Publikum klatscht vor Freude in die Hände. Der Manegen-Zauber ist perfekt.

Manegen-Zauber

Früher gab es noch Affen und Kleinwüchsige

Die 90-jährige Oma der leidenschaftlichen Zirkus-Familie, Isolde Ortmann, kennt noch andere Zeiten. Ihr Vater dressierte Hirsche und sogar Affen. Sie hatten kleinwüchsige Menschen im Programm und die ganze Stadt war in Aufruhr, wenn der Zirkus einzog. Heutzutage undenkbar. Die Artisten müssen waghalsig sein, um das Publikum zu begeistern. Gino, der genau wie sein Bruder Roberto, die Berliner Artistenschule besuchte, lässt sich an Strapaten bis in den zwölf Meter hohen Zirkushimmel ziehen. Dort zeigt er, was er kann. Ohne Sicherung, die ihn vor einem schmerzhaften Sturz schützen würde. Schief darf da nichts gehen. Auch sein Bruder verzichtet auf eine Sicherung, als er in elf Metern Höhe Handstände auf wackeligen Stühlen macht. „Eine Longe? Das würde nur stören“, erklärt Gino.

Sultan wurde im Zirkus geboren

Wenn die Saison beginnt, in diesem Jahr reisen die Humbertos wegen der milden Temperaturen schon seit Anfang März von Stadt zu Stadt, trainieren sie ein Mal pro Woche. Meistens mittwochs. „Denn der Körper braucht einen Tag, um sich zu erholen. Muskelkater können wir in der Vorstellung nicht gebrauchen.“ Zirkus Humberto spielt mit der Romantik und der Moderne. Pferde dürfen auch heutzutage nicht in der Manege fehlen. Kleine Ponys und edle Araber-Hengste kreisen im feinen Sägemehl-Staub, der manch einem Zuschauer in Nase und Auge dringt. Das sei besser für die Hufe der Tiere, erklärt Gino. Beim Anblick von Kamel Sultan verzeiht man das sofort. Der Neunjährige wurde im Zirkus geboren und erträgt geduldig, dass dutzende Kinder nach der Vorstellung auf seinen Rücken klettern. Dann ist man halt etwas staubig vom Sägemehl. Hauptsache Sultans Füße tun nicht weh. „Großartig“, findet Besucherin Cornelia Romoth, die mit Tochter und Enkelin zur Vorstellung kam: „Diesen Zirkus kann ich nur empfehlen.“

Carolin Riemer

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