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Ribnitz-Damgarten Mann stellt selbst Warnschilder vor Wildwechsel auf – Amt droht hohe Strafe an
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Mann stellt selbst Warnschilder vor Wildwechsel auf – Amt droht hohe Strafe an
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14:03 23.07.2019
Patrick Göseke hat zwei dieser Schilder an der B105 zwischen Tempel und Wiepkenhagen aufgestellt. Nachdem er Post vom Straßenbauamt bekam, hat er die Motive verhängt. Quelle: Robert Niemeyer
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Eigentlich will Patrick Göseke ja nur helfen, sorgt er sich doch um die Verkehrssicherheit auf der Bundesstraße 105 zwischen Tempel und Wiepkenhagen. „Wenn es nur einen Unfall weniger gibt, haben wir schon was geschafft“, sagt der 59-Jährige. Doch die Behörden spielen offenbar nicht mit.

Im Mai hatte der Ahrenshäger einen Entschluss gefasst. Die üblichen Verkehrsschilder, die vor Wildwechsel warnen, reichen seiner Meinung nach an der Stelle nicht aus. Göseke nahm etwas Geld in die Hand und besorgte zwei weitere Schilder. „Diese Motive habe ich in Schleswig-Holstein gesehen“, sagt der 59-Jährige. „Vorsicht! Starker Wildwechsel“ steht auf dem Schild geschrieben, illustriert mit einem rennenden Hirsch.

26 Wildunfälle im Jahr 2018

Der Abschnitt der B105 ist bekannt für rege Wildbewegungen. Vor allem in den Abendstunden grasen vor allem Rehe direkt am Straßenrand an der Grenze zum Wald. Im vergangenen Jahr kam es auf diesem Streckenabschnitt laut Polizei zu 26 Wildunfällen.

Etwa 1000 Euro hat Göseke für die Schilder bezahlt. Zuerst hatte er die Schilder an Bäume genagelt. „Irgendeiner hat dann eines der Schilder geklaut.“ Und so besorgte er einen Pfahl und eine Halterung und stellte die Schilder vorschriftsmäßig auf.

Dann bekam Göseke Post vom Straßenbauamt. Unter Androhung eines Bußgeldes von bis zu 5000 Euro wurde er aufgefordert, die Schilder zu entfernen. Die Begründung: Derlei Anlagen müssten mindestens 20 Meter von der Straße entfernt sein. „Aber ich gebe nicht so einfach auf“, sagt Göseke. Vorerst hat er die Schilder verhüllt und hofft nun auf eine Einigung mit dem Straßenbauamt bzw. der Straßenverkehrsbehörde. „Ich will mir hier kein Denkmal setzen. Ich möchte auch keinen Krawall machen, sondern einfach vernünftig mit jemandem sprechen, der dafür zuständig ist.“

Im nächsten Schritt könne er sich vorstellen, blaue Reflektoren an den Begrenzungspfählen der Straße zu installieren. Das blaue Licht soll Wild davon abhalten, auf die Straße zu rennen. Die Wirkung dieser Reflektoren ist zwar umstritten. „Aber wenn man nichts macht, verändert sich gar nichts“, so Göseke.

Zumal er bei jedem Wildunfall auf der Strecke auch selbst betroffen ist. Ihm bzw. seiner Familie gehört das Waldstück an der B105. Göseke ist der zuständige Jagdpächter, der immer dann gerufen wird, wenn es auf der Strecke mit Wild knallt. „Ich muss die toten Tiere auf meine Kosten entsorgen“, sagt Patrick Göseke.

Bauliche Anlage statt Verkehrsschild

Das amtliche Verkehrszeichen 142 „Wildwechsel. Quelle: Martin Schutt

Auf Anfrage beim Landkreis Vorpommern-Rügen teilte Kreissprecher Olaf Manzke mit, dass Hinweistafeln wie diese keine offiziellen Verkehrszeichen seien. Unter bestimmten Bedingungen könnten diese Warnschilder jedoch angebracht werden. Dabei seien jedoch drei Behörden zu beteiligen: die Straßenverkehrsbehörde und die Baugenehmigungsbehörde beim Landkreis sowie der Straßenbaulastträger, also im Falle der Bundesstraße das Straßenbauamt.

Ein Schild wie dieses könne dann als Werbeschild bzw. als bauliche Anlage behandelt werden. Ist die Fläche des Schildes kleiner als einen Quadratmeter, könnte die Errichtung ohne Baugenehmigung möglich sein. Außerhalb geschlossener Ortschaften dürfen diese nicht näher als 20 Meter an der Straße stehen, um Autofahrer nicht vom Verkehr abzulenken.„In jedem Fall ist aber ein Antrag bei den Behörden zu stellen“, so Olaf Manzke.

Dann prüfen die Behörden den Fall, unter anderem unter dem Gesichtspunkt, inwiefern der Straßenverkehr beeinträchtig werden könnte. Zur Sinnhaftigkeit dieser Schilder sagte Manzke: „Grundsätzlich gilt das offizielle Verkehrszeichen, das vor Wildwechsel warnt. Aber alles was hilft, Unfälle zu vermeiden, sollte sinnvoll sein.“

„Zusätzliche Schilder lenken ab“

Das Straßenbauamt selbst sieht auf Anfrage offenbar keine Möglichkeit, dass die Schilder dort stehen bleiben können. „Die Aufstellung ist nicht möglich“, teilte Manfred Borowy, Dezernent Straßenbau beim Straßenbauamt Stralsund mit. Der Grund: Es handelt sich eben nicht um das amtliche Verkehrszeichen. Deshalb gilt hier die 20-Meter-Regelung.

Die Eingrenzung von Wildunfällen genieße in der Behörde einen hohen Stellenwert. Deshalb sei in dem Bereich der B105 auch zweimal das amtliche VerkehrszeichenWildwechsel“ (Verkehrszeichen 142) aufgestellt worden. „Zusätzlich privat aufgestellte Beschilderung führt zur Ablenkung der Verkehrsteilnehmer, da es sich eben nicht um amtliche Beschilderung handelt“, so Borowy. Bürger haben zumindest die Möglichkeit, einen Antrag zu stellen, amtliche Verkehrsschilder aufzustellen.

Wie es mit den Schildern von Patrick Göseke weitergeht, soll bei einem Vor-Ort-Termin abschließend geklärt werden.

Robert Niemeyer

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